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08.03.2013

16:27 Uhr

Nach US-Jobdaten

Euro und Gold rutschen ab

Anleger am Devisenmarkt honorieren die überraschend guten Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt. Das lässt den Dollar steigen und Euro sowie Gold fallen. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Notenbank ihr Anleihekaufprogramm früher als erwartet zurückfährt.

Eine Zwei-Euro-Münze vor auf einer Euro-Flagge. dpa

Eine Zwei-Euro-Münze vor auf einer Euro-Flagge.

FrankfurtDer Dollar profitiert von guten Daten vom US-Arbeitsmarkt. Der Dollar-Index, der zu einem Korb von sechs anderen wichtigen Währungen berechnet wird, kletterte auf den höchsten Stand seit Mitte August. Im Gegenzug sackte der Euro deutlich unter die Marke von 1,30 Dollar und notierte bei 1,2955 Dollar nach 1,3107 Dollar am Vorabend in New York. Damit war die Gemeinschaftswährung so billig wie seit Mitte Dezember nicht mehr.

Zur japanischen Währung legte der Dollar auf bis zu 96,54 Yen zu und markierte damit ein neues Dreieinhalb-Jahres-Hoch. "Der Fortschritt am Arbeitsmarkt ist unmissverständlich", sagte Marktstratege Joseph Trevisani von World Wide Markets. "Die Rally am Aktienmarkt wird durch die Jobdaten unterstützt und auch der Dollar sollte Rückhalt durch die guten Zahlen finden."

Die US-Wirtschaft hat im Februar weit mehr Stellen geschaffen als erwartet. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 236.000, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit 160.000 gerechnet. Allerdings wurde der Vormonatswert auf 119.000 von 157.000 nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote fiel um 0,2 auf 7,7 Prozent.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

„Der sehr gut ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht hat den Dollar gestützt“, sagte Ulrich Leuchtmann, Devisenexperte bei der Commerzbank. In den USA wurden im Februar deutlich mehr Stellen geschaffen als erwartet. Zudem sank die Arbeitslosenquote auf den niedrigsten Stand seit Ende 2008. „Die Wahrscheinlichkeit ist gestiegen, dass die US-Notenbank ihr Anleihekaufprogramm früher als bisher erwartet zurückfahren wird“, sagte Leuchtmann. Eine nicht mehr ganz so expansive Geldpolitik würde den Dollar stützen.
Eine weitere Verbesserung der Konjunkturdaten - besonders aber der Arbeitsmarktdaten - könnte Leuchtmann zufolge bis zum Jahresende zu einem Ende der Anleihekäufe führen. Zuletzt hatten bereits einige Mitglieder der Fed vor den Risiken der Anleihekaufprogramms gewarnt. „Im weiteren Jahresverlauf dürfte der Euro angesichts der stärkeren Wirtschaftsentwicklung in den USA tendenziell unter Druck bleiben“, erwartet Leuchtmann.

Der Goldpreis hat nach der Vorlage der Jobdaten weiter nachgegeben. Die Feinunze des Edelmetalls verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 1565 Dollar. Anleger setzten darauf, dass sich die US-Wirtschaft schneller erholt als bisher gedacht. Das als Risikoschutz geltende Gold war deshalb weniger gefragt und Investoren gingen lieber in den Aktienmarkt.

Der Preis für Brent-Öl blieb unter Druck. Das Fass der am Markt richtungsweisenden Nordsee-Sorte verbilligte sich um 0,9 Prozent auf 110,12 Dollar. Der Preis für US-Leichtöl erholte sich nach Vorlage der Daten dagegen etwas und notierte noch 0,3 Prozent niedriger bei 91,26 Dollar je Barrel.
Als Grund für den fallenden Ölpreis nannten Händler, dass die Förderung in der Nordsee und in den Opec-Staaten höher als erwartet sei. Zudem würden immer mehr Anleger ihr Geld lieber in Aktien als in Rohstoffe stecken. Auch der stärkere Dollar drückte den Ölpreis, weil die in der US-Währung berechneten Rohstoffe für Anleger außerhalb des Dollar-Raumes teurer werden.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

08.03.2013, 15:30 Uhr

...wieviele echte (Stichwort: Net Birth/Death Model) Stellen von den 236.000 neuen Jobs geschaffen wurden, wird sich noch zeigen ! Ich vermute mal, mehr oder weniger heiße Luft

Cerumen

08.03.2013, 15:55 Uhr

Ist doch super das Gold wieder billiger wird, dann kann ich mal wieder paar Unzen günsig nachkaufen. Danke Obama

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