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06.01.2014

12:50 Uhr

Nach Kursrekord

Bitcoins auch am Geldautomaten

1086 Dollar kostet ein Bitcoin am Mittag – ein neuer Rekord. Den Kurs der Internetwährung treiben nicht zuletzt die flexibleren Einsatzmöglichkeiten. Neuerdings lassen sich Bitcoins sogar am Geldautomaten eintauschen.

Bitcoins werden immer beliebter. AFP

Bitcoins werden immer beliebter.

DüsseldorfBitcoins gegen Cash, Cash gegen Bitcoins? Bislang konnten Nutzer die Internetwährung nur über einen Online-Account am Computer oder über das Handy ordern. Angesichts des Hypes um die Internetwährung aber – seit Sonntag markiert der Kurs mit über 1000 Dollar neue Höchststände – war die nächste Stufe der Distribution nur eine Frage der Zeit.

Seit Oktober läuft das Experiment, Bitcoins auch am Geldautomaten tauschen zu können. Damals hat das amerikanische Unternehmen Robocoin seinen ersten Bitcoins-Geldautomaten im kanadischen Vancouver platziert. „Robocoin ist eine Maschine, mit der man Bitcoins kaufen, verkaufen und handeln kann”, sagt Robocoin CEO Robert Kelley. „Die Maschine ist mit der Bitcoins-Börse Mt. Gox verknüpft. Nutzer können entweder Cash oder Checks gegen Bitcoins hinterlegen oder sich Bitcoins, die sie schon besitzen, in bar auszahlen lassen.”

Bis Ende des Monats will Robocoin nun den zweiten Automat aufstellen – diesen dann in Hongkong. Die dortige Finanzaufsichtsbehörde HKMA wertet die Bitcoins nicht als eigentliche Währung, weswegen eine formelle Zustimmung der Behörde zum Geldautomaten nicht erforderlich ist.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Dabei rühren die neuen Höchststände auch von der neuen Akzeptanz von Bitcoins im Handel. So hatte der Kurs am Sonntag die Marke von 1000 Dollar überwunden, nachdem das US-amerikanische Unternehmen Zynga erklärt hatte, es werde die virtuelle Währung als Zahlungsmittel für seine Online-Spiele akzeptieren. Am Montagmittag kostete ein Coin dann bereits 1086 Dollar – und war damit so teuer wie nie.

Nun standen Online-Plattformen Bitcoins von Anfang an aufgeschlossener gegenüber: Ob Studiengebühren oder Gummibärchen, Online-Zahlungen via Bitcoins sind nicht mehr ungewöhnlich. Neu ist jetzt, dass Bitcoins auch im Einzelhandel immer mehr an Popularität gewinnen.

Ob Olivenöl in Spanien, Schallplatten in Berlin, Wodka-Shots in Moskau oder Blumen in Santa Monica: Immer mehr Ware geht gegen Bitcoins über die Theke. Im November verdreifachte sich die Zahl der Verkäufer, die Bitcoins annehmen, auf über 2000, zeigen Daten der Webseite CoinMap, die eine Übersicht über die physischen Akzeptanzstellen bietet.

Kommentare (7)

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sowat

06.01.2014, 13:08 Uhr

"Nutzer können entweder Cash oder Checks gegen Bitcoins hinterlegen oder sich Bitcoins, die sie schon besitzen, in bar auszahlen lassen.”"

Wieso in BAR AUSZAHLEN lassen? Wie soll das denn funktionieren?

sowat

06.01.2014, 13:35 Uhr

Also soweit ich die Seite von Robocoin richtig interpretiere, kann man sich lediglich den Gegenwert von Bitcoins in bar auszahlen lassen, aber keine baren Bitcoins!

Krypto

06.01.2014, 14:11 Uhr

Eigentlich ein positiver Bericht über den Bitcoin. Der Kurs ist nicht erstmalig über 1000US$ und es ist auch nicht der erste Automat und schon gar nicht ein Experiment. Getauscht wird natürlich in die jeweilige Landeswährung. Es ist sehr schade, dass jeder nur irgendwelche Berichte kopiert und sich selbst gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Der Bitcoin ist eine wunderbare Sache. Wer ihn nicht mag, kann zumindest im internationalen Handel kostengünstiger bezahlen. Die "Volatilität" ist bei sofortigen Rücktausch zu vernachlässigen und wer mit dem Bitcoin spekuliert hat auch heute noch hervorragende Einstiegskurse. Es wird immer suggeriert, dass 1000$ viel für einen Bitcoin ist, da es sich aber um ein weltweites "Tauschmittel" handelt das auch sehr begrenzt verfügbar ist, ist das nicht viel. Wir werden in diesem Jahr noch viele Höchststände bei BTC erleben und jeder der einmal damit angefangen hat, wird vertrauen gewinnen und dieser Zahlungsmethode seine Treue erweisen. Ich würde keinen Cent mehr auf VISA / Mastercard und herkömmliche Banken setzen, hingegen das Augenmerk auf die vielen, jetzt noch sehr kleinen Firmen richten, die sich mit dem neuen "nennen wir es digitales Geld" befassen. Der Bitcoin hat schon einige schlechte Meldungen überwunden und wird aufgrund der wachsenden Akzeptanz dieses auch weiterhin tun. Im Grunde ist er alternativlos, solange andere digitale Währungen von Firmen und Kunden nicht akzeptiert werden. 2013 war das Jahr des Bitcoin, 2014 wird das Jahr des Bitcoin, 2015 wird das Jahr des Bitcoin und ab dann werden wir vielleicht schon einen Wandel in der online Zahlungswelt erleben, den viele heute noch gar nicht glauben können. In Krisenländern, auch EURO Krisenländern steht damit eine alternative Wertform zur Verfügung. Der Bitcoin entwickelt sich besser als Gold und alle anderen Aktien oder Wertanlagen und angefeuert wird das ganze noch durch eine weltweite Niedrigzinspolitik. 10000$ in 2014 sind möglich.

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