Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.06.2013

09:35 Uhr

Marktbericht

Öl legt zu, Gold stabilisert sich

Während Öl profitiert, die Preise steigen, stabilisiert sich Gold auf niedrigem Niveau. Wie so oft lösten Spekulationen über baldige straffere Geldpolitik der Fed die Kurseinbrüche aus – aktuell reagieren die Rohstoffe.

Angekratzte Entwicklung: Gold leidet unter den anhaltenden Spekulationen zu politischen Kursänderungen der US-Zentralbank. Reuters

Angekratzte Entwicklung: Gold leidet unter den anhaltenden Spekulationen zu politischen Kursänderungen der US-Zentralbank.

Die Ölfutures haben am Freitagmorgen im Plus gelegen. Zuletzt wurde West Texas Intermediate WTI mit Liefertermin August bei 97,26 Dollar je Barrel 0,2 Prozent höher notiert. Brent-Öl wurde mit 102,89 Dollar festgestellt und war damit 0,1 Prozent teurer. Damit profitierten die Rohölfutures weiterhin von den Zeichen einer konjunkturellen Verbesserung. Am Vortag hatte es aus der Euro-Zone und den USA eine Reihe von Konjunkturdaten gegeben, die auf eine wirtschaftliche Aufhellung hindeuten. Die deutschen Einzelhandelsumsätze für Mai, die am Freitagmorgen mitgeteilt worden waren, ergänzten dieses Bild.

„Es sieht so aus, als gäben die Bullen den Ton an”, sagte Victor Shum, Vizepräsident der Beratungsfirma IHS Energy Insight in Singapur. „Die Ölfutures scheinen sich im Einklang mit dem breiten Markt zu entwickeln.”

Der Goldpreis stabilisierte sich etwas, nachdem er im asiatischen Handel unter 1200 Dollar gefallen war. Die Feinunze gewann am Kassamarkt 0,2 Prozent auf 1203,63 Dollar. Die Sorge wegen einer Verringerung der Anleihekäufe durch die US-Notenbank hatte bei Gold, das zur Inflationsabsicherung eingesetzt wird, in den vergangenen Tagen zu einem Kursrutsch geführt.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

„Ein steigender Dollar, anziehende Anleiherenditen, fallende Aktienmärkte und Sorgen wegen Chinas Bankensystem waren ein Schierlingsbecher – nicht nur für Gold, sondern auch für andere Rohstoffe, sagt Daniel Briesemann, Analyst der Commerzbank in Frankfurt. „Bei Industriemetallen würde ich den Absturz als übertrieben bezeichnen. Wir sind zuversichtlich, dass die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte zulegen und dies zu steigenden Preisen führen wird.”

Bei Analysten herrscht eine gespaltene Meinung über den weiteren Kurs des Goldes. 15 von Bloomberg befragte Experten erwarten in der kommenden Woche einen Anstieg, 14 sind negativ gestimmt und drei neutral eingestellt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×