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30.07.2014

14:32 Uhr

Mischung aus Gold und Bitcoins

Ein neuer Dollar-Konkurrent ist geboren

Wer hat das bessere Zahlungsmittel? Darüber streiten sich in der Regel Bitcoin-Fans mit Gold-Anhängern. Ein Unternehmen hat nun eine neue Währung erfunden und verbindet das beste aus zwei Welten. Ein neuer Trend.

Eine Bitcoin-Münze. Der Independence Coin ist die erste von Gold gedeckte Krypto-Währung. Reuters

Eine Bitcoin-Münze. Der Independence Coin ist die erste von Gold gedeckte Krypto-Währung.

New YorkMan könnte es Bitgold nennen. Es ist das Ergebnis, wenn man Bitcoins, eine der neuesten Quasi-Währungen der Welt, und Gold, eine der ältesten, vermischt. Fügt man Misstrauen gegenüber zentralisierter Macht, eine Prise Rebellionsgeist und einen Schuss Gewinnmotiv hinzu, dann dürfte dabei der Independence Coin herauskommen.

Der Independence Coin ist die erste von Gold gedeckte Krypto-Währung und wurde in diesem Monat beim libertären Kongress FreedomFest in - wo auch sonst? - Las Vegas vorgestellt.

„Eine vom Goldstandard überzeugte Person hält Bitcoins für wertlos und letztlich für ein Schneeballsystem; und Leute, die nicht auf Gold stehen, aber Bitcoins wirklich verstehen, würden sagen, Gold sei lächerlich und nur ein blödes Metall“, erklärt Anthem Hayek Blanchard, Chef von Anthem Vault, dem Unternehmen hinter dem Independence Coin. „Wir müssen uns nicht streiten. Wir können das verbinden.“

Bitcoins und Gold passen ideal zusammen, so wie Kätzchen und Milch. Was sie vereint, ist die Skepsis ihrer Anhänger gegenüber herkömmlichen Währungen.

Gold, bereits in der Antike eine Wertanlage, ist schon lange bei Anlegern beliebt, die einen sicheren Hafen suchen, und bei Schwarzmalern, die Fiat-Währungen aus der Druckerpresse der Zentralbanken ablehnen. Bitcoins, die von Programmierern vor sechs Jahren erfundene Krypto-Währung, haben sich Hipster-Anarchisten und andere zu eigen gemacht, die online handeln wollen – ohne den Zwängen konventionellen Geldes zu unterliegen.

Mittlerweile mehren sich die Vorstöße, die beiden Zahlungsmittel unter einen Hut zu bringen. Neben Anthem Vault bewegen sich auch andere Unternehmen in diese Richtung.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

So planen die Zwillingsbrüder Cameron Winklevoss und Tyler Winklevoss, bekannt wegen ihres Streits mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die Einführung des Winklevoss Bitcoin Trust. Das soll ein börsengehandelter Fonds (ETF) werden, der an den SPDR Gold Shares Fonds erinnert und auch der erste seiner Art wäre. Die Anmeldung des ETFs ist bei der US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) noch anhängig. Eine E-Mail an Winklevoss Capital Management in New York mit der Bitte um Stellungnahme blieb unbeantwortet.

Kommentare (4)

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Herr peter Spirat

30.07.2014, 14:50 Uhr

Euro
Rubel
Yuan

Was auch immer, aber bitte nicht den Dollar. Gold bleibt eh der Standard, auch wenn IWF-Länder es gerade anders probieren. Aber die Zeiten verändern sich.

Herr Christian H.

30.07.2014, 14:50 Uhr

Anthem Gold, Netagio - ein Spin-Off von Goldmoney - immer mehr Tresorgoldanbieter. Mal sehen, wer sich am Ende durchsetzt bzw. welche wieder schnell verschwinden.

Herr Martin Krafft

30.07.2014, 15:40 Uhr

Der Independence Coin ist mitnichten der erste Versuch eines Bitcoin-Gold-Standards. Bislang hat's aber noch niemand geschafft, was auch hier zweifelhaft ist. Warum soll ich einem Unternehmen diesbezüglich trauen, gerade wenn es in den USA sitzt und Gewinnerzielungsabsicht hat? Der Gold-Standard beim US Dollar zog nur solange der Staat die Garantie gegeben hat. Seitdem haben etliche Fonds etwas ähnliches versucht, sind aber alle gescheitert.

Davon abgesehen: Bitcoin wird langfristig keinen Gold-Standard brauchen. Es ist eine von Haus aus limitierte Währung. Und die Kursschwankungen lassen sich m.E. am besten damit erklären, daß noch viel zu wenig Umsatz gehandelt wird, sonst würde sich das schnell stabilisieren.

Bitcoin zugrunde liegt jedoch ein Protokoll, daß die Welt braucht. Es wird die Finanzwelt (und nicht nur diese, auch das Vertragswesen und die Demokratie…) auf den Kopf werfen und revolutionieren, letztlich jedoch im Interesse des Anwenders, nicht der Bank. Daher herrscht bei vielen Banken auch schon Alarmstimmung.

Fazit: die sog. "Altcoins" sind alle nett und vielleicht wird sich einer mal durchsetzen. Aber Bitcoin wird bleiben, auch ohne Gold-Standard.

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