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09.02.2005

17:16 Uhr

Länder bauen ihre Schulden ab

Saudischer Haushaltsüberschuss: 26 Milliarden Dollar

Den Ölländern im Mittleren Osten haben die hohen Rohölpreise einen wahren Geldsegen beschert. Obwohl sich die Opec-Staaten am Golf von ihrer Größe und wirtschaftlichen Struktur zum Teil stark voneinander unterscheiden, gehen sie mit ihren Ölgewinnen ähnlich um: Sie lenken einen großen Teil davon in Infrastrukturprojekte, um die Bedürfnisse ihrer oft rasant wachsenden Bevölkerung zu decken. Zudem verwenden sie die Gelder zum Schuldenabbau.

tom/mzi/keh DÜSSELDORF/BERLIN. Einige nationale Ölgesellschaften wie jene Kuwaits oder Irans lassen ihre Profite in den Ausbau der Förderung fließen. Nach Angaben der National Bank of Kuwait überweist das Land einen Großteil des Überschusses sowie zehn Prozent des Umsatzes aus dem Ölgeschäft an den „Fonds für künftige Generationen“, dessen Vermögen vor allem in Wertpapieren und Anleihen angelegt ist.

Der größte Opec-Förderer Saudi-Arabien hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 106 Mrd. Dollar aus dem Ölexport erlöst, das ist fast doppelt so viel wie in den Jahren zuvor. Nach Recherchen des Informationsdienstes Middle East Economic Survey (MEES) ergibt sich daraus für den saudischen Haushalt 2004 ein Überschuss von 26 Mrd. Dollar. Mehr als die Hälfte dessen, rund 15 Mrd. Dollar, nutzt das Königreich, um seine in der Vergangenheit angehäufte Binnenverschuldung abzubauen.

„Die Regierung geht mit den Gewinnen aus dem Ölgeschäft sehr besonnen um“, sagt Brad Bourland, Chefvolkswirt der saudischen Samba-Bank, einer der größten privaten Finanzinstitute des Landes. Während sich das Königreich in der Vergangenheit bei hohen Ölgewinnen finanziell schnell verausgabt habe, versuche es jetzt, den Bogen nicht zu überspannen. „Neben dem Schuldenabbau legt Saudi-Arabien einen Teil des Geldes in US-Staatsanleihen an“, sagt Bourland.

Für das Land, dessen Bevölkerung jährlich mit einer Rate von 3,5 Prozent wächst, ist vor allem der Aufbau einer privaten Wirtschaftsstruktur wichtig, die nicht am Ölsektor hängt: als Jobmaschine für die arbeitslosen Saudis.

Trotz der Ölgewinne weist der Iran ein Defizit aus

Nach Angaben des MEES will die Regierung daher aus dem Ölprofit gut zehn Mrd. Dollar über die kommenden fünf Jahre in die Entwicklung der restlichen Wirtschaft und in Gasprojekte stecken. Ein weiterer Teil des Geldes fließt in den Fonds zur Entwicklung von Immobilien, der günstige Kredite für den privaten Hausbau bereitstellt.

Von den Staaten am Golf wird nach Einschätzung von Bourland einzig der Iran trotz der Ölgewinne im laufenden Haushaltsjahr ein Defizit aufweisen. Auch kann Teheran nach Angaben des MEES nur einen Teil seiner Profite aus dem Ölgeschäft in den im Jahr 2000 speziell dafür eingerichteten Fonds stecken: Die Regierung benötigte vielmehr einen Teil der Gelder, um den Import von Benzin zu bezahlen.

Zum Schuldenabbau nutzt auch Russland die zusätzlichen Einnahmen durch den hohen Öl- und Gaspreis. Die Bundesregierung hat davon schon profitiert, indem Moskau einen Teil seiner hohen Außenstände vorfristig begleicht. Allerdings warnt Friedemann Müller von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin vor zu großem Optimismus. „Gleichzeitig werden beträchtliche Kapitalabflüsse verzeichnet.“ Mit anderen Worten: Ein erklecklicher Teil des warmen Regens findet sich statt in Russland auf Offshore-Konten vermögender russischer Geschäftsleute wieder. Mithin ein Grund, warum die russischen Energieunternehmen auch heute noch als unterkapitalisiert gelten. Immerhin: Das Geld füllt auch die russische Haushaltskasse, die schon seit Jahren keine fremden Kredite mehr benötigt, um in der Balance zu sein.

Ganz anders verhält sich die Situation in Venezuela. Dort würden die Überschüsse kaum reinvestiert, sagt der unabhängige Ölexperte David Shields. Die zusätzlichen Dollar-Milliarden flössen fast ausschließlich in die sozialen Projekte des linkspopulistischen Präsidenten Hugo Chávez. Branchenexperte Shields hält davon nicht viel: „Dies ist politisch opportun, aber wirtschaftlich unangemessen, weil die staatliche Ölgesellschaft dringend Investitionen benötigt, um mehr Öl fördern und exportieren zu können.“

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