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05.06.2014

18:08 Uhr

„Mehr als die Dicke Bertha“

EZB-Beschlüsse verunsichern Geldhändler

Die Entscheidungen der EZB haben für Überraschung und Unsicherheit bei den Devisenhändlern gesorgt. Die Flutung der Euro-Zone mit frischem Geld, lasse vermuten das es dieser schon sehr schlecht gehen müsse.

Der von EZB-Chef Mario Draghi aufgelegte Maßnahmenkatalog sorgt bei Devisenhändlern vor allem für eine Reaktion: Verunsicherung. dpa

Der von EZB-Chef Mario Draghi aufgelegte Maßnahmenkatalog sorgt bei Devisenhändlern vor allem für eine Reaktion: Verunsicherung.

FrankfurtDie umfangreichen Beschlüsse der EZB zur Ankurbelung der Kreditvergabe in der Euro-Zone haben am Interbankenmarkt am Donnerstag für Verunsicherung geführt. „Ich habe noch kein richtiges Gefühl dafür, wie das weitergehen wird“, sagte ein Händler. „Die EZB hat sehr weitreichende Maßnahmen auf allen Ebenen getroffen“, sagte ein Händler. „Das ist schon etwas überraschend.“

Die Einführung eines negativen Einlage-Zinses für die Banken von 0,10 Prozent sei zwar weitgehend erwartet worden, sagten Händler. Die Zusage, Tender bis mindestens Ende 2016 voll zuzuteilen, sei aber ebenso überraschend wie die beide neuen Geldspritzen im Volumen von 400 Milliarden Euro. Die Banken hatten in den vergangenen Jahren ihre für die Mindestreserve nicht benötigten Mittel bei der EZB in der Einlage-Fazilität oder auf den Zentralbank-Konten gehortet. „Das dürfte jetzt sehr unattraktiv werden“, sagte ein Händler. Denn der Strafzins gilt laut EZB auch für Guthaben bei der Zentralbank, die über der verpflichtenden Mindestreserve liegen. „Vielleicht kommt damit jetzt der Interbankenhandel wieder in Schwung“, hoffte ein Händler. Denn seit Jahren leihen sich die Banken untereinander nur sehr sporadisch Geld.

„Draghi schießt aus vollen Rohren“, sagt ein Händler. „Das ist mehr als die 'Dicke Bertha'.“ Es müsse schlimm um die Euro-Zone stehen, wenn so viel Geld reingepumpt werden müsse. Ob es reiche, um die Banken - vor allem in den südeuropäischen Krisenländern - zu mehr Krediten an den Mittelstand zu bewegen, sei zweifelhaft. „Die EZB hat aber verdammt tief in die Tasche gegriffen“, fügte ein anderer Händler hinzu.

Die Sätze für Tagesgeld gaben leicht auf 0,05 bis 0,10 Prozent von 0,15 Prozent am Vormittag nach, was Händler aber auf das nächste Ende der Mindestreserveperiode kommende Woche zurückführen. Erst dann tritt die Zinssenkung in Kraft.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

05.06.2014, 18:50 Uhr

Sparer können sich wehren indem sie ihr Geld in bar abheben. Die Banken würden dann die Mindestreserve unterschreiten und müssten die Sparzinsen anheben. Außerdem nützt das billige Geld aus der EZB-Notenpresse nur den wirtschaftlich STARKEN Ländern, da deren Waren wettbewerbsfähig sind und gekauft werden. Die Arbeitslosen schauen in die Röhre, während die Reichen noch reicher werden.

Account gelöscht!

05.06.2014, 20:25 Uhr

“Die Entscheidungen der EZB haben für Überraschung und Unsicherheit bei den Devisenhändlern gesorgt. Die Flutung der Euro-Zone mit frischem Geld, lasse vermuten das es dieser schon sehr schlecht gehen müsse.“

Wow, welch eine Erkenntnis!

Tja, liebe Börsenzocker, da kommt wohl doch ein ganz dickes Ei auf uns zu. Sollte Putin jetzt auch noch die Sanktion-Eskalation auf die Spitze treiben, dann fliegt uns nicht nur der Euro um die Ohren, dann verschwindet die EU unter gewaltigen Schmerzen im Orkus der Geschichte oder wird über ein Wochenende zu einem lupenreinen Polizeistaat unter US/NSA Führung. Kapitalismus war gestern, Feudalismus ist morgen und was haben wir heute?!

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