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26.05.2017

10:33 Uhr

Nach Opec-Treffen

Ölpreise stoppen Talfahrt – vorerst

Die Verlängerung der Förderbremse von Opec- und Nicht-Opec-Ländern wirbelt den Ölmarkt durcheinander. Erst reagierten die Börsianer enttäuscht, die Fasspreise schmierten ab. Am Freitag aber können sie sich fangen.

Die Verlängerung der Förderkürzung durch die Opec wurde an den Märkten mit Enttäuschung aufgenommen. Der Preis für Öl fällt deutlich. dpa

Ölpreis

Die Verlängerung der Förderkürzung durch die Opec wurde an den Märkten mit Enttäuschung aufgenommen. Der Preis für Öl fällt deutlich.

New York/LondonDie Ölpreise haben am Freitag ihren Absturz stoppen können. Nach einem tiefroten Donnerstag mit Fünf-Prozent-Minus stiegen die Fasspreise am Vormittag. Im morgendlichen Handel waren sie noch weiter gefallen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kletterte um ein Prozent auf 51,83 Dollar, die US-Sorte Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 0,9 Prozent auf 49,15 Dollar pro Fass. Die Ölpreise waren am Vortag stark unter Druck geraten. Die Ölminister der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hatten zwar ein seit Januar geltendes Produktionslimit um neun Monate bis zum März 2018 erwartungsgemäß verlängert.

Fragen und Antworten zur Entwicklung des Ölpreises

Warum fallen die Preise, obwohl die Opec weniger fördert?

Im Vorfeld der Entscheidung der Opec und ihrer Partnerländer wie Russland waren die Anleger schon auf die Verlängerung der seit Januar geltenden Förderbremse bis März 2018 vorbereitet worden. Einige hatten aber auf eine deutlichere Verlängerung und stärkere Kürzungen spekuliert.

Was bezweckt die Opec mit der niedrigeren Förderung?

Das Kartell und seine Partner, darunter Russland, wollen das Überangebot auf dem Weltmarkt schmälern und damit die Preise stützen. Erklärtes Ziel ist es, die Ölvorräte von einem aktuellen Rekordhoch von drei Milliarden Fässern auf 2,7 Milliarden Fässer zu senken - dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Das für die Finanzmärkte richtungsweisende Nordseeöl Brent kostet derzeit gut 50 Dollar - im Sommer 2014 war der Preis mit 115 Dollar noch mehr als doppelt so hoch.

Wie wird sich der Preis jetzt entwickeln?

Das hängt davon ab, wie viel Öl tatsächlich vom Weltmarkt verschwindet. Und genau das ist der Haken. Die US-Ölindustrie dürfte in die Bresche springen und die Lücke schließen, die durch den Opec-Beschluss von Donnerstag entsteht.

Gibt es besondere Preis-Marken?

Ja. Umkämpft ist fast jede runde Marke - auch aus psychologischen Gründen. Doch in der Vergangenheit waren stets zwei Preis-Marken wichtig: die 30-Dollar-Marke und die 50-Dollar-Marke. Die erstere wurde Anfang 2016 erstmals seit 2003 wieder unterschritten, was letztlich die Opec auf den Plan rief. Nachdem das Kartell im November erstmals wieder eine Förderkürzung beschloss, kletterte der Preis wieder über 50 Dollar und hat sich seither mehr oder weniger darüber behauptet.

Welche Rolle spielen die US-Ölkonzerne

Die USA machen bei der Förderkürzung nicht mit - dürften sie aus rechtlichen Gründe vermutlich auch gar nicht. In den USA ist die Ölindustrie zudem nicht staatlich organisiert wie in vielen anderen Förderländern. Von Texas bis in die Dakotas feiert das Fracking seit Mitte 2016 ein Comeback. Die US-Ölindustrie pumpt derzeit wieder so viel Öl an die Oberfläche, wie vor einigen Jahren, als die Ölschwemme erstmals die Preise ins Rutschen brachte.

Ist Fracking nicht ein sehr kostspieliges Verfahren?

Ja und nein. Denn während des Preisverfalls der vergangenen beiden Jahre hat die Branche nicht geschlafen. In Texas und anderen US-Regionen sind die Förderkosten inzwischen teilweise so niedrig wie in Nahost. Der technische Fortschritt macht Fracking wieder profitabel. Machten US-Firmen vor einigen Jahren erst ab einem Ölpreis von 60 Dollar Profit, reichen ihnen inzwischen schon 30 Dollar.

Was macht die Opec denn jetzt?

Bis März 2018 kürzt die Opec die Produktion um 1,8 Millionen Barrel täglich. Am 30. November kommen die Mitglieder erneut in Wien zusammen, um die Lage zu beraten. Außerdem wollen sie enger mit den Nicht-Opec-Partnern – sprich Russland – zusammenarbeiten. Saudi-Arabien will zudem seine Exporte in die USA verringern. Doch das ist nicht ohne Risko: Die Opec-Länder und Russland drohen Marktanteile an die US-Ölkonzerne zu verlieren.

Wer sind die größten Ölförderer der Welt?

Die Opec steht für rund ein Drittel des weltweiten Rohöl-Angebots. Neben dem Kartell-Mitglied Saudi-Arabien sind Russland und die USA mit großem Abstand und einer Förderung von je etwa neun bis zehn Millionen Fässern Öl am Tag die größten Ölproduzenten der Welt.

Welche Folgen hätte ein neuerlicher Ölpreisverfall für die Weltwirtschaft?

Wenn der wichtigste Schmierstoff für die Produktion nicht viel kostet, ist das generell gut für die Konjunktur und den Geldbeutel des Verbrauchers, der beim Benzin spart. Aber es gibt auch Kehrseiten - beispielsweise für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn sie kämpft seit Jahren gegen eine zu geringe Inflation, was auf Dauer für die Konjunktur schädlich ist. Erwarten Verbraucher und Firmen fallende Preise, halten sie sich mit Käufen und Investitionen zurück. Der niedrige Ölpreis dämpft zudem in einigen Förderländern die wirtschaftliche Dynamik. Vielerorts werden Investitionen zurückgestellt.

Die Märkte schienen aber doch etwas enttäuscht, begründete Jan Edelmann, Analyst bei der HSH Nordbank, die Kursverluste. Einige hätten offenbar noch mit etwas mehr gerechnet. Die Opec-Vertreter zeigten sich jedoch zufrieden mit dem Ergebnis. „Neun Monate sind das Optimum“, sagte Saudi-Arabiens Energieminister Khalid Al-Falih. Ziel der Maßnahme ist es, den Ölpreis zumindest zu stabilisieren.

Bereits am Donnerstag waren die Preise deutlich eingebrochen. Der Preis der Nordsee-Ölsorte Brent fiel um rund fünf Prozent auf 51,83 Dollar, das Fass WTI-Öl verbilligte sich entsprechend. Zu der Marktreaktion sagte der saudische Ölminister, dass er sich nicht um tagesaktuelle Entwicklung kümmere. Die beschlossene Kürzung um 1,8 Million Fass pro Tag entspricht rund zwei Prozent der weltweiten Ölförderung. Libyen und Nigeria sind von der Verlängerung des Förderlimits wie bereits beim erstmaligen Opec-Beschluss im November 2016 ausgenommen.

Opec-Treffen: Ölkartell und Russland drosseln Ölproduktion weiter

Opec-Treffen

Ölkartell und Russland drosseln Ölproduktion weiter

Das Ölkartell und weitere elf Nicht-Opec-Länder haben sich in Wien auf eine Verlängerung der Förderkürzung um weitere neun Monate geeinigt. Auch soll die Zusammenarbeit enger werden – Probleme gibt es genug.

Die Verlängerung des Förderlimits um neun Monate richtet sich insbesondere gegen die amerikanischen Schieferölproduzenten. Nach Meinung von Experten hat die Opec die Marktmacht des nordamerikanischen Schieferöls unterschätzt. „Die amerikanische Schieferölproduktion zeigt sich noch preisflexibler als erwartet“, bilanziert Analyst Axel Herlinghaus von der DZ Bank. Er sieht die Fortsetzung der Förderkürzung nicht als Beweis der Macht der Opec, sondern als „Zeichen der Geschlossenheit“.

Die Zusammenarbeit zwischen der Opec und elf Nicht-Opec-Ländern soll in Zukunft institutionalisiert werden, kündigte Al-Falih am Donnerstagabend in Wien an. Genauere Angaben machte er aber nicht.

Die größten Erdölproduzenten (2016)

Opec als größter Rohölproduzent

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) stellt mehr als ein Drittel des weltweit produzierten Rohöls bereit. Ihre 14 Mitgliedsstaaten sitzen auf mehr als 70 Prozent aller Ölreserven.

Quelle: dpa

Opec II

Laut einer Analyse des Energiekonzerns BP produzierte die Opec 2014 knapp 37 Millionen Barrel Öl und verwandte Produkte am Tag. Weltweit wurden 89 Millionen Barrel am Tag produziert. Die Größten Ölproduzenten im Überblick:

USA

12 Millionen Barrel

Saudi-Arabien

Zwölf Millionen Barrel

Russland

Elf Millionen Barrel

China

Vier Millionen Barrel

Kanada

Vier Millionen Barrel

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