Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.05.2012

10:39 Uhr

Landflucht der Anleger

Agrarrohstoffe locken an die Märkte

VonUdo Rettberg

Immer mehr Kapitalanleger kehren zu den Wurzeln zurück - in die Landwirtschaft. Denn die Rohstoffe vom Feld werden auf lange Sicht immer teurer. Essen und trinken müssen Menschen schließlich auch in Krisenzeiten.

Ein Landwirt auf einem Feld bei Hannover. dpa

Ein Landwirt auf einem Feld bei Hannover.

FrankfurtDie Welt steht beim Kampf gegen den Hunger vor riesigen Herausforderungen. Nahrung wird wegen der steigenden Nachfrage immer mehr zum knappen und letztlich teuren Gut. Wenn die Weltbevölkerung tatsächlich - wie von Experten der Vereinten Nationen (Uno) prophezeit - von derzeit sieben auf acht Milliarden Menschen im Jahr 2025 und dann auf zehn Milliarden im Jahr 2050 steigt, drohen Engpässe und Hungersnöte. Hungerbedingte soziale Unruhen könnten die Folge sein. Nach einer Studie der Weltbank gab es bereits im Jahr 2008 in 33 Ländern auf dem Globus Unruhen wegen Hungersnöten und stark gestiegenen Lebensmittelpreisen.

Wen wundert es daher, dass immer mehr Kapitalanleger vor diesem Hintergrund zu den Wurzeln der menschlichen Geschichte zurückkehren - sprich in den Primärsektor, die Landwirtschaft also.

Anleger machten in den vergangenen Jahren einen guten Schnitt. Das Rendite-Risiko-Radar von Handelsblatt Online und der Privatbank Donner&Reuschel zeigt, dass der CRB-Rohstoffindex, der unter anderem Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais und Vieh beinhaltet in den vergangenen zehn Jahren eine Gewinnanstieg von mehr als sieben Prozent per anno hinlegte. Zum Vergleich: Der Dax schaffte im Zehnjahresvergleich einem jährlichen Zuwachs von 9,16 Prozent. Der Vorteil der Agrarinvestments: Sie sind weniger volatil. Mit Agrarrohstoffen verloren Anleger in der Spitze 24 Prozent in einem Jahr. Beim Dax lag der maximale Verlust bei mehr als 40 Prozent.

Nicht nur deswegen ist für die in Singapur lebende Investment-Legende Jim Rogers agrarische Rohstoffe derzeit die interessanteste Anlageklasse. Rogers' Meinung wird nicht zuletzt durch die Tatsache gestützt, dass Menschen auch in Krisenzeiten essen und trinken müssen und Agrarinvestments unter diesem Aspekt als eine sichere Anlage gelten können. Dabei muss bedacht werden, dass der Kampf um landwirtschaftliche Rohstoffe inzwischen nicht mehr nur von zwei Seiten geführt wird. Denn neben den Menschen, die Lebensmittel brauchen, und den Nutztieren, die Futtermittel benötigen, tritt jetzt auch die Verkehrsbranche als Nachfrager in Erscheinung, der Mais, Sojabohnen, Raps und Zucker für Biotreibstoffe braucht.

Die Experten der FAO - der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Uno - sprechen eine dringende Warnung aus: Soll der wachsende Bedarf an Nahrungsmitteln, Futtermitteln, Biodiesel und Ethanol in Zukunft gedeckt werden, muss die Agrarproduktion um rund 60 Prozent gesteigert werden. Doch die vorhandenen Anbauflächen können nicht beliebig ausgedehnt werden. Im Gegenteil: Die zunehmende Verstädterung lässt die Ackerlandflächen schwinden.

Getreide-Markt: Die Rohstoff-Zocker

Getreide-Markt

Die Rohstoff-Zocker

Neue Studien lassen vermuten, dass Spekulanten Lebensmittelpreise nach oben treiben und damit mitschuldig an Hungersnöten sind.

Die weltweiten Agrarflächen werden Uno-Prognosen zufolge von 5 100 Quadratmeter pro Bürger im Jahr 1950 auf nur noch 2 000 Quadratmeter pro Bürger im Jahr 2050 sinken. Immerhin gibt es in Russland und Afrika noch ungenutzte Flächen. Dass diese Flächen zum Teil brachliegen, hat seine Ursachen in der fehlenden Infrastruktur, den klimatischen Unwägbarkeiten und dem oftmals fehlenden Zugang zu Wasser in diesen Regionen.

Kommentare (25)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

19.05.2012, 10:57 Uhr

Für mich sind Rohstoffe eine ganz gewöhnliche Asset-Klasse und die wird behandelt wie jede andere auch: Kaufen wenn sie billig, und verkaufen wenn sie teuer ist. Moral und Ethik steht hierbei nicht zur Diskussion. Punkt aus !

danke_dir

19.05.2012, 11:03 Uhr

Das zeugt von Ihrem moralischen Standpunkt. Nämlich keinem.

Tomate

19.05.2012, 11:19 Uhr

Ich investiere gerne in Internetfirmen (Calls/Puts) jedoch sind Spekulationen auf Rohstoffe für mich Tabu.
Essen gehört zu den Grundbedürfnissen aller Lebewesen und die Preis dafür sollte man nicht künstlich nach oben treiben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×