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01.10.2012

13:42 Uhr

Neue Weltordnung

Wie China den Dollar knacken will

VonJörg Hackhausen

In Europa tobt die Schuldenkrise, doch viel bedeutender ist, was sich im Fernen Osten tut. China will den Yuan zur Weltwährung aufbauen und die Vorherrschaft des Dollars brechen. Peking folgt dabei einem strengen Plan.

Mao Tse-Tung gegen George Washington: China kratzt an der Dominanz des Dollars. ap

Mao Tse-Tung gegen George Washington: China kratzt an der Dominanz des Dollars.

KölnDie Welt ist abhängig vom US-Dollar - und damit von der Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Doch das muss nicht so bleiben. Der Aufstieg Chinas verändert auch die Kräfteverhältnisse an den internationalen Finanzmärkten. Neben dem Dollar und dem Euro könnte der chinesische Yuan zu einer Weltwährung aufsteigen. Die Frage ist nur: wann?

„Es kann zehn oder 20 Jahre dauern. Aber die Internationalisierung wird passieren“, sagte Jiang Shixue von der Chinese Academy of Social Sciences (CASS) auf dem China-Finanzmarktforum in Köln. Der Thinktank ist die höchste Forschungseinrichtung Chinas für diese Fachrichtung, der chinesische Wissenschaftler gilt als enger Berater der Regierung in Peking. In Köln diskutierte Jiang Shixue mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik. Thema der Veranstaltung: „Der Yuan, die neue Weltwährung? Wie China die Finanzwelt verändert.“

Fakten zu den Weltwährungen

Noch dominiert der Dollar

Der Dollar hat derzeit noch den größten Anteil an den internationalen Währungsreserven (61,4 Prozent). Darauf folgt der Euro mit 27,0 Prozent Anteilen. Das Pfund besitzt 4,1 Prozent Anteile an den internationalen Währungsreserven, der Yen 3,6 Prozent und 3,9 Prozent teilen sich sonstige Währungen.

Devisentransaktionen

85 Prozent aller Devisentransaktionen entfielen 2010 auf den Dollar. Damit hat die US-Währung an Bedeutung verloren - vor zehn Jahren war der Dollar an 90 Prozent aller Transaktionen beteiligt. Auf den Euro entfielen 2010 39 Prozent aller Transaktionen, der Yen kam auf 19 Prozent, das Britische Pfund auf 13 Prozent.

(Anmerkung.: die Zahlen summieren sich auf 200 Prozent, da bei jeder Transaktion zwei Währungen beteiligt sind, Quelle: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich)

Schuldenberge

Die Staatsschulden Chinas betragen seit fünf Jahren kontinuierlich um die 20 Prozent des BIP. Die Schulden Europas und der USA steigen hingegen an. 2010 lagen sie zwischen 80 und 90 Prozent des BIP.

Schuldenabbau durch Inflation

52.000 Milliarden Dollar beträgt die Gesamtverschuldung von Unternehmen, Staat und Bürgern der USA, das entspricht rund 355 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ökonomen vermuten, Amerika werde die Staatsschulden durch Inflation abschmelzen. Die Folge wäre ein Dollar-Crash.

Die Stärke des Yuan lässt sich am Wechselkurs nur bedingt ablesen. Zwar erreichte Chinas Währung am vergangenen Freitag zum Dollar den höchsten Stand seit Anfang der 1990er-Jahre. Damals hatte China den offiziellen Wechselkurs und den Kurs, der am Markt bezahlt wurde, zusammengelegt. Seitdem wacht Peking streng darüber, dass Chinas Währung nicht zu stark aufwertet. Ein starker Yuan würde der chinesischen Exportwirtschaft schaden.

Seit Jahren werfen die USA den Chinesen vor, ihre Währung künstlich niedrig zu halten, um sich so einen Wettbewerbsvorteil zu erschleichen. Umgekehrt beklagt China, dass Amerika das Privileg der Weltreservewährung schamlos ausnutzt. Durch die Vormachtstellung des Dollars seien die USA in der Lage, die Währung zu manipulieren und gleichzeitig dem Rest der Welt die Zinsen zu diktieren, erklärte Jiang Shixue.

China und Deutschland im Zahlenvergleich

Fläche in Quadratkilometern (gerundet)

China: 9.600.000
Deutschland: 357.000

Bewaldete Fläche

China: 22 Prozent
Deutschland: 32 Prozent
(Angaben von 2010)

Landwirtschaftlich genutzte Fläche

China: 56 Prozent
Deutschland: 48 Prozent
(Angaben von 2009)

Einwohner

China: 1.347.000.000
Deutschland: 82.000.000
(Angaben von 2011, Zahlen gerundet)

Lebenserwartung von Frauen

China: 75 Jahre
Deutschland: 83 Jahre
(Angaben von 2009)

Lebenserwartung von Männern

China: 72 Jahre
Deutschland: 77 Jahre
(Angaben von 2009)

Breitband-Internetanschlüsse je 100 Einwohner

China: 8
Deutschland: 31
(Angaben von 2009)

Personenwagen je 1000 Einwohner

China: 27
Deutschland: 502
(Angaben von 2008)

CO2-Emission pro Kopf in Tonnen

China: 5
Deutschland: 10
(Angaben von 2008)

Quellen: Weltbank, CIA, Statistisches Bundesamt, Deutsche Botschaft in Peking, Auswärtiges Amt

Noch dominiert der Dollar die Welt. Der größte Teil des Handels und fast der gesamte Handel mit Rohstoffen wird nach wie vor in der amerikanischen Währung abgerechnet. Zudem parken die meisten Staaten ihre Devisenreserven in US-Staatsanleihen, also in Dollar. Sie können gar nicht anders, denn eine Alternative ist nicht in Sicht. Der Euro konnte in seinen frühen Jahren zwar „Marktanteile“ gewinnen. Aber die Schuldenkrise hat das Vertrauen in Europas Währung schwer erschüttert. Die internationalen Investoren setzen wieder stärker auf den Dollar. Die USA sind und bleiben der größte und liquideste Anleihemarkt der Welt.

Kommentare (36)

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JanL

01.10.2012, 12:47 Uhr

So lange China kein Rechtsstaat ist mit halbwegs funktionierender demokratischer Grundlage und Check und Balance wird es vielleicht im Handelsvolumen den Dollar schlagen können, aber nicht in der Achtung als Weltwährung, das gleiche gilt auch für den Euro als manifestierte Währung eines wirklich zumindest wirtschaftlich einigen Europas.

EinerDerDenkt

01.10.2012, 13:35 Uhr

Jenes Land das seine Währung an Gold bindet wird die Weltwährung liefern. Über die Goldbindung erübrigt sich auch das Thema Weltwährung bzw. zweitwichtigste, etc. Die Goldbindung (die kommen muss) relativiert alles.

huibuh

01.10.2012, 13:49 Uhr

Es gibt den fundamentalen Effekt das eine Leitwährung auf Dauer abwerten muß. Kann man sich bem $ ansehen, wenn China das will bitte gern. China ist auf dem Weg zu einer reifen Volkswirtschaft. Das bedeutet, es wird eine Art Sozialversicherung geben, es muß für Chinesen eine rentable Anlagemöglichkeit außerhalb des Immobiliensektors geben müssen.
Das wird die Kosten in China nach oben treiben und damit die Konkurrenzfähigkeit limitieren.
Also Ruhe bewahren!

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