Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.04.2011

17:28 Uhr

Nach Fed-Sitzung

Euro nimmt Kurs auf Marke von 1,50 Dollar

Der Euro nähert sich mit großen Schritten der Marke von 1,50 Dollar. Die US-Geldpolitik, die nach den Äußerungen Ben Bernankes wohl keine Änderung erfahren wird, dürfte weiter zur Stärkung beitragen.

Nach dem Fed-Zinsentscheid hat der Dollar gegenüber Euro und Yen weiter nachgegeben. Quelle: Reuters

Nach dem Fed-Zinsentscheid hat der Dollar gegenüber Euro und Yen weiter nachgegeben.

FrankfurtSchuldenkrise hin oder her - Der Kurs des Euro steigt unverdrossen. Heute erhielt die Gemeinschaftswährung Rückenwind durch die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank Fed. In der Spitze erreichte die Gemeinschaftswährung mit 1,4881 Dollar den höchsten Stand seit 16 Monaten. Am späten Nachmittag wurde der Euro mit 1,4822 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,4794 (Mittwoch: 1,4668) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,6760 (0,6818) Euro.

„Die Fed hat am Mittwochabend deutlich gemacht, dass sie ihre Niedrigzinspolitik fortsetzen will“, sagte Rainer Sartoris, Devisenexperte vom Bankhaus HSBC Trinkaus. Grundsätzlich sei dies zwar nicht überraschend gewesen, einige Beobachter hätten jedoch mit mehr Hinweisen auf einen möglichen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik gerechnet. Einige Fed-Vertreter hatten zuvor vor Inflationsgefahren gewarnt. Die Entscheidungen im geldpolitischen Ausschuss waren am Mittwoch jedoch einstimmig gefallen.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Angesichts der unterschiedlichen Geldpolitik in der Eurozone und den USA könnte der Euro laut Sartoris in der kommenden Wochen über die Marke von 1,50 Dollar steigen. Die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA im ersten Quartal hätten den Dollar kaum zusätzlich belastet, sagte Sartoris. Die Wirtschaft war nur noch um 1,8 Prozent gewachsen, nachdem sie im Vorquartal noch um 3,1 Prozent zugelegt hatte. Die Abkühlung habe aber im Rahmen der Erwartungen von Volkswirten gelegen, sagte Sartoris.

 Zu anderen wichtigen Währungen hatte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,88880 (0,88640) Britische Pfund, 120,97 (120,66) Japanische Yen und 1,2954 (1,2886) Schweizer Franken festgelegt. Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold wurde in London am Nachmittag mit 1535,50 (1511,00) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete wie am Vortag 32 630,00 (32 520,00) Euro.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×