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25.12.2013

17:07 Uhr

Massive Öl-Förderung

USA bohren sich zur Rohstoffweltmacht

Jahrzehnte waren die energieintensiven USA vom Öl Arabiens abhängig. Doch schon bald dürfte Amerika mehr Rohöl fördern als Saudi-Arabien – und wird dazu angespornt. Denn der Wirtschaftsaufschwung hängt genau davon ab.

Erdöl wird mit Hilfe eines Tiefpumpenantriebes gefördert. Ein guter Teil des fragilen US-Wirtschaftsaufschwungs nach der Krise beruht auf billigem Öl. dpa

Erdöl wird mit Hilfe eines Tiefpumpenantriebes gefördert. Ein guter Teil des fragilen US-Wirtschaftsaufschwungs nach der Krise beruht auf billigem Öl.

Washington/New YorkAls Barack Obama im Jahr 2008 um die US-Präsidentschaft kämpfte, war Amerikas Abhängigkeit vom ausländischen Öl eines der zentralen Themen. Es herrschte Panik vor den Konsequenzen, wenn es mit der Produktion im eigenen Land steil bergab geht. Sein damaliger Gegner John McCain versprach lauthals eine Politik nach dem Motto „Drill, baby, drill“ (Bohre, Baby, bohre). Der Republikaner wollte alles aus Amerikas Ölquellen herausquetschen, was nur ging. Obama hingegen, der sich den Wählern lieber als Klimaschutz-Präsident vorstellte, ließ von solchen Ankündigungen ab.

Von dieser Zurückhaltung ist längst nichts mehr zu merken. Über den Öl-Boom in den USA gerät Obama regelrecht ins Schwärmen. „Das erste Mal in fast zwei Jahrzehnten produzieren wir hier zu Hause mehr Öl, als wir vom Rest der Welt kaufen“, sagte er jüngst bei seiner Pressekonferenz zum Jahresausklang. Nach den Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) dürften die USA schon 2015 und damit ein Jahr früher als erwartet zum größten Ölproduzenten der Welt aufsteigen - noch vor Russland und Saudi-Arabien.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Fracking ist das Zauberwort. Bei der umstrittenen Methode werden tiefliegende Gesteinsschichten angebohrt und das dort lagernde sogenannte Schiefergas und -öl mit Hilfe von Chemikalien gelöst. Während Umweltschützer die Methode verdammen, weil sie um das Grundwasser fürchten, lieben Industrievertreter das Fracking. Denn mehr Öl bedeutet niedrigere Preise. Ein guter Teil des fragilen US-Wirtschaftsaufschwungs nach der Krise 2008/2009 beruht auf dieser billigen Energie.

Und so lässt Obama immer mehr Ölfelder und Bohrinseln genehmigen. Die staatliche US-Energieinformationsagentur (EIA) schätzt, dass in den USA 2016 jeden Tag 9,5 Millionen Barrel Rohöl gefördert werden - fast doppelt so viel wie 2008. Heute sind es nach einem rasanten Anstieg schon knapp 8 Millionen. Der Boom soll die Preise unter 100 US-Dollar halten, konkret kommt die EIA in ihrer Prognose auf 92 Dollar pro Barrel im Jahr 2017. Bis 2040 steige der Preis dann auf 141 Dollar an - das ist weit entfernt von einer Kostenexplosion.

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