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21.01.2010

11:33 Uhr

Nahrungsmittel

Agrarrohstoffe bleiben eine heiße Wette

VonRegine Palm

Während Zucker und Kakao auf mehrjährigen Höchstständen notieren, kommen Mais und Getreide nicht vom Fleck. Dank guter Wetterbedingungen sind die Preise dort nicht stark gestiegen. Sollten die Benzinpreise weiter steigen, könnte sich das jedoch ändern.

Guten Ernten haben die Preise für Getreide gebremst. Anders sieht es bei Zucker und Kakao aus - die Preise sind so hoch wie zuletzt vor 30 Jahren. ap

Guten Ernten haben die Preise für Getreide gebremst. Anders sieht es bei Zucker und Kakao aus - die Preise sind so hoch wie zuletzt vor 30 Jahren.

DÜSSELDORF. Die internationalen Agrarmärkte präsentieren sich zurzeit zweigeteilt. Zucker oder Kakao sind so teuer wie zuletzt vor rund 30 Jahren. Die Preise von Weizen oder Mais kommen dagegen noch nicht so recht voran.

Experten sehen nun gute Gründe für Preissteigerungen bei ausgewählten Rohstoffen. Allerdings gibt es solche Prognosen schon länger. Bereits 2009 waren für die meisten Agrarrohstoffe höhere Preise erwartet worden. Dies hat sich aber nur zum Teil erfüllt. So hat sich etwa der Getreidebereich dank guter Wetterbedingungen besser entwickelt als erwartet und so die Preise in Schach gehalten.

"Der langfristige Trend zu steigenden Preisen ist nur kurzfristig unterbrochen worden", sagt indes Manfred Wolter von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit Blick auf die Getreidemärkte.

Regionale Risiken bei Kakao

Da die Anbauflächen begrenzt sind, erwartet er wegen der weltweit steigenden Bevölkerung mit Sicht auf die nächsten 30 Jahre steigende Getreidepreise.

Die Gründe für die divergierende Entwicklung der landwirtschaftlichen Grundstoffe seien sehr unterschiedlich. Bei Weizen hätten zwei recht gute Erntejahre die Preise gebremst. Ganz anders sehe es etwa bei Kakao aus, wo es "große regionale Risiken" gebe, sagt Wolter: "Die Verspannungen auf der Angebotsseite schlagen sich im Preis nieder." Der Kakaomarkt wurde zuletzt immer wieder durch Produktionsprobleme an der Elfenbeinküste bewegt, dem mit Abstand größten Produzenten der braunen Bohnen.

Zu den Agrarrohstoffen, die sich 2009 mit einem Plus von über 80 Prozent stark verteuerten, zählt auch Zucker. Diesen Anstieg sieht allerdings Wolter mit einiger Skepsis, da es anders als bei Kakao einen breiten Anbaugürtel gebe. "Der Zuckerpreis kann mit einer neuen Ernte schnell wieder auf niedrigere Level zurückkommen", warnt der LBBW-Experte. "Zucker und Kakao werden das hohe Niveau erst einmal verteidigen", glaubt indes Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank mit Blick auf das erste Halbjahr. Bei Zucker blieben zunächst noch die Angebotssorgen bestimmend, die die Preise bereits 2009 nach oben getrieben haben.

Zucker könnte Mangelware werden

Die Zuckerpreise steigen wegen schlechter Ernten. Starke Regenfälle haben der brasilianischen Ernte geschadet. Indien, weltweit größter Konsument, muss voraussichtlich das zweite Jahr in Folge Zucker importieren. Zudem könnte China zum Importeur werden. Zucker könnte tatsächlich zur Mangelware werden.

Die Situation könnte sich noch zuspitzen, sollten einige Agrarrohstoffe wie Zucker oder Mais erneut stärker für die Ethanol-Erzeugung genutzt werden. Commerzbank-Experte Fritsch glaubt: "Die Ethanolherstellung wird angesichts der hohen Benzinpreise wieder attraktiv". Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, könnte es auch bei Mais knapp werden. "Wir sehen Mais als einen der attraktivsten Rohstoffe, weil ein Marktdefizit gekoppelt mit niedrigen Lagerbeständen eine sehr gute Ausgangsposition für Kursgewinne bietet", erklärt Sandra Bachofer, Portfoliomanagerin und Agrar-Expertin beim Rohstoffhaus Tiberius. Solche Gewinnchancen locken dann schnell Finanzinvestoren, was die Preissteigerungen zusätzlich überzeichnen kann.

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