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22.02.2011

11:50 Uhr

Metalle

Silber läuft Gold den Rang ab

VonIngo Narat

Silber ist in: Die Preise für das Edelmetall schnellen in die Höhe - so teuer war das Metall lange nicht. Einige Experten prognostizieren sogar noch weiteres Wachstum, andere fürchten vor einer Preisblase.

Silber: Mittlerweile ist das Edelmetall rentabler als Gold. Quelle: dpa

Silber: Mittlerweile ist das Edelmetall rentabler als Gold.

FrankfurtWas derzeit am Silbermarkt passiert, ist nicht mehr normal. „Es fehlt nur noch, dass die Leute ihr Silberbesteck einschmelzen lassen, weil der Preis so stark gestiegen ist“, erinnert sich Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank an die 80er- Jahre. Damals hatten die Gebrüder Hunt, zwei legendäre Spekulanten aus den USA, gewaltige Mengen des Edelmetalls aufgekauft und so den Preis von sechs auf 50 Dollar je Unze katapultiert. Der Commerzbank-Experte wittert nun wieder Vorboten einer Blase, „aber wann die platzt, kann man nicht sagen“.

Was jetzt passiert, könnte der Vorbote einer ähnlichen Preisexplosion wie damals sein: In drei Wochen ist der Preis um rund ein Viertel auf knapp 34 Dollar nach oben geschnellt – so teuer war das Edelmetall zuletzt vor mehr als drei Jahrzehnten. Geopolitische Unsicherheit, Währungssorgen, Angst vor Inflation und vor den Folgen der Schuldenkrise locken Investoren in den sicheren Hafen des Silbers.

Markt ist anfällig für Preissprünge

Und Silber hat Gold den Rang abgelaufen. Während der Goldpreis während eines halben Jahrs 15 Prozent zulegte, sprang Silber um mehr als 80 Prozent nach oben. Jetzt bekommen Marktbeobachter Oberwasser, die den Preis in ganz anderen Dimensionen sehen. „50 Dollar sind noch in diesem Jahr möglich“, sagt James Turk, Gründer der Edelmetall-Handelsplattform goldmoney.com in London. Weinberg ist vorsichtiger und warnt: „Bei den starken Kurssprüngen sind Prognosen sehr schwierig, aber es kann in so einem überhitzten Markt sehr schnell auch einmal 20 Prozent nach unten gehen.“

Kurzfristige Preissprünge in beide Richtungen sind deshalb möglich, weil der Silbermarkt sehr klein ist, nur rund ein Zehntel so groß wie der bereits schon kleine Goldmarkt. Die Silberjahresproduktion für 2010 inklusive Recycling schätzen Experten auf über 900 Millionen Unzen, was nach jetzi gen Preisen einem Gegenwert von unter 40 Milliarden Dollar entspricht. Das ist vergleichsweise wenig: Viele Unternehmen im Dax haben einen höheren Börsenwert. Auf der Angebotsseite geht die Hälfte des Metalls in die Industrie, denn Silber ist ein wichtiger Industrierohstoff. Die verbesserten Konjunkturprognosen ziehen daher den Preis ebenfalls nach oben.

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