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05.03.2013

17:24 Uhr

Nach US-Konjunkturdaten

Euro kann sein Plus nicht halten

Nachdem die Gemeinschaftswährung zum Vormittag noch gestiegen war, konnte sie ihr Plus nicht halten. Konjunkturdaten aus den USA haben den Kurs belastet. Am späten Nachmittag lag der Euro bei 1,3010 US-Dollar.

Eine Zwei-Euro-Münze vor auf einer Euro-Flagge. dpa

Eine Zwei-Euro-Münze vor auf einer Euro-Flagge.

Frankfurt/SydneyDer Euro ist am Dienstag nach robusten Konjunkturdaten aus den USA gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,3010 US-Dollar gehandelt. Im Vormittagshandel war der Euro noch bis auf 1,3075 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3034 (Montag: 1,3007) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7672 (0,7688) Euro.

„Besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus den USA haben den Eurokurs im Nachmittagshandel belastet“, sagte Ralf Umlauf Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Lage im Dienstleistungssektor der USA hatte sich im Februar überraschend verbessert. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex war auf den höchsten Stand seit einem Jahr gestiegen.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

„Die Kursbewegungen signalisieren zunehmend eine Normalisierung der Reaktionsmuster am Devisenmarkt“, sagte Umlauf. Der Eurokurs profitiere angesichts der insgesamt gewachsenen Zuversicht nicht mehr grundsätzlich von guten Konjunkturdaten und einer freundlichen Stimmung an den Aktienmärkten. Es werde wieder stärker darauf geschaut, aus welchem Währungsraum die Daten kommen.

„Im Vormittagshandel hatte der Euro noch von den jüngsten Aussagen der Vizechefin der US-Notenbank, Janet Yellen, profitiert“, sagte Umlauf. Yellen hatte am Montag ihre Position bekräftigt, wonach der Nutzen zusätzlicher Anleihekäufe größer als deren Risiko sei. Die Hoffnung auf eine anhaltende Geldschwemme hatte den Dollar aber nur vorübergehend belastet.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85980 (0,86400) britische Pfund, 121,45 (121,67) japanische Yen und 1,2277 (1,2256) Schweizer Franken fest.

Das britische Pfund profitierte von einem Einkaufmanagerindex im Dienstleistungsbereich, der im Februar für Großbritannien besser ausgefallen war als erwartet. Das dämpfte die Erwartungen, dass die Bank of England bei ihrer Sitzung am Donnerstag weitere Stimuli beschließen wird. Gegenüber dem Euro legte die britische Währung 0,1 Prozent auf 86,05 Pence je Euro zu, zum Dollar gewann sie 0,3 Prozent und notierte zuletzt bei 1,5156 Dollar.

“Es ist eine vernünftige und rationale Reaktion auf die Dienstleistungsdaten, und ist richtig, dass Sterling einen guten Tag erlebt”, sagte Adam Cole, Leiter weltweite Devisenstrategie bei Royal Bank of Canada in London. “Es ist schon vorgekommen, dass diese Zahlen so wichtig waren, dass die Bank of England ihre Meinung im letzten Moment geändert hat. Wir erwarten, dass es keine weiteren Lockerungen in dieser Woche geben wird. Sterling scheint überverkauft.”

Der Schweizer Franken wurde in Relation zum Euro bei 1,2265 Franken je Euro knapp 0,1 Prozent leichter gehandelt. Gegenüber dem Dollar war die Schweizer Währung mit 94,02 Rappen je Dollar geringfügig im Plus.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

05.03.2013, 10:27 Uhr

...solche Leute nennen sich Investoren ? Sie brauchen die Sicherheit, dass die EZB im Notfall Staatsanleihen kauft ? Wäre nur Ottonormalbürger besser informiert, dann hätten wir endlich das "Game over", stattdessen zahlt er weiter brav seinen monatlichen Rieser- oder LV Beitrag.

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