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23.10.2013

10:50 Uhr

Leitwährung

Der unantastbare US-Dollar

VonJessica Schwarzer

Gigantische Schuldenberge, eine knapp abgewendete Staatspleite, immer wiederkehrende Haushaltsstreitereien – und trotzdem ist und bleibt der US-Dollar die weltweite Leitwährung. Ist es an der Zeit umzudenken?

"In God we trust" steht auf einer Dollarnote: Schwindet das Vertrauen in die Leitwährung Dollar? dpa

"In God we trust" steht auf einer Dollarnote: Schwindet das Vertrauen in die Leitwährung Dollar?

DüsseldorfNach dem US-Haushaltsstreit ist vor dem US-Haushaltsstreit und auch die staatliche Schuldengrenze wird schon bald das nächste Mal erreicht sein. Denn die Politiker in Washington haben die Probleme bekanntlich nur aufgeschoben, aber keinesfalls aufgehoben. Den Devisenmärkten konnte das Drama, das sich in den vergangenen Wochen in Senat und Repräsentantenhaus abgespielt hat, wenig anhaben. Die Ausschläge hielten sich in Grenzen.

Die Gelassenheit an den Märkten nahm in den Tagen und Stunden vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit der USA schon fast erschreckende Züge an. „Auch am Devisenmarkt ging es im Vergleich zu anderen drohenden und tatsächlichen Krisen ruhig zu“, sagt Torsten Gellert, Managing Director des Onlinebrokers FXCM. „Man hatte fast den Eindruck, der US-Dollar würde auch diesmal wieder als Krisenwährung gekauft, obwohl die Wurzel allen Übels ja gerade die Amerikaner selbst waren.“ Zwar fiel der US-Dollar während des „Shutdowns“, bei dem viele Staatsdiener in den Zwangsurlaub geschickt wurden, gegen den Euro auf ein Achteinhalb-Monats-Tief – angesichts einer drohenden Staatspleite aber eine eher mäßige Reaktion.

Chronologie US-Haushaltsstreit

9. November 2012

In der ersten öffentlichen Rede seit seiner Wiederwahl beharrt US-Präsident Barack Obama auf Steuererhöhungen für Reiche, um das Haushaltsdefizit abzubauen. Kurz zuvor hatte das unabhängige Haushaltsbüro des Kongresses (CBO) vor einer drohenden Rezession gewarnt.

16. November 2012

Demokraten und Republikaner beginnen im Weißen Haus mit den entscheidenden Etatverhandlungen.

3. Dezember 2012

Die Republikaner legen einen Plan zum Defizitabbau vor. Dieser sieht neben massiven Ausgabenkürzungen zwar auch einen Zuwachs an Steuereinnahmen vor - aber keine Erhöhung der Steuersätze für die Reichen, wie es Obama will.

 

19. Dezember 2012

Die Republikaner weisen einen neuen Vorschlag Obamas zurück: Dieser sah höhere Steuern nur noch für Bürger mit einem Einkommen von mehr als 400 000 Dollar (knapp 300 000 Euro) im Jahr vor. Zuvor hatte Obama die Grenze schon bei 250 000 Dollar gezogen.

1. Januar 2013

Der Etatstreit ist vorerst beendet. Das Repräsentantenhaus stimmt einer Kompromissvorlage des Senats zu. Damit werden massive Steuererhöhungen für Millionen Amerikaner zum Jahresanfang in letzter Minute abgewendet. Eine Einigung über die drohenden massiven Ausgabenkürzungen muss noch gefunden werden.

23. Februar 2013

Obama warnt, dass am 1. März erneut radikale Kürzungen drohen und ruft den Kongress zum Handeln auf. Dieser hatte die automatischen Einsparungen 2011 selbst beschlossen.

1. März 2013

Nach dem Scheitern der Verhandlungen im Budgetstreit setzt Obama Etatkürzungen mit schweren Folgen für die Wirtschaft in Gang. Allein bis Oktober drohen Einsparungen von 85 Milliarden Dollar.

21. März 2013

Der Kongress verabschiedet ein Übergangsbudget, das die Regierungsgeschäfte bis Ende September sichert. Von einem neuerlichen Drama um die Staatsfinanzen bleiben die USA zunächst verschont.

27. August 2013

Obama und die Republikaner steuern auf eine neue Machtprobe zu. Finanzminister Jacob Lew gibt bekannt, dass Mitte Oktober die Schuldengrenze von 16,7 Billionen Dollar erreicht wird. Er fordert den Kongress auf, das Limit umgehend anzuheben.

22. September 2013

Die Republikaner verabschieden im Repräsentantenhaus einen Haushaltsentwurf, der die Regierung weitere zweieinhalb Monate finanzieren soll. Doch sie knüpfen die Vorlage an Budgetkürzungen für die Gesundheitsreform - Obamas wichtigstes Reformprojekt. Sie soll am 1. Oktober in Kraft treten. Obama ist empört.

 

1. Oktober 2013

US-Präsident Barack Obama verweigert den Republikanern den Deal, sein Obamacare auszusetzen und dafür einen Übergangsetat genehmigt zu bekommen. So tritt der Kernpunkt der Gesundheitsreform in Kraft. Dafür kommt es zu einem Stillstand der öffentlichen Verwaltung: Hunderttausende Bundesangestellte vom Nationalpark-Ranger bis zum Steuerfahnder werden nun mit dem Beginn des neuen Haushaltsjahres am 1. Oktober in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt. Viele Behörden, darunter auch die Börsenaufsicht, schalten auf Minimalbetrieb.

16. Oktober 2013

Nur kurz vor dem Überschreiten der Schuldengrenze hat sich der US-Kongress auf einen Deal geeinigt, der größtenteils den Forderungen der Demokraten entsprach. Die Schuldengrenze wurde bis zum 7. Februar angehoben und die Behörden bis zum 15. Januar geöffnet. Bis Mitte Dezember muss eine überparteiliche Kommission Vorschläge zur Schuldenreduktion erarbeiten.

„Die Markterwartung, dass die US-Politik die Reputation der größten weltweiten Reservewährung – die der US-Volkswirtschaft und jeder US-Regierung ungeheure Vorteile verschafft – nicht aufs Spiel setzen würde, wurde wieder einmal voll erfüllt“, schriebt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, am Morgen nach der Einigung in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. „Diese Erfahrung macht im nächsten Akt, der ja wohl im Dezember und in den ersten beiden Monaten des kommenden Jahres spielen wird, die Drohung mit dem Staatsbankrott noch stumpfer.“

Früher oder später kehrt der US-Schuldenstreit zurück, weiß auch Ulrich Leuchtmann. „Trotzdem dürfte der US-Dollar noch viele, viele Jahre Weltleitwährung bleiben“, ist der Devisen-Experte der Commerzbank überzeugt. Vor allem seine Rolle im Welthandel mache den Greenback zur Leitwährung. Im weltweiten Außenhandel werden die Waren meist in Dollar und nicht in der Währung des Exporteurs oder Importeurs abgerechnet. Sich auf nur eine Leitwährung zu einigen, ist durchaus sinnvoll. Denn je mehr Währungen beim Handel über Grenzen ins Spiel kommen, desto größer werden natürlich auch die Wechselkursrisiken. Ein Unternehmen, das in mehrere Währungsräume exportiert, hätte deutlich höhere Kosten für die Absicherung. Auch wäre diese viel komplizierter, schließlich kann sich die Nachfrage verändern. Mal exportiert es mehr in den Euro-Raum, dann vielleicht mehr nach Russland oder Korea.

Eine Weltleitwährung vereinfacht den Handel enorm. „Nun muss es natürlich nicht der Dollar sein, der diese Rolle als Welt-Leitwährung spielt“, so Leuchtmann. „Seitdem aus Marktsicht die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum beendet ist, würde sich der Euro als Alternative anbieten.“ Er räumt jedoch ein, dass ein Systemwechsel schwerfiele. Schließlich müssten sich alle Außenhändler gleichzeitig auf eine neue Leitwährung einigen. Da das kompliziert sei, „bleiben alle nolens volens beim dollar-zentrierten System.“

Kommentare (18)

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Horst

23.10.2013, 11:34 Uhr

Keiner kennt die zukünstigen Kurse - er wäre ja sonst der reichste Mensch der Erde. Aber ein etwas schwacher Dollar und etwas Infaltion von zb 5-6 % ist doch im Interesse der USA, da die Schulden real sinken würden , ohne das gleich die ganze Wirtschaft einbricht. Dem Euro geht es doch ebenso. Natürlich - die Sparer, insbesondere die Alterssparer, werden die Verleierer sein, ihnen winkt nur noch die Mindestrente, leider gilt dies wohl nicht für Beamten und Politiker, wie man schon Gestern bei einer ungeheuerlichen Selbstbedienung zu Lasten der Steuerzahler sehen konnte.

Account gelöscht!

23.10.2013, 11:58 Uhr

Solange die USA mit ihren Flugzeugträgern und ihren Geheimdiensten die Welt beherrschen, wird der Dollar die Weltwährung bleiben. Haushalts- und Leistungsbilanz hin oder her.

pro-d

23.10.2013, 12:00 Uhr

Bisher haben die Amis noch jeden mit Vernichtung gedroht, die es gewagt, die Währung von internationalen Bankern nicht mehr als Leitwährung zu nehmen. (wie bekannt gehört der Dollar ja ein paar Privatbanken und nicht dem amerikanischem Staat).

Schlimm ist eigentlich nur, dass der amerikanischer Staat willig sich vor die Interessen dieser Privatbanker spannen läßt.

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