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19.12.2013

12:24 Uhr

Metalle

Ein Leben nach dem Superzyklus

VonJan-Henrik Förster

Die Preise für Kupfer und Aluminium haben sich zum Jahresende leicht erholt. Doch richtig reich machen die Industriemetalle niemanden mehr. Es gibt aber auch 2014 Ausreißer – der Grund kommt wieder einmal aus China.

Wo Kabel, da auch Kupfer: Der Preis des Buntmetalls ist 2013 um 11 Prozent gefallen. dpa

Wo Kabel, da auch Kupfer: Der Preis des Buntmetalls ist 2013 um 11 Prozent gefallen.

DüsseldorfEs gab eine Zeit, da kannten Rohstoffpreise eigentlich nur einen Weg: steil nach oben. Deshalb galten sie als eine besonders beliebte Anlageklasse bei institutionellen Investoren – nicht nur, um das Portfolio zu diversifizieren, sondern wegen üppiger Gewinne. Banken, Privatanleger und Handelsfirmen mischten kräftig mit in dem Geschäft. Analysten und Investoren sprachen vom Superzyklus, also der raschen Aufwärtsbewegung von Preisen für Rohstoffe – etwa bei Industriemetallen, landwirtschaftlichen Rohstoffen und Edelmetallen.

Der Grund für den Boom: Der unstillbare Hunger Chinas sowie der Siegeszug anderer aufstrebender Nationen wie Indien und Brasilien. Viel ist nicht übrig geblieben vom Superzyklus – besonders für die Industriemetalle ist 2013 ein weiteres enttäuschendes Jahr gewesen. Selbst Hedgefondsmanager scheiterten zuletzt an der Anlageklasse und erlitten Verluste.

Industriemetalle

Industriemetalle

Zu den Industriemetallen zählen Aluminium, Kupfer, Nickel, Zink, Zinn und Blei. Es kommt nie ein Rohstoff allein aus einer Mine. Bei Kupfer ist etwa Gold ein Nebenprodukt. Industriemetalle kommen in der Bauindustrie zum Einsatz. Kupfer ist vor allem in Stromleitungen zu finden, weil es sehr leitfähig ist. Blei findet man in der Automobilindustrie wegen seiner Korrosionsbeständigkeit. Aluminium ist sehr leicht, allerdings ist die Gewinnung mit hohem Energieaufwand verbunden.

Aluminium

Aluminium ist derzeit so einfach zu bekommen, wie nie - erst kürzlich meldete das International Aluminium Institute (IAI) einen weltweiten Produktionsrekord. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Produktion im Oktober um
4,3% auf 4,2 Millionen Tonnen angestiegen. Folge: Angebotsüberhang und Preisverfall. Der Aluminiumpreis befindet sich aktuell sehr nah an seinem Jahrestief vom Juni. Hersteller wie Alcoa orientieren sich zwar grob an der 1.770-Dollar-Marke und schränken die Produktion ein, sobald der Preis drunter fällt. Langfristig verkleinern sie ihr Angebot aber nicht.

Aktueller Preis: 1793 US-Dollar/Tonne

Preisveränderung 2013: -15 Prozent

Preis 2012: 2.027 US-Dollar/Tonne

Preis 2011: 2.386 US-Dollar/Tonne

Kupfer

Eigentlich sieht es Ende 2013 gut aus für Kupferinvestoren. Die Lagerbestände fallen und sowohl die positive Entwicklung am US-Häusermarkt als auch die chinesischen Importe sollten den Kupferpreis antreiben. Doch die Anleger trauen der Entwicklung noch nicht so recht, im Gegenteil: Sie reduzieren ihre Kupferpositionen. Ein Grund dafür könnte der erstarkende US-Dollar sein, welcher Rohstoffe außerhalb des Dollar-Raumes verteuert. Positiv ist, dass China weiterhin auf Kupferimporte angewiesen bleibt, obwohl die Volkswirtschaft ihre eigene Kupferproduktion derzeit kräftig ankurbelt.

Aktueller Preis: 7.325 US-Dollar/Tonne

Preisveränderung 2013: -11 Prozent

Preis 2012: 7.956 US-Dollar/Tonne

Preis 2011: 8.771 US-Dollar/Tonne

Nickel

Auch der Markt für Nickel gibt es ein Überangebot auf dem Markt. Allerdings erwarten Analysten eine leichte Verbesserung für das kommende Jahr auf und rechnen mit leichtem Preisanstieg für das Metall. Nickel wird vor allem bei der Edelstahlherstellung verwendet, um rostfreie Legierungen zu bekommen. Rund 40 Prozent der weltweiten Produktion gehen nach Europa, gefolgt von Asien und Amerika. Vor allem China hat aufgrund der eigenen Stahlproduktion einen hohen Bedarf am Industriemetall.

Aktueller Preis: 14.005 US-Dollar/Tonne

Preisveränderung 2013: -21 Prozent

Preis 2012: 17.536 US-Dollar/Tonne

Preis 2011: 22.900 US-Dollar/Tonne

Zink

Zink ist eine Ausnahme unter den Industriemetallen: Denn anders als bei Aluminium oder Nickel geht das Überangebot an Zink zurück. Für das kommende Jahr rechnen JP Morgan-Analysten gar mit einem Zink-Defizit auf dem globalen Markt. Die Nachfrage könnte stärker wachsen als das Angebot. Anleger dürfte das aber nur mäßig freuen. Die Lagerbestände an der Londoner Metallbörse sind so hoch, dass übermäßige Preissteigerungen wohl ausbleiben werden.

Aktueller Preis: 1.855 US-Dollar/Tonne

Preisveränderung 2013: -9 Prozent

Preis 2012: 1.952 US-Dollar/Tonne

Preis 2011: 2.204 US-Dollar/Tonne

Blei

Ähnlich wie bei Zink zeichnet sich auch bei Blei im kommenden Jahr ein Defizit auf dem globalen Markt ab. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sowohl in China als auch in den USA einige Blei-Hütten schließen müssen, etwa wegen verstärkter Umweltauflagen.

Aktueller Preis:  2.151 US-Dollar/Tonne

Preisveränderung 2013: -6,6 Prozent

Preis 2012: 2.316 US-Dollar/Tonne

Preis 2011: 1920 US-Dollar/Tonne

Metalle gelten heute wenn überhaupt noch als heißes Eisen für hartgesottene Spekulanten und Experten. Immer mehr Banken ziehen sich derweil aus dem physischen Geschäft mit den „Commodities“ zurück. Wegen regulatorischer Unsicherheiten, aber auch, weil sie schlicht kein Geld mehr mit Kupfer, Aluminium und Zink verdienen: Die Nachfrage aus China lahmt. Die Metalllager sind nach den Boom-Jahren teilweise zum Bersten voll.

Ein Überangebot bedeutet niedrigere Preise. Auch bei Konzernen wie Rio Tinto, Chinalco oder BHP denken die Unternehmenslenker um: Damit sie ihren Aktionären wieder mehr Rendite einfahren und dem Überhang etwa bei Kupfer und Aluminium entgegen steuern können, schrauben sie bei Investitionen in neue Minenprojekte und Explorationen zurück. Wegen der Preisanstiege bei den Industriemetallen zwischen 2003 und 2008 haben die Unternehmen ihre Ausgaben in dieser Zeit drastisch erhöht.

In Daten liest sich der Rohstoff-Blues so: Der Sammelindex S&P GSCI ist seit Beginn des Jahres um 3,2 Prozent gesunken, Industriemetalle haben 2013 um 16 Prozent nachgegeben. Der Dow Jones-UBS-Rohstoffindex, der die wichtigen Rohstoffsektoren misst, ist drei Jahre in Folge gefallen – das gab es noch nie. Abwärts ging es vor allem bei den Industriemetallen. Insgesamt 52 der relevanten 67 Rohstoffindizes haben sich in 2013 rückläufig entwickelt. Kurzum: Es sieht mau aus an den Rohstoffmärkten.

Spezielle Detail-Informationen über Platin finden Sie auch hier unter diesem Link, der Sie zum Kaufhaus der Weltwirtschaft weiterleitet.

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