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14.03.2017

15:22 Uhr

Mythos oder Wahrheit

Der Irrglaube vom Gold als sicheren Hafen

VonJessica Schwarzer

Gold sei die einzig taugliche Währung in Krisenzeiten und ein sicherer Hafen, sagen die Goldinvestoren. Keine andere Anlageklasse ist mit solchen Lorbeeren behaftet. Aber wird das Edelmetall diesem Image auch gerecht?

Ein "sicherer Hafen" und eine gute Anlageklasse oder nur Schmuck? dpa

Gold

Ein "sicherer Hafen" und eine gute Anlageklasse oder nur Schmuck?

DüsseldorfKein anderes Anlageobjekt polarisiert so sehr wie Gold. Investoren sind entweder überzeugte Goldkäufer, ja fast schon Fans. Oder sie können dem gelben Edelmetall so gar nichts abgewinnen und zählen es noch nicht einmal zu den gängigen Anlageklassen. Sie halten dann flammende Reden gegen das Gold. Ob Superinvestment oder nichts als schöner Schmuck – beim Thema Gold gegen die Emotionen hoch. Dabei gilt es doch eigentlich als sicherer Hafen, als Ruhepol im Depot, als Wertanlage für die Ewigkeit.

Aber ist Gold überhaupt ein sicherer Hafen? „Nur wenn es dem Finanzsystem schlecht geht“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. „Gold war immer insbesondere eine Krisenwährung.“ Das sieht Philipp Vorndran etwas anders: „Gold ist kein Krisenmetall, auch wenn das fälschlicherweise oft behauptet wird“, sagt der Kapitalmarktstratege der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch. „Gold ist eine Währung – die Währung der letzten Instanz und damit eine Versicherung gegen die Folgen der ultralockeren Notenbankpolitik.“

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im Jahr 2013 betrug 3.756 Tonnen. Damit ist die Nachfrage um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen.

Quelle: World Gold Council, Stand: 18.02.2014

Goldpreis

Der durchschnittliche Goldpreis lag 2013 bei 1.411 US-Dollar je Feinunze und damit 15 Prozent unter dem des Vorjahres.

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im Jahr 2013 insgesamt 2.209 Tonnen und stieg damit um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen stieg im Jahr 2013 auf einen Rekordwert von 1.654 Tonnen. Ein Plus von 28 Prozent im Vergleich zu 2012.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich auf 405 Tonnen und blieb damit, verglichen mit den 407 Tonnen im Jahr 2012, nahezu unverändert.

Gold-ETFs auf Talfahrt

Ein Nettoabfluss aus ETFs in Höhe von 881 Tonnen war zu verzeichnen, da die Investoren eine Neubewertung ihrer Portfolios fortsetzten.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe der Zentralbanken betrugen 369 Tonnen. Dies entspricht einem Rückgang von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Goldangebot

Das Gesamtangebot für Gold betrug 4.340 Tonnen und lag damit 2 Prozent unter dem Niveau von 2012.

In der Wahrnehmung der Anleger wird Gold wohl ein „sicherer Hafen“ bleiben. Das zeigen die Kursausschläge in Krisenzeiten. In der Finanzkrise schien Gold neben Bundesanleihen die einzige Rettung zu sein. Als alle anderen Anlageklasse mehr oder weniger gleichzeitig zusammenbrachen, flohen Anleger in die vermeintlich sicheren Häfen. Auch im vergangenen Jahr machte Gold seinem Ruf alle Ehre: Das „Ja“ der Briten zum Ausstritt aus der Europäischen Union ließ den Preis für das gelbe Edelmetall ansteigen. Und es waren nicht nur Privatanleger, die den vermeintlich sicheren Hafen ansteuerten.

Experten führen nämlich den starken Anstieg seit Jahresbeginn 2016 insbesondere auf institutionelle Investoren zurück. Neben dem Brexit-Votum verunsicherten die US-Präsidentschaftswahlen Anleger und führten zu steigender Nachfrage, genauso wie die Niedrigzinspolitik der EZB. Doch nach dem Sieg Donald Trumps ging es erstmal abwärts mit dem Goldpreis. Der Ausblick auf steigende Zinsen beflügelte zwar die Fantasie der Anleger – war aber nicht gut für das Gold. Andere Anlageformen wurden wieder attraktiver.

Wenn die Zinsen steigen, wird Gold eben billiger. Das besagt zumindest die Theorie. Doch seit Jahresbeginn stieg der Preis um gut vier Prozent – trotz der Zinserhöhung im Dezember und dem jetzt anstehenden weiteren Zinsschritt. Dafür gibt es viele Gründe – rationale Erwartungen und Störfeuer aus allen Ecken, vor allem aber die Präsidentschaft Donald Trumps. Seit seinem Einzug ins Weiße Haus beherrscht Unsicherheit die Märkte. Dass der Goldpreis nach seiner Wahl zunächst nachgab, hat einen einfachen Grund: Anleger reagierten nicht nur auf die erwartete Zinserhöhung im Dezember, die dann auch kam, sondern vor allem auf Trumps Ansage, die Wirtschaft mit Infrastrukturprogrammen ankurbeln zu wollen. Das würde natürlich dem Aktienmarkt guttun. Doch bisher bleibt Trump Details schuldig, was Investoren anscheinend wieder zu Gold greifen lässt.

Kommentare (16)

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Herr Tom Schmidt

14.03.2017, 16:32 Uhr

Naja... der Artikel fasst die Dummheit der Masse schön zusammen. Die Fans denken, dass Gold die Währung schechthin ist, und nur steigen muss. Dass das nicht stimmen kann ist klar: die Idee einer Krisensicherung ist, dass sie im Gr0ßen und Ganzen stabil ist. d.h. solange die Kaufkraft der Währung mit der Gold verglichen wird... sollte sich da ja nichts ändern! (mit etwas Schwankung hinterlegt).

Liebe Commerzbank... Ihr solltet zwischen physischem Gold und Wertpapieren schon sehr genau unterscheiden (oder sind schon alle Lehman-Zertifikate auf Gold vergessen?)

Aber nochmal anders: wenn ich eine gute Währung in einer schlechten (schankenden) Währung messe... dann schwankt die gute Währung natürlich auch erstmal...

Und zum Thema Bitcoin: wenn erst einmal der erste Cyberkrieg auf der Welt stattgefunden hat... werden wir erstaunt sein wieviele oder eben auch keine Bitcoins es noch gibt...

Enrico Caruso

14.03.2017, 17:04 Uhr

@ Herr Schmidt

Zwischen einer "guten Währung" und einer "schlechten Währung" unterscheiden zu wollen, ist genauso aberteuerlich, wie physisches Gold von seinem Kurs trennen zu wollen. Beides ist schlicht Wunschdenken.
1. Sie werden auch weiterhin mit Geld bezahlen. Auf längere Sicht bestimmt nicht in Euro, aber den Dollar bekommen sie nicht weg! Gold ist nur theoretisch ein Zahlungsmittel, praktisch muss es erst umgetauscht werden - und zwar in Geld!
2. Der Wert von physischem Gold und dem oft geschmähten "Papiergold" (das sie wohl gemeint haben) ist identisch! Lernen Sie, damit zu leben. Es wird (selbst Ihnen zuliebe) keine zwei Kurse dafür geben.

Frau Lana Ebsel

14.03.2017, 17:19 Uhr

Gold ist nichts anderes als Erde. Die Erde von Grundstücken (und evtl. darauf stehenden Häusern), die man kauft, um sich vor einer Währungsreform zu schützen, denn dann kann nämlich das gesamte Guthaben futsch sein.

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