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18.04.2013

12:27 Uhr

Milliardenverlust

Goldeinbruch macht Zentralbanken ärmer

Nicht nur Anleger haben durch den Einbruch des Goldkurses viel verloren – der Absturz tut auch den Zentralbanken weh. „Der Rückgang des Goldpreises ist extrem beunruhigend“, sagt ein führender Notenbanker.

Der Wert der Devisenreserven der Zentralbanken ist deutlich geschrumpft. Reuters

Der Wert der Devisenreserven der Zentralbanken ist deutlich geschrumpft.

New YorkDer Goldpreiseinbruch hat deutliche Spuren bei den Zentralbanken hinterlassen. Der massive Kurseinbruch schmälerte den Wert der Reserven um 560 Milliarden Dollar (426 Milliarden Euro). Damit zählen Zentralbanken zu den größten Verlierern. Nach Angaben des World Gold Councils halten sie rund 31.695 Tonnen Gold – das sind 19 Prozent des gesamten abgebauten Golds der Welt.

Am Montag war der Goldkurs in New York um 9,3 Prozent eingebrochen. Nach einer zwölf Jahre anhaltenden Aufwärtsbewegung hat das Edelmetall seit seinem Rekordhoch von 1.923,70 Dollar je Unze im September 2011 damit 29 Prozent verloren und befindet sich in einem Bärenmarkt, der als ein Rückgang von mindestens 20 Prozent definiert ist.

Die Goldreserven der Staaten

USA

Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

Stand: Januar 2014

Deutschland

Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Goldschatz: 2.814 Tonnen

Italien

Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

Frankreich

Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

China

Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

Schweiz

Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

Russland

Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

Japan

Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

Niederlande

Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

Indien

Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

Türkei

Goldschatz: 506,3 Tonnen

Europäische Zentralbank (EZB)

Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Goldfonds haben in diesem Jahr Nettoabflüsse von 11,2 Milliarden Dollar verzeichnet, den stärksten Rückgang seit 2011. Hingegen verbuchten weltweite und US- amerikanische Aktienfonds Nettozuflüsse von 21,25 Milliarden Dollar, wie EPFR Global berichtete.

Das Wachstum der Volkswirtschaften und Unternehmensgewinne sowie eine schwächere Inflation haben die weltweiten Aktien in diesem Jahr auf Kosten von Gold, einem traditionellen Mittel zur Werterhaltung, angeschoben. Goldman Sachs teilte vor gut einer Woche mit, dass die Trendwende beim Goldzyklus an Fahrt gewinne und riet Investoren, das Edelmetall abzustoßen.

Mögliche Manipulation: Goldpreis unter Verdacht

Mögliche Manipulation

Goldpreis unter Verdacht

Die USA gehen einer möglichen Schwindelei am Goldmarkt nach. Haben Großbanken den Goldpreis manipuliert? Nach dem Betrug beim Libor-Zinssatz wäre es ein weiterer Skandal für die Bankenbranche.

„Die Risiken sind in den Augen der Marktteilnehmer zurückgegangen, so dass sie verstärkt Ausschau nach Vermögenswerten halten, die Einkommen schaffen oder Wachstumspotenzial haben, was Gold nicht hat“, sagt Anthony Valeri, Marktstratege bei der Finanzgesellschaft LPL, „wir beobachten eine Jagd nach Renditen. Ohne Rendite hat Gold dabei das Nachsehen.“

Der Preisrutsch bei Gold hat den Wert der von Zentralbanken weltweit und dem Internationalen Währungsfonds gehaltenen Reserven von einem Rekordwert von 1,96 Billionen Dollar auf etwa 1,4 Billionen Dollar geschmälert, wie Daten vom World Gold Council zeigen.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Die größten Positionen haben die USA und Deutschland, bei ihnen macht das Edelmetall mehr als 70 Prozent der gesamten Reserven aus. Russland, das mit 976,9 Tonnen die siebtgrößten Bestände aufweist, hat die Käufe in den vergangenen sieben Jahren ausgeweitet.

Der Ausverkauf wurde durch wachsende Besorgnis ausgelöst, dass Zypern gezwungen würde, Gold aus seinen Reserven zu verkaufen und „spiegelt möglicherweise eine stärkere Monetisierung der Goldreserven bei anderen europäischen Zentralbanken wider“, schreiben Analysten von Goldman Sachs in einer Studie. Zypern besitzt laut World Gold Council 13,9 Tonnen.

Preisverfall: Geheime Goldpolitik

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Gold ist der einzig sichere Hafen außerhalb des Finanzsystems. Um diesen für Anleger unattraktiv zu machen, könnte der jüngste Goldpreiseinbruch bewusst herbeigeführt worden sein. Ein Kommentar.

„Der Rückgang des Goldpreises ist extrem beunruhigend“, sagte der Gouverneur der südafrikanischen Notenbank, Gill Marcus. Die South African Reserve Bank hält gut 125 Tonnen, wird aber nach dem Einbruch nicht ihre Reservepolitik ändern, erläuterte Marcus.

Der Zentralbankgouverneur von Sri Lanka sieht im fallenden Preis eine Gelegenheit für Länder, ihre Goldreserven zu erhöhen. Das Land werde wohlwollend prüfen, zuzukaufen. Die Bank of Korea sagte, dass ihr der Preiseinbruch keine großen Sorgen bereite, weil die Goldpositionen Teil ihrer langfristigen Strategie zur Diversifizierung der Devisenreserven ist.

Der Wert der weltweiten Goldpositionen wurde am 15. April um etwa 773 Milliarden Dollar geschmälert, zeigen Terminkontrakte. Damit ist die vernichtete Summe größer als der Marktwert aller in Singapur gehandelten Aktien, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

18.04.2013, 13:23 Uhr

Folgende Kommentar-Diskussion im gestrigen Beitrag von Frank Doll könnte den Sachverhalt etwas entschärfen:

17.04.2013, 18:37 UhrAnonymTJRemington

falls der Goldpreiseinbruch wirklich durch eine "Marktmanipulation" seitens der Zentralbanken hervorgerufen wurde, worin besteht der Sinn, dass sich diese freiwillig um 560 Mrd. $ ! ihres Bilanzwerts erleichtern? hochgradig zweifelhaft, die Märkte verabschieden sich einfach - wenn auch nur kurzfristig - von Gold als Anlagemedium. Punkt.


17.04.2013, 19:39 UhrRegistriertes Mitgliedgermarc

Was aber, wenn die Zentralbanken gar kein 'richtiges' Gold mehr haben, zumindest nicht in dem Umfang wie sie vorgeben es zu haben?!? Schon mal den Begriff 'Deep Storage Gold' gehört?!!

Die chinesische Regierung hat bereits einschlägige Erfahrung mit 'Wolfram-Goldbarren-Lieferungen' aus den USA machen dürfen...und wir Deutschen bekommen einen Teil unseres Goldhorts aus den USA in 7 Jahresraten à 50 Tonnen zurück...warum wohl?!?

Angeblich sind die Goldbarren bei der FED (alias JPM - Nachweis für die Existenz eines Verbindungstunnels in lower Manhatten wurde erbracht!!!) auf- und ineinandergestapelt und daher nur mit großem körperlichen Arbeitsaufwand zu trennen...da lachen ja die Hühner!!!

Einzel- und Sammelverwahrung (allocated versus unallocated accounts) wird in naher Zukunft das große Thema sein, auch in den schweizerischen Banktresoren, seien Sie versichert(!) Und glauben Sie mir, ich weiß von was ich spreche.

Anmerkung: If you panic, panic first!!! (Anregung für Jens Weidmann)


http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/rohstoffe/preisverfall-geheime-goldpolitik/v_detail_tab_comments/8078608.html?pageNumber=4&commentSort=debate

DieLuegner

18.04.2013, 13:25 Uhr

1 Unze beleibt 1 Unze. Egal was Goldman Sachs, Soros etc. sagen.

Alles andere ist Spekulation und nur heisse Luft.

Ah Bla, Bla, Bla, Dampfplauderer.

Logik-Ratio

18.04.2013, 13:33 Uhr

? ? ?

Welchen Nachteil erleiden ZENTRALBANKEN wenn das Gold in ihren Lagerstätten anders bewertet wird? Solange die Verluste nicht realisiert werden müssen.... Eine Zentralbank kann zudem soviel Geld drucken, wie sie möchte. Einzig im Handeln ZWISCHEN Zentralbanken könnte dieser Sachverhalt relevant sein - aber der physische Handel scheint einen anderen Weg eingeschlagen zu haben.

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