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01.08.2017

16:12 Uhr

Neue Währung „Bitcoin Cash“

Heute kommt die Bitcoin-Spaltung

VonFelix Holtermann

Nach langer Debatte steht sie nun bevor: die Spaltung der wichtigsten Digitalwährung, des Bitcoins. Damit erreicht der Bürgerkrieg der Digitalwährungs-Anhänger seinen vorläufigen Höhepunkt. Was Anleger wissen müssen.

Rund 44 Milliarden Dollar sind in die größte Digitalwährung investiert. AFP

Bitcoin-Logo auf einer Messe

Rund 44 Milliarden Dollar sind in die größte Digitalwährung investiert.

DüsseldorfAm Dienstagmittag ist es so weit: Dann stellt die wichtigste deutsche Handelsplattform für digitale Währungen, Bitcoin.de, ihren Service für mindestens eine halbe Stunde ein. Schon ab 12 Uhr sind keine Ein- und Auszahlungen mehr möglich. In einer Erklärung im Internet begründet die Plattform das mit der „Anpassung der Systeme“ an die bevorstehende Aufspaltung des Bitcoins. Diese soll laut den Initiatoren ab 14.20 Uhr erfolgen: Es entsteht eine neue digitale Währung, Bitcoin Cash genannt.

Mit ihr kommt ein langer, undurchsichtiger Bürgerkrieg innerhalb der Gemeinde der Digitalwährungsanhänger zu einem vorläufigen Höhepunkt. Zwei Fronten stehen sich gegenüber: Die übergroße Mehrheit der Bitcoin-Anhänger hat sich Ende Juli auf eine Reform des Programmcodes (Segwit2x genannt) geeinigt. Diese soll das Grundproblem der Währung angehen: Der Bitcoin ist zu beliebt.

Immer mehr Nutzer handeln mit der Währung, was ein wachsendes Problem für die dahinterliegende Technik darstellt, die Blockchain. Die Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, die alle Transaktionen transparent und sicher speichert. Dem Nutzeransturm ist sie aber nicht mehr gewachsen. Da nur rund sieben Transaktionen pro Sekunde bearbeitet werden können, warten Nutzer aktuell teilweise Stunden auf eine Überweisung. Das macht den Bitcoin weniger wettbewerbsfähig gegenüber klassischen Zahlungsdiensten und anderen digitalen Währungen.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

Verbreitung

Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.

Vorteil 1

Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.

Vorteil 2

Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

Nachteil 1

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Nachteil 2

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Segwit2x soll das Problem nun durch effizientere Verarbeitung und eine Erhöhung der Transaktionsrate lösen. Dafür soll die Speicherkapazität eines Datenblocks der Blockchain – der Flaschenhals des ganzen Systems – in den kommenden drei Monaten von einem auf mindestens zwei Megabyte erhöht werden.

Einer kleinen Minderheit innerhalb der Bitcoin-Gemeinde um den chinesischen Bitcoin-Produzenten BitMain geht das nicht schnell genug. BitMain ist einer der sogenannten Miner, Betreiber großer Rechennetzwerke, die die Blockchain pflegen und dafür mit Bitcoins belohnt werden. Die Minderheit will am Dienstag ihre neue Währung, Bitcoin Cash, durch eine erzwungene Aufspaltung der Blockchain einführen. In Zukunft funktionieren die Währungen unabhängig.

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Die US-Derivateaufsicht hat erstmals eine Genehmigung für die Abwicklung von Finanzgeschäften mit virtuellen Währungen erteilt. Ein großer Schritt für Bitcoin und Co. – auch wenn es eine Bedingung gibt.

Bitcoin Cash hat einen zentralen Vorteil: Bereits jetzt soll die Blockgröße von einem auf acht Megabyte steigen. Damit wären 50 statt sieben Transaktionen pro Sekunde möglich, das Netzwerk zukunftssicher gemacht. Gleichzeitig hat die neue Währung aber einen großen Nachteil: Sie wird nur von einer kleinen Anhängerschaft unterstützt. Beobachter erwarten einen Kurs im niedrigen dreistellen Dollar-Bereich für ein Bitcoin Cash; es könnte aber auch sein, dass der Wert aufgrund der geringen Nutzerzahl ins Bodenlose sinkt.

Der klassische Bitcoin zeigt sich aktuell jedenfalls unbeeindruckt von der Aussicht auf Konkurrenz aus der eigenen Familie: Am Dienstagnachmittag notierte die Digitalwährung stabil bei rund 2.700 Dollar – nicht weit vom Allzeithoch entfernt. Zu Kursturbulenzen könnte es allerdings kommen, sollte die Abspaltung nicht reibungslos funktionieren oder die vereinbarte Code-Reform stocken.

Kommentare (1)

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Herr Helmut Metz

01.08.2017, 19:36 Uhr

Ist doch wunderbar: ein friedlicher (!!) marktwirtschaftlicher Wettstreit um das BESTE Privatgeld. Man kann jetzt mitspekulieren oder - wem das zu riskant ist - einfach abwarten, welche Kryptowährungen sich letztendlich durchsetzen werden.
Bei den Zentralbanken mit den staatlichen Monopolwährungen haben wir dagegen einen "Abwertungswettlauf": welche gibt die SCHLECHTESTE Währung heraus.
Friedrich August von Hayek (Gott hab ihn selig!!!) würde sich wie ein kleines Kind über diesen Wettbewerb freuen: als er sein visionäres Meisterwerk "Denationalisation of Money" ("Entnationalisierung des Geldes") schrieb, konnte er nämlich noch nichts von der revolutionären Blockchain-Technologie ahnen...

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