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14.08.2014

13:54 Uhr

Nachfrage sinkt deutlich

Raus aus dem Gold

VonJörg Hackhausen

Ist der Goldrausch vorbei? Das Interesse am Edelmetall bricht ein, vor allem in Asien. Weltweit fällt die Nachfrage nach Münzen und Barren um mehr als 50 Prozent. Eine Überraschung ist das nicht – es gibt gute Gründe.

Getty Images

DüsseldorfDie weltweite Nachfrage nach Gold ist eingebrochen. In den vergangenen drei Monaten sank sie um 16 Prozent auf 964 Tonnen. Diese Zahl hat das World Gold Council am Donnerstag veröffentlicht. Sie bezieht sich auf alle gehandelten Produkte, von Schmuck bis hin zu Indexfonds im Vergleich zum Vorjahr (1148 Tonnen).

Noch deutlicher fiel der Rückgang aus, wenn man nur Goldbarren und -münzen betrachtet: Hier fielen die Investitionen sogar um 56 Prozent auf 275 Tonnen. Auch die Nachfrage nach Schmuck sank um 30 Prozent auf 510 Tonnen. Vor allem in China und Indien, den beiden größten Goldmärkten, wurde weniger Edelmetall gekauft.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 betrug 1079,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage nur um knapp 11 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 1089,9) gefallen.

Quelle: World Gold Council

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im ersten Quartal 2015 insgesamt 600,8 Tonnen und ist damit um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 620,2) gefallen.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 80,4 Tonnen und fiel, verglichen mit den 81,9 Tonnen im ersten Quartal 2014, um zwei Prozent.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen. Ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014 (Q1: 281,5).

EFTs und ähnliche Produkte

Die Nachfrage bei den Gold-EFTs betrug im ersten Quartal 2015 25,7 Tonnen. Im ersten Quartal des Vorjahres wurden noch Abflüsse in Höhe von 13,5 Tonnen verzeichnet.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im ersten Quartal 2015 119,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert damit nahezu gleich (Q1'14: 119,8).

Investment gesamt

Die Goldnachfrage im Investment belief sich im ersten Quartal 2015 auf 278,8 Tonnen. Das ist eine Steigerung von vier Prozent, im Vorjahresquartal waren es 268 Tonnen.

Die Zahlen lassen zwei verschiedene Lesarten zu: Dass die Menschen weniger Gold kaufen, könnte ganz einfach daran liegen, dass sie weniger Angst haben. Gold dient als Versicherung gegen Krisen aller Art, es ist eine Art Krisenwährung. In der Finanzkrise seit 2008 fürchteten viele Anleger einen Zusammenbruch des Finanzsystems und damit der Papierwährungen wie Dollar oder Euro. Inzwischen scheint sich diese Angst gelegt zu haben. Die Welt existiert weiter – und weniger Menschen halten es für nötig, Goldbarren in ihrem Keller zu lagern. Das allein reicht aber nicht als Erklärung.

Es gibt noch eine andere Sichtweise auf die nackten Zahlen; es ist die Sicht derjenigen, die noch immer von Gold überzeugt sind. Sie sehen in den Zahlen eine Rückkehr zur Normalität, nach einer außerordentlich wilden Zeit. „Investoren konnten sich von den Extremen erholen, die wir im vergangenen Jahr beobachten mussten. Insgesamt stabilisiert sich der Goldmarkt nach den ungewöhnlichen Verhältnissen von 2013“, sagt etwa Marcus Grubb, Geschäftsführer der Abteilung Investitionsstrategie des World Gold Council in London. Das Council ist die Lobbyorganisation der weltweiten Goldindustrie, also durchaus angetan von dem Edelmetall.

Kommentare (28)

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Herr Thomas Albers

14.08.2014, 14:15 Uhr

"Viele Analysten erwarten einen Rückgang in Richtung 1.000 Dollar."

Sehr guter Artikel. Wir hatten in den letzten Jahren eine Ausnahmesituation, die so hohe Kurse ermöglicht hat. Wenn man ein "Normalitätsszenario" voraussetzt und etwas Asset-Price-Inflation mit einfließen lässt, kommt man tatsächlich eher auf $1000 als auf $1400. "Normal" war vor Lehmann jedenfalls unter $1ooo.

Herr Dipl. Ing.

14.08.2014, 14:17 Uhr

Nicht zu vergessen die Vorteile bzgl. der Erbschaftssteuer, Schenkungssteuer sowie die für den (gierigen) Staat nicht nachvollziehbare Mobilität.
Natürlich nur physisch kaufen - kein Papiergold!

Herr Johnny Ringo

14.08.2014, 14:37 Uhr

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