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27.01.2015

07:13 Uhr

Nach Freigabe des Franken

Schweizer Nationalbank zu Devisenkäufen bereit

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses ist die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu weiteren Investitionen am Devisenmarkt bereit. Der Markt habe sich noch nicht stabilisiert, sagt Vizepräsident Jean-Pierre Danthine.

Jean-Pierre Danthine, Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank: „Die Aufgabe des Mindestkurses bedeutet eine Straffung der Geldpolitik. Wir akzeptieren das, aber nicht bis zu jedem beliebigen Grad.“ Reuters

Jean-Pierre Danthine, Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank: „Die Aufgabe des Mindestkurses bedeutet eine Straffung der Geldpolitik. Wir akzeptieren das, aber nicht bis zu jedem beliebigen Grad.“

ZürichDie Schweizerische Nationalbank (SNB) ist auch nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses zu weiteren Devisenkäufen bereit.

„Die Aufgabe des Mindestkurses bedeutet eine Straffung der Geldpolitik. Wir akzeptieren das, aber nicht bis zu jedem beliebigen Grad. Wir sind grundsätzlich bereit, auf dem Devisenmarkt zu intervenieren“, sagte SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine in einem Interview dem „Tages-Anzeiger“ (Dienstagausgabe).

Nach der Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken fiel der Euro auf knapp unter einen Franken. Das sei ein Überschießen, sagte Dathine. „Wir sind überzeugt, dass sich der Markt noch nicht stabilisiert hat. Das Währungsgefüge aus Euro, Dollar und Franken hat sich nach der Aufhebung des Mindestkurses noch nicht wieder eingependelt“.

Die Schweizer Wirtschaft, Deutschland und die EU

Reger Warenaustausch

Zwischen der Schweiz und der EU besteht ein reger Warenaustausch. Die Schweiz exportierte 2013 nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI) Waren im Wert von rund 90 Milliarden Euro (54,9 Prozent der Ausfuhren) in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Importe

Importiert wurden aus den Mitgliedstaaten der EU Waren im Wert von rund 108 Milliarden Euro (74,4 Prozent der gesamten Einfuhren).

Viertwichtigster Handelspartner

Die Schweiz ist viertwichtigster Handelspartner der EU nach USA, China und Russland. Exportiert werden Pharmazeutika, Industriemaschinen, Präzisionsinstrumente, Uhren.

Deutschland

Deutschland ist laut BMWI Zielland für rund ein Drittel der schweizerischen Exporte. Knapp ein Fünftel der schweizerischen Importe stammen aus Deutschland. Deutschland ist somit der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner der Schweiz.

Wichtige Handelsbeziehungen

Aber auch für Deutschland sind die Handelsbeziehungen zur Schweiz von „enormer“ Bedeutung, schreibt das BMWI auf seiner Webseite. Die Schweiz nimmt demnach in der Rangliste der wichtigsten deutschen Handelspartner den 8. Rang sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen ein.

Mehr deutsche Produkte

2012 hatte die vergleichsweise kleine Schweiz (acht Millionen Einwohner) wertmäßig mehr deutsche Produkte eingeführt als beispielsweise Russland (142 Millionen Einwohner), Japan (127 Millionen Einwohner) oder Polen (38 Millionen Einwohner).

Deutsche in der Schweiz

290.000 Deutsche leben und arbeiten laut BMWI in der Schweiz. Deutsche bilden damit nur noch knapp nach Italienern (15,9 Prozent) die zweitstärkste Ausländergruppe (15,2 Prozent).

Nach der EZB-Entscheidung für Staatsanleihenkäufe und den Wahlen in Griechenland werde es sicher noch einige Zeit dauern, bis sich ein neues Gleichgewicht am Devisenmarkt einstellen werde. Am Dienstag notierte der Euro bei 1,0160 Franken.

Die SNB habe keine andere Wahl gehabt als den Mindestkurs aufzuheben. Der schwache Euro sei keine passende Referenz mehr für den Franken gewesen. Das hätten die Märkte gemerkt. „Gegen Ende 2014 wurden seit langem wieder Interventionen nötig“, sagte Danthine der Zeitung. Im Januar hätten hochgerechnet 100 Milliarden Franken ausgegeben werden müssen, um den Mindestkurs zu halten.

Probleme durch eine Deflation erwartet Danthine nach der Abschaffung des Mindestkurses nicht. Die Schweiz habe immer schon mit einer niedrigeren Teuerung als das Ausland gelebt.

„Die jetzt zu erwartende negative Inflation ist temporär“ erklärte der Notenbanker. Sie sei teils durch den gesunkenen Ölpreis, teils durch den erstarkten Franken bedingt.

Wichtig sei aber, dass die Inflationserwartungen von Unternehmen und Konsumenten stabil verankert bleiben.

Von

rtr

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