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29.04.2014

10:24 Uhr

Laut, heiß, teuer

Bitcoin-Erzeuger auf der Jagd nach Billigstrom

Digitale Bitcoins werden durch das Lösen komplexer Rechenaufgaben von Computern erzeugt. Steigen die Stromkosten, geht das Geschäft nicht mehr auf. Erzeuger gehen deshalb kuriose Wege, um Strom zu sparen.

Ein Mann schreitet zu einer Bitcoin-Konferenz in New York. Die Erzeugung von Bitcoins ist so stromintensiv, dass sich Unternehmer sogar die geothermische Energie der Vulkane zunutze machen. ap

Ein Mann schreitet zu einer Bitcoin-Konferenz in New York. Die Erzeugung von Bitcoins ist so stromintensiv, dass sich Unternehmer sogar die geothermische Energie der Vulkane zunutze machen.

New YorkDas Schürfen von Bitcoins ist sehr energieintensiv. In den fünf Jahren seit ihrer Entstehung hat die Jagd nach der virtuellen Währung genügend Strom verbraucht, um den Eiffelturm in Paris 260 Jahre lang zu beleuchten.

Das so genannte Mining durch das Lösen komplexer Rechenaufgaben von Computern ist aufgrund des hohen Energieverbrauchs ohne Billigstrom kaum noch profitabel. Daher suchen die Schürfer im Rennen um das virtuelle Gold weltweit nach günstiger Elektrizität. Einer der zahlreichen Bitcoin-Miner hat sogar einen Weg gefunden, die Stromrechnung komplett zu umgehen: durch das familieneigene Kraftwerk.

Alex Wilhelm ist ein Auswanderer in Japan, der seine 30 Bitcoin-Server in einem alten Backsteinbau in Österreich per Fernzugriff kontrolliert. Sein Vater stiftet die Elektrizität aus einer Wasserturbine, die eine Bombardierung im Zweiten Weltkrieg überlebte und einst ganz Tattendorf mit Strom versorgte - das Dorf, in dem Wilhelm aufgewachsen ist.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Während sein Mining-Betrieb verglichen mit anderen Bitcoin- Farmen recht moderat ist - dieses Jahr dürften unter dem Strich nicht mehr als 12.500 Dollar (rund 9000 Euro) rauskommen -, verdeutlicht es doch den Knackpunkt: wie wichtig die Stromkosten sind, um beim Bitcoin-Schürfen einen Profit zu machen.

„Im Grunde wird Elektrizität in Geld verwandelt“, sagt Wilhelm vor seinem Flachbildschirm sitzend in Tokio. „Wenn der Strompreis steigt, dann geht die Rechnung nicht mehr auf.“

Der 30-jährige Softwareingenieur drückt ein paar Tasten, woraufhin eine virtuelle Tour seiner Mine auf der anderen Seite der Welt startet. Die Videozuspielung zeigt reihenweise Platinen, die in einem höhlenartigen Raum wie Fledermäuse von Metallgerüsten hängen. Als er den Ton einschaltet, ist der Lärm der Lüfter hörbar, die die Computer kühlen - es klingt etwa so, als stünde man unter einem tosenden Wasserfall.

„Wenn Sie so etwas zuhause haben, dann wird Ihre Frau nicht sehr glücklich sein“, sagt er. „Es ist einfach nur laut und heiß und teuer.“

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