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29.08.2013

10:01 Uhr

Nach Preisanstieg

Ölpreise sinken leicht

Nach dem Höhenflug vom Vortag erholt sich der Ölpreis wieder leicht. Grund für den Verkaufsdruck sei ein Anstieg der Ölreserven in den USA. Händler warten die weitere Entwicklung im Konflikt mit Syrien ab.

Ölpumpen stehen im Sonnenuntergang auf einem Ölfeld bei Los Angeles. dpa

Ölpumpen stehen im Sonnenuntergang auf einem Ölfeld bei Los Angeles.

SingapurDie Ölpreise sind am Donnerstag wieder etwas gesunken. Händler nannten einen Anstieg der Ölreserven in den USA als Grund für den Verkaufsdruck. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete am Morgen 115,81 US-Dollar. Das waren 80 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel um 72 Cent auf 109,38 Dollar.

Am Vortag hatte die Sorge vor einer Eskalation des Syrien-Konflikts den US-Ölpreis noch auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren steigen lassen. Die Frage eines Militärschlags sei weiter das beherrschende Thema am Ölmarkt, sagten Händler. Dennoch hätten Anleger nach einen deutlichen Anstieg der Ölreserven in den USA einen Teil der Gewinne mitgenommen. Laut US-Regierung waren die Ölreserven in der vergangenen Woche um 3,0 Millionen auf 362 Millionen Barrel geklettert.

„Die Händler holen erst einmal Luft“, sagte der Analyst Kenny Kan. Sanjeev Gupta, bei Ernst & Young zuständig für die Abteilung Gas und Öl im Asien-Pazifik-Raum, erklärte, die Kurse würden weiter schwanken, bis etwas mehr Klarheit über die Auswirkungen eines möglichen Angriffs der westlichen Länder auf Syrien herrsche.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Die jüngsten Signale der USA und Großbritanniens deuten darauf hin, dass ein westlicher Militärschlag gegen Syrien nicht unmittelbar bevor steht. US-Präsident Barack Obama sagte dem Sender PBS am Mittwoch, er habe „noch keine Entscheidung“ über eine Reaktion der USA auf die mutmaßlichen Giftgasanschläge in Syrien getroffen, für die er allerdings die syrische Führung klar verantwortlich machte. London will zunächst die Ergebnisse der UN-Chemiewaffenexperten abwarten. Der UN-Sicherheitsrat müsse zunächst die Möglichkeit erhalten, über den Bericht zu beraten, hieß es in einer Beschlussvorlage des Kabinetts für das Unterhaus.

Ein Militäreinsatz in Syrien könnte die Ölförderung in Nahost und den Transport des Rohstoffs stören. In der Region werden 35 Prozent des weltweit produzierten Öls gefördert. Analysten sehen besonders Pipelines durch Angriffe gefährdet. Syrien selbst ist kein wichtiger Ölproduzent.

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