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25.02.2013

12:56 Uhr

Minenaktien

Goldgräber in Not

VonJörg Hackhausen

Gold ist was Sicheres. Für die Aktien der Goldförderer gilt das allerdings ganz und gar nicht. Mit den Kursen geht es seit langem abwärts, und zwar aus guten Gründen. Jetzt prophezeien Experten die Wende – mal wieder.

Nummerierte Goldbarren in einem Tresorraum der Deutschen Bundesbank in Frankfurt. dpa

Nummerierte Goldbarren in einem Tresorraum der Deutschen Bundesbank in Frankfurt.

Gold gilt als Allheilmittel gegen jede Krise: vom ganz normalen Wahnsinn an den Märkten über den Verfall der Papierwährungen bis hin zum Weltuntergang. Die Anleger, die auf das Edelmetall schwören, wollen vor allem eines: Sicherheit. Umso enttäuschter dürften diejenigen sein, die auf Goldaktien gesetzt haben.

Seit mehr als einem Jahr geht es fast ununterbrochen abwärts. Als der Goldpreis im Sommer 2011 auf ein Allzeithoch stieg, zogen die Aktien kaum mit. Als der Goldpreis anschließend wieder fiel, fielen die Aktien noch stärker. Die Aktien der großen Goldförderer wie Barrick Gold, Newmont oder Goldcorp Gold haben seither mehr als ein Drittel an Wert verloren. Noch schlimmer erwischte es die kleineren Firmen sowie Explorationsunternehmen.

Aktien der Goldgräber

Barrick Gold

Marktkapitalisierung: 13,8 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 3,9
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,6
Kursentwicklung (1 Jahr): - 61,2 Prozent
Rating (S&P): BBB+
Sitz: Toronto, Kanada

*Schätzung zum 31.12.2013

Goldcorp

Marktkapitalisierung: 19,7 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 11,73
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,79
Kursentwicklung (1 Jahr): - 35,3 Prozent
Rating (S&P): BBB+
Sitz: Vancouver, Kanada

*Schätzung zum 31.12.2013

Newmont Mining

Marktkapitalisierung: 13,7 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 6,7
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,97
Kursentwicklung (1 Jahr): - 43,6 Prozent
Rating (S&P): BBB+
Sitz: Denver, USA

*Schätzung zum 31.12.2013

Newcrest Mining

Marktkapitalisierung: 7,4 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 6,9
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,8
Kursentwicklung (1 Jahr): - 59 Prozent
Rating (S&P): BBB+
Sitz: Melbourne, Australien

*Schätzung zum 31.12.2013

Zijin Mining Group

Marktkapitalisierung: 8,1 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 4,8
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,85
Kursentwicklung (1 Jahr): - 46 Prozent
Rating (S&P): k.A.
Sitz: Longyan, China

*Schätzung zum 31.12.2013

 

Yamana Gold

Marktkapitalisierung: 6,9 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 14,2
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,8
Kursentwicklung (1 Jahr): - 38,8 Prozent
Rating (S&P): k.A.
Sitz: Toronto, Kanada

*Schätzung zum 31.12.2013

Anglogold Ashanti

Marktkapitalisierung: 4,9 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 5,3
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,895
Kursentwicklung (1 Jahr): - 62,1 Prozent
Rating (S&P): BBB-
Sitz: Johannesburg, Südafrika

*Schätzung zum 31.12.2013

Kinross Gold

Marktkapitalisierung: 5,4 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: negativ
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,5
Kursentwicklung (1 Jahr): - 42,3 Prozent
Rating (S&P): BBB-
Sitz: Toronto, Kanada

*Schätzung zum 31.12.2013

Aus heiterem Himmel kommt der Ausverkauf nicht. Die Frage ist nur: Wann sind die Kurse so tief gefallen, dass es nicht mehr tiefer geht. Experten prophezeien schon seit langem eine Wende – die immer noch auf sich warten lässt. Auch diesmal deutet wieder einiges darauf hin, dass das Schlimmste überstanden ist. Aber das ist eine heiße Wette.

Ein prominenter Investor hat sich an Goldaktien die Finger verbrannt. John Paulson, einst Star der Hedge-Fonds-Branche, machte das zweite Jahr in Folge hohe Verluste, unter anderem weil seine Gold-Investments schlecht liefen.

Privatanlegern, die auf Goldaktienfonds gesetzt haben, erging es nicht besser. Der BGF World Gold von Blackrock sowie der Investec Global Gold haben in den vergangenen zwölf Monaten knapp 30 Prozent verloren, der Craton Capital Precious Metal sogar rund 45 Prozent. Zum Vergleich: Der Dax hat im selben Zeitraum um zwölf Prozent zugelegt.

In der Fondsbranche gibt man sich gelassen. „Bei uns hat sich noch kein Anleger beschwert“, sagt Martin Siegel, Fondsmanager des Stabilitas Gold und Ressourcen. Sein Fonds hat auf Jahressicht mehr als 30 Prozent verloren, auf Sicht von fünf Jahren sind die Verluste sogar deutlich höher.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Die meisten Anleger hätten schon vor langer Zeit in seinem Fonds investiert. Sie seien Schwankungen gewöhnt, erklärt Siegel. Immerhin hatte der Fonds in der Vergangenheit auch schon Phasen, in denen er innerhalb von zwei Jahren um 200 Prozent zugelegt habe. Siegel räumt allerdings ein, dass es diesmal „die bisher längste Durststrecke“ sei. „Langsam ist es mal genug“, sagt der Fondsmanager.

Das Verwunderliche daran: In jedem der vergangenen zehn Jahre legte der Goldpreis zu – von rund 400 Dollar auf aktuell rund 1600 Dollar je Feinunze. Im Sommer 2011 kostete eine Feinunze zeitweise sogar 1912 Dollar. Eigentlich eine erfreuliche Entwicklung für die Goldförderer. Sie können ihr Produkt heute vier Mal so teuer verkaufen wie vor zehn Jahren.

Kommentare (7)

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GFrensch

25.02.2013, 16:04 Uhr

Ein wirklich interessanter Artikel, zumal ich letzte Woche long Goldminenaktien gegangen bin. Auch ich denke daß nun ein interessanter Wendepunkt in Aussicht ist. Wie immer sollte mal solche Investments aber mit einem Stop Loss absichern und keinen zu großen Anteil des Kapitals darauf verwenden :)

GFrensch

25.02.2013, 16:07 Uhr

in wirklich interessanter Artikel, zumal ich letzte Woche long Goldminenaktien gegangen bin. Auch ich denke daß nun ein interessanter Wendepunkt in Aussicht ist. Wie immer sollte mal solche Investments aber mit einem Stop Loss absichern und keinen zu großen Anteil des Kapitals darauf verwenden :)

Account gelöscht!

25.02.2013, 16:37 Uhr



Angesichts Bankiazahlen, Zypern, Hellas am Tropf, etc etc, ist sicherlich dei Investition in ausgebombte Kurse nicht unrichtig. Seh ich auch so wie GFrench. Das ganze Pressetheater laesst tief blicken. Buy and forget it .

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