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30.09.2013

14:52 Uhr

Laxe Geldpolitik

Mini-Inflation gibt EZB freie Hand

Der Preisanstieg im Euro-Raum ist so gering wie zuletzt im Februar 2010. Experten gehen deshalb davon aus, dass die EZB ihre lockere Geldpolitik fortsetzen kann. Die Augen richten sich jetzt auf Mario Draghi.

EZB-Chef Draghi kann seine lockere Geldpolitik wohl fortsetzen. ap

EZB-Chef Draghi kann seine lockere Geldpolitik wohl fortsetzen.

Berlin/BrüsselDie Inflation in der Euro-Zone ist trotz teurer Lebensmittel auf den tiefsten Stand seit Februar 2010 gesunken. Damit hat die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin Spielraum, ihre umstrittene Politik des billigen Geldes fortzusetzen. Waren und Dienstleistungen kosteten im September durchschnittlich nur 1,1 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das europäische Statistikamt am Montag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten mit 1,2 Prozent gerechnet. Im August hatte die Teuerungsrate noch bei 1,3 Prozent gelegen.

Den größten Preisdruck in der Euro-Zone gab es bei Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabak: Diese Waren kosteten im September 2,6 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Auch Dienstleistungen verteuerten sich mit 1,5 Prozent überdurchschnittlich. Energie hingegen war 0,9 Prozent billiger zu haben als im September 2012.

Die EZB spricht bei Werten von knapp zwei Prozent von stabilen Preisen. Bei ihrer Sitzung am Mittwoch dürfte sie Experten zufolge den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent belassen. Mit den niedrigen Zinsen und regelmäßigen Hilfen für Banken will die EZB die lahmende Wirtschaft wieder in Schwung bringen.

„Wir sehen keine Inflationsrisiken”, sagte Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Die Währungshüter könnten ihren expansiven Kurs fortsetzen. Auch James Howat vom Analysehaus Capital Economics betonte: „Die Inflations-Daten vom September bestätigen, dass die EZB viel Spielraum hat, um ihre Geldpolitik weiter zu lockern.” Einige Experten gehen davon aus, dass die EZB den Banken erneut langfristige Kreditlinien zur Verfügung stellen könnte. EZB-Chef Mario Draghi hat dieses Notenbank-Geschütz in der Vergangenheit als „Dicke Bertha” bezeichnet.

Der Italiener ist eigenen Angaben zufolge grundsätzlich zu einer neuen Liquiditätsspritze für das europäische Bankensystem bereit. Von Reuters befragte Experten rechnen aber eher damit, dass Draghi die „Dicke Bertha” nicht sofort, sondern erst in den nächsten Monaten einsetzen wird - entweder Ende dieses Jahres oder Anfang 2014.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Rechner

30.09.2013, 15:23 Uhr

O-Ton Handelsblatt
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Der Preisanstieg im Euro-Raum ist so gering wie zuletzt im Februar 2010. Experten gehen deshalb davon aus, dass die EZB ihre lockere Geldpolitik fortsetzen kann.
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Die EZB-Geldpolitik ist nicht "locker", sondern leicht.

Wäre sie locker, dann läge die durchschnittliche jährliche Vergrößerung der Geldmenge M3 seit Anfang 2010 nicht bei lediglich 1,4%.

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O-Ton Handelsblatt
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Der Italiener ist eigenen Angaben zufolge grundsätzlich zu einer neuen Liquiditätsspritze für das europäische Bankensystem bereit. Von Reuters befragte Experten rechnen aber eher damit, dass Draghi die „Dicke Bertha” nicht sofort, sondern erst in den nächsten Monaten einsetzen wird - entweder Ende dieses Jahres oder Anfang 2014.
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Von den ursprünglich 1018 Milliarden der LTRO-Kredite sind inzwischen - 17 Monate vor ihrem Auslaufen - zwei Drittel zurückgezahlt worden.

Sehr viel neuer Bedarf sollte inzwischen nicht entstanden sein - ein zwischenzeitliches neues LTRO-Programm dürfte einen wesentlich geringeren Umfang habe als das erste.

Account gelöscht!

30.09.2013, 15:40 Uhr

Diese angebliche "Mini-Inflation" von 1,1% oder auch 1,X% ist eine regelmäßig als "Pille für den doofen Michel" verabreichtes Beruhigung-/Verdummungs-Mittel!

Warum existiert niemand mehr, der diesen Betrügereien ein Ende setzen will und kann?

Skyjumper

30.09.2013, 16:34 Uhr

"Wäre sie locker, dann läge die durchschnittliche jährliche Vergrößerung der Geldmenge M3 seit Anfang 2010 nicht bei lediglich 1,4%."

Ganz so "leicht" ist sie dann doch nicht. Von Anfang 2010 bis Ende 2012 stieg M3 von rund 9,32 auf 9,77 Bill., also ca. 4,75 %.
Die für normale Bürger etwas wichtigere Menge M1 sogar von 4,55 auf 5,11 Bill., also rund 12,2 %.

Und wenn Sie zutreffend feststellen, dass die LTRO-Mittel vorzeitig bereits zu einem grossen Teil zurückgegeben wurden, so bezieht sich das hauptsächlich auf die Adressen, die diese Mittel eh nie brauchten.

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