Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2011

15:01 Uhr

Mega-Wirbelsturm

Anleger greifen bei Zucker zu

Er soll einer der schlimmsten Stürme in der Geschichte Australiens sein. „Yasi“, trifft heute mit Windsgeschwindigkeiten von 300 Stundenkilometern auf die Nordküste des Bundesstaats Queensland und sorgt auch an den Rohstoffmärkten für Verwerfungen.

HB FRANKFURT. Die Schäden sind nicht bekannt, trotzdem reagieren die Märkte. Der riesige Wirbelsturm „Yasi“ hat Befürchtungen vor einem Angebotsengpass bei wichtigen Rohstoffen in Australien ausgelöst. Neben der Zuckerernte könnte die Ausfuhr von Kohle und Kupfer unter dem Jahrhundertsturm leiden, der am Mittwoch mit Windgeschwindigkeiten bis zu 300 Kilometern pro Stunde die Küsten von Queensland erreichte. Der Staat im Nordosten Australiens war erst kürzlich von schweren Überschwemmungen heimgesucht worden.

Von den Naturkatastrophen könnte die Zuckerernte am schwersten in Mitleidenschaft gezogen werden. „Yasi“ bedroht vor allem die Küstenregion, in der rund ein Drittel des australischen Zuckerrohrs angebaut wird. Mehrere Zuckerfabriken haben die Produktion bereits eingestellt. Wegen des Hochwassers war Australiens Zuckerernte im vergangenen Jahr ohnehin schon schlecht ausgefallen: 2010 wurden in Australien nur 27,3 Millionen Tonnen Zuckerrohr geerntet - normalerweise liegt der Ertrag zwischen 32 und 35 Millionen Tonnen. „Was in Australien passiert, bewegt die Preise weltweit“, erklärte ein Zuckerhändler in Bangkok. Am Mittwoch kletterte der Preis für raffinierten Zucker zur Lieferung im März in London auf ein Rekordhoch von 844,20 Dollar je Tonne. Der Preis für Rohzucker, der an der US-Terminbörse ICE gehandelt wird, stieg auf bis zu 35,20 US-Cent je Pfund und damit den höchsten Stand seit Ende 1980.

Der Rohstoffkonzern Xstrata schloss wegen des Zyklons eine Kupferhütte. „Dieser Zustand wird wahrscheinlich noch ein paar Tage fortdauern, bis wir ein klareres Bild haben“, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Schließung verstärkte an den Rohstoffmärkten Spekulationen über eine Angebotsverknappung, die zuvor schon von starken Konjunkturdaten aus den beiden Top-Verbraucherländern USA und China angefacht worden waren. Die Tonne Kupfer wurde in London zu einem Rekordpreis von 9988,25 Dollar gehandelt.

Die Bergbauunternehmen BHP Billiton und Peabody Energy schlossen vorsorglich mehrere Gruben. Die Mehrzahl der Kohlegruben in Queensland befindet sich zwar außerhalb der Zone, in der wegen Zyklons schwere Zerstörungen erwartet werden. Allerdings hatten bereits die schweren Überschwemmungen zu Jahresbeginn den Export von Kraftwerks- und Kokskohle über die Seehäfen behindert. Australien liefert weltweit rund die Hälfte der in der Stahlindustrie eingesetzten Kohle. Nach Einschätzung des Analysehauses Wood Mackenzie dürften die Preise deshalb weiter ansteigen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×