Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.10.2011

15:36 Uhr

Nach Krisen-Gipfel

Euro springt über 1,41 Dollar

Endlich herrscht Klarheit: Die Beschlüsse auf dem Krisen-Gipfel in Brüssel scheinen die Investoren zu überzeugen. Der Kurs des Euro legt deutlich zu.

EU-Gipfel macht Anlegern Mut

Video: EU-Gipfel macht Anlegern Mut

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtNach der Einigung auf ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Schuldenkrise hat der Euro sein höchstes Niveau seit dem 4. September erreicht. Die Gemeinschaftswährung legte am Donnerstagnachmittag bis zu 1,4143 Dollar zu - nach 1,3883 Dollar im Schlussgeschäft von Mittwoch. „Viele Details - wie der Schuldenerlass für die privaten Gläubiger - sind jetzt endlich geklärt worden, das gibt dem Euro einen ordentlichen Schub,“ sagte Osamu Takashima, Analyst der Citibank.

Die Euro-Länder schnürten für Griechenland ein neues Rettungspaket, das einen Schuldenerlass der privaten Gläubiger von nominal 50 Prozent der rund 200 Milliarden Euro ausstehenden Staatsanleihen vorsieht. Ebenfalls beschlossen wurde ein effektiverer Einsatz der Mittel des Euro-Rettungsschirms EFSF sowie eine Stärkung der Banken. „Die Staats- und Regierungschefs demonstrierten Einigkeit und beschlossen die bereits in den letzten Tagen diskutierten Lösungsansätze“, urteilte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Insgesamt seien die Ergebnisse wenig überraschend.

Am Rentenmarkt kehrten die Anleger den als sicher geltenden Bundespapieren den Rücken zu. Die Kurse fielen, die Renditen der zehnjährigen Anleihen zogen an und lagen bei 2,120 nach 2,048 Prozent am Mittwoch.

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

1. Januar 1999

1. Januar 1999: Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt 1,95583 DM je Euro.
Am 4. Januar startet der Handel in Sydney - der ersten großen Börse, die nach dem Datumswechsel öffnet - mit 1,1747 Dollar.

Dezember 1999

Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

Frühherbst 2000

Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

Januar 2002

Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

März 2003

Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

September 2003

Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

September 2007

Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

Juli 2008

Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch. Nur wenige Tage zuvor - am 11. Juli - hatte übrigens auch der Ölpreis mit 147,50 Dollar je Fass sein Allzeithoch erreicht.

Oktober 2008

Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

Oktober 2009

Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

Dezember 2009, Januar 2010

Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

Frühjahr und Sommer 2011

EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

Ende Februar 2012

Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Juni 2012

Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

Juli 2012

Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde „alles nötige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

Februar bis März 2013

Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

September 2014

Die EZB überrascht die Märkte mit einem neuen Zinssenkungszyklus. Der Euro nimmt seine Talfahrt wieder auf. Signale von EZB-Chef Mario Draghi für weitere Geldspritzen drücken den Euro bis zum Jahresende auf rund 1,21 Dollar.

06. Januar 2015

Der Euro fällt auf 1,1853 Dollar und erreicht damit das Tief von Februar 2006. Zugleich nimmt die Talfahrt der Ölpreise weiter Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel (159 Liter).

Von

dpa

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.10.2011, 09:11 Uhr

Es ist höchst fraglich, ob nun die Brüsseler Beschlüsse den Wechselkurs des Euro positiv befördert haben. Wer über Grundkenntnisse in Mathematik verfügt, weiß ja auch, daß ein Quotient aus Zähler und Nenner besteht.

Ein Blick auf die USA und ihre wirtschaftliche Lage könnte zu dem Schluß führen, daß der US-Dollar mit seinem Kurs in die Knie geht. Das wird den Wechselkurs des € wohl eher beflügelt haben.

Pleitepleiterampleitesten

27.10.2011, 09:32 Uhr

Der Schuldenschnitt von 50% wird nicht reichen um Griechenland einen Schuldenabbau zu ermöglichen.
In einigen Monaten wird die Eurokrise uns wieder beschäftigen.
Den Schuldenberg wird Griechenland, bei der jetzigen Wirtschaftslage, nie los werden. Und es ist auch nicht abzusehen dass sich die Wirtschaftslage verbessern wird.

Kurs-Logik

27.10.2011, 11:34 Uhr

Ein Euro-Kurs nördlich von 1,40 , wie jetzt zu beobachten, ist abenteuerlich - gerade aufgrund der gestern getroffenen Entscheidungen.
Das läßt folgende Schlüsse zu: Entweder sind die Marktsubjekte immer noch ahnungslos oder: man handelt extrem kurzfristig. Wahrscheinlich stimmt sogar beides: Ahnungslosigkeit trifft auf clevere Day-Trader.
Den Euro sehe ich innerhalb eines Jahres bei unter 1,20.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×