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22.02.2011

15:28 Uhr

Libyen-Krise

Ölpreise schießen durch die Decke

Die Eskalation der politischen Krise in Libyen treibt die Rohstoffpreise nach oben. Brentöl kostet bald 110 Dollar je Barrel. Die Versorgung ist noch nicht gefährdet, aber die Ängste wachsen.

Demonstranten schwenken in Bengasi die Unabhängigkeitsfahne. Quelle: dpa

Demonstranten schwenken in Bengasi die Unabhängigkeitsfahne.

DüsseldorfDie Furcht der Anleger vor einem Übergreifen der Unruhen in Libyen auf andere erdölexportierende Länder in Nordafrika und am Persischen Golf hat die Rohölpreise auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren getrieben. Auch die Aktien- und Devisenmärkte reagierten nervös auf die zunehmend außer Kontrolle geratene Lage in Libyen.

Insbesondere US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich drastisch: mit 94,49 Dollar kostete ein Fass zeitweise 9,6 Prozent mehr als noch am Montagabend und damit so viel wie seit Oktober 2008 nicht mehr. Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 108,18 Dollar je Fass 2,3 Prozent mehr als am Vorabend. Damit hat Brent den höchsten Stand seit September 2008 erreicht. Der Preis für Brent kletterte seit Jahresbeginn um über 13 Prozent.

Investoren und Händler sorgten sich vor allem um mögliche Lieferengpässe. „Libyen allein produziert nicht soviel Öl, als dass es dadurch Engpässe geben könnte, selbst wenn das Land völlig kollabiert“, sagte Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank. Das nordafrikanische Land fördere rund 1,6 Millionen Barrel Öl am Tag, während die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) Reserven von sechs Millionen Barrel habe. „“Es geht also mehr um die Angst, dass die Unruhen auf Länder wie Algerien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate überspringen.“ Libyen ist der drittgrößte Ölproduzent in Afrika. Wegen der Unruhen fiel die Förderung um geschätzte 100.000 Barrel am Tag, also sechs Prozent der Gesamtproduktion. In Libyen haben die gewaltsamen Proteste inzwischen auch die Hauptstadt Tripolis erreicht. Arabischen Fernsehsendern zufolge wurden am Montag Kampfflugzeuge gegen die Demonstranten eingesetzt.

Die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, hält die Sorgen der Anleger für berechtigt. „Wichtig wäre daher, dass die Opec wieder Entspannung in den Markt bringt, in dem sie das Ölangebot erhöht“, sagte Kemfert Handelsblatt Online. „Denn derzeit gibt es keine physischen Engpässe auf dem Markt, die Sorge vor Engpässen treibt den Ölpreis, und diese Sorge könnte durch die Opec vermindert werden.“

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