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02.07.2012

14:59 Uhr

Nach Gewinnmitnahmen

Der Euro schwankt zwischen Bangen und Hoffen

Die Euphorie nach den Beschlüssen des EU-Gipfels ist verflogen. Am Montag fiel der Euro nach Gewinnmitnahmen auf 1,26 US-Dollar zurück. Die Renditen spanischer und italienischer Anleihen gaben nur noch leicht nach.

Keine Trendwende in Sicht - der Euro gibt nach. dpa

Keine Trendwende in Sicht - der Euro gibt nach.

FrankfurtAuf die Euphorie vom Freitag folgte am Montag die Ernüchterung - zumindest am Renten- und Devisenmarkt. Der Euro bröckelte auf 1,26 Dollar ab, die Renditen der spanischen und italienischen Anleihen gaben nur noch leicht nach. Hauptgesprächsthema blieben die Gipfelergebnisse vom Freitag. Dabei gingen die Einschätzungen teils weit auseinander. Während Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, von einem Gewinn für die Euro-Zone sprach, hielt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann den Euro weiter für gefährdet, da man den Erhalt des Euro über eine "vernünftige, glaubwürdige Wirtschafts-, Fiskal- und Geldpolitik" gestellt habe.

Der Euro bleibe vorläufig zwischen Bangen und Hoffen hin- und hergerissen, erklärte ein Händler. Für ersteres sorgte am Montag die Ankündigung Finnlands, mit den Niederlanden gemeinsam Anleihekäufe durch den Rettungsfonds ESM blockieren zu wollen. Spanien und Italien hoffen aber mit dem ESM als Käufer ihre Zinsen und damit die Kosten für die Refinanzierung senken zu können. Zudem sind laut Analysten noch viele Fragen offen.

Vergangenen Freitag hatten die Euro-Länder eine Lockerung der Hilfsbedingungen angekündigt. Zudem öffneten sie die Tür für direkte Bankenzuschüsse aus dem ESM-Rettungsfonds und kündigten eine zentralen Bankenaufsicht an, was als Vorbedingung für eine Vergemeinschaftung der Schulden gilt. Details wurden allerdings nicht veröffentlicht. "Eine große europäische Vision blieb man schuldig", urteilte denn auch die Bayern LB. "Die nur lockeren Kontrollen der Haushaltspolitik bei Bondkäufen durch den ESM rauben mühsam erkämpfte Glaubwürdigkeit."

Zumindest scheinen die spanischen Banken durch die beantragte Nothilfe für den spanischen Finanzsektor erst einmal aus der Schusslinie, schreiben dagegen die Analysten der Metzler Bank. "Dennoch verbleiben genügend Baustellen, um den Markt mittelfristig wieder zu verunsichern", warnen aber auch sie. Hellmeyer ist da etwas zuversichtlicher: "Die Wette, dass die Euro-Zone in den kommenden zwei Monaten zerbrechen wird, erscheint unter den gegebenen Umständen ambitioniert zu sein", stellt er fest.

Der Euro rutschte unter 1,26 Dollar von 1,2660 Dollar am Freitagabend in New York, als ihn die Begeisterung der Anleger noch um zwei US-Cents in die Höhe katapultiert hatte. Mit Blick auf die Zinspolitik blieben viele Händler aber skeptisch. Da nun mit einer Zinssenkung durch die EZB am Donnerstag gerechnet werde, verringere sich der ohnehin magere Zinsvorteil des Euro zum Dollar weiter, sagte ein Händler. Die US-Zinsen liegen bereits nahe null Prozent. Von Reuters befragte Analysten rechnen inzwischen mehrheitlich mit einer Senkung des Leitzinses um 0,25 Prozent auf 0,75 Prozent - einem Rekordtief.

Mit den Renditen spanischer zehnjähriger Anleihen - sie waren am Freitag auf 6,34 von 6,92 vor den Gipfel gefallen -ging es Montag nur noch moderat nach unten. Am frühen Nachmittag pendelten sie um 6,3 Prozent. Die Renditen der italienischen Zehnjährigen setzten ihren Abwärtstrend etwas deutlicher fort und fielen auf 5,72 von 5,82 Prozent. Der Bund-Future - eine Art Angstbarometer - notierte mit 140,93 Punkten kaum verändert. Auch die Renditen der deutschen zehnjährigen Bundesanleihen kamen kaum vom Fleck.

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