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29.06.2017

15:34 Uhr

Neues Zwölf-Monats-Hoch

Der wundersame Euro-Höhenflug

VonAndreas Neuhaus

Am zweiten Tag in Folge stellt der Euro ein Zwölfmonatshoch auf und legt im Vergleich zum US-Dollar mehr als zwei Cent seit Wochenbeginn zu. Auslöser ist eine Rede von EZB-Chef Draghi – und dann auch wieder nicht.

Börse Stuttgart

Dem Euro geht's besser – und Konsumenten haben gute Laune

Börse Stuttgart: Dem Euro geht's besser – und Konsumenten haben gute Laune

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DüsseldorfDer Euro befindet sich auf Höhenflug. Die Gemeinschaftswährung lag zum Jahreswechsel noch bei 1,04 Dollar und notierte am Donnerstag bei bis zu 1,1431 US-Dollar – ein Plus von zehn Cent. Bereits den zweiten Tag in Folge erzielt die Währung ein Jahreshoch. Aber was ist der Grund? Alles dreht sich um eine Rede von Mario Draghi – und die Frage, wer über die Worte des Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB) die Deutungshoheit hat.

„Wörter sind die Quelle von Missverständnissen“, sagte einst der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry. Am Dienstag trat Mario Draghi vor die Presse. Ein Euro hatte da noch den Gegenwert von 1,12 US-Dollar. Dann sagte Draghi auf der EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra bezogen auf die politische und wirtschaftliche Lage im Euro-Raum: „Alle Zeichen deuten nun auf eine Festigung und Verbreiterung der Erholung in der Euro-Zone hin.“

Zwar sei die Inflationsentwicklung schwächer, als man im historischen Vergleich erwarten würde, das liege aber an temporären Faktoren. Und durch die, so Draghi weiter, könne eine Zentralbank „typischerweise hindurchschauen“. Für viele Anleger war damit klar: Der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik steht bevor, Draghi könnte vielleicht schon im September eine Drosselung der Anleihekäufe ankündigen. Aktuell pumpt die EZB monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte, hinzu kommt die historisch einmalige Nullzinspolitik.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Draghis Rede sorgte an den Märkten für Auftrieb: Binnen Minuten schnellte der Euro in die Höhe, knackte zunächst die Marke von 1,12 US-Dollar und legte innerhalb der nächsten 24 Stunden um weitere zwei US-Cent zu. Auch die Kapitalmarktzinsen stiegen.

Der Euro auf dem stärksten Stand seit zwölf Monaten – das schmeckt nicht allen Beteiligten. „Für Deutschland als Exportnation ist eine starke Währung ein Nachteil“ sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Ein starker Euro belastet den Export, weil er Ausfuhren teurer macht. Das drückt auch die Aktien von Unternehmen, die einen Großteil ihrer Waren im Ausland absetzen. Wirtschaftlich strauchelnde Länder wie Spanien, Italien, Portugal und Griechenland trifft es sogar noch stärker. Steigt der Euro gegenüber dem Dollar zu stark an, verschlechtert sich deren Wettbewerbsfähigkeit weiter.

Kommentare (8)

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Herr Eugen Schmidt

29.06.2017, 15:48 Uhr

Ein zu starker Euro bei 1,14? Hat denn die allgemeine Demenz schon so stark zugeschlagen? Wir waren doch mal bei über 1,40 und die Exporte sind nicht eingebrochen. Deutschland hat bei der DM immer aufgewertet und das war gut so. Hielt den Dampf im Kessel.
Erinnert sich noch jemand an die Voraussage, dass ein niedriger Euro für Deutschland langfristig schädlich sein wird, weil er den Druck auf Forschung und Entwicklung vermindert? Werden wir nicht weltweg angeklagt weil wir mit unseren Exportüberschüssen schuld sein sollen an den Problemen der anderen?
Was gut ist für Greichenland, muss eben nicht gut sein für Deutschland. Wer das noch immer nicht verstanden hat, der glaubt auch heute noch an den Euro und den genialen Herrn Draghi.

Herr Helmut Metz

29.06.2017, 16:18 Uhr

1) Offenbar werden USD verstärkt abverkauft weltweit
2. Der NEUE Currency Carry Trade gerät gewaltig unter Druck:
"Currency Carry Trade (auch CCT) ist eine Spekulationsstrategie, bei der ein Spekulant einen Kredit in einer Währung mit vergleichsweise niedrigem Zinsniveau aufnimmt, um davon Zinspapiere zu kaufen, die in einer anderen Währung mit höherem Zinsniveau notiert sind. Er hofft dabei, dass durch die höheren Zinseinkünfte nach Rückzahlung des Kredits noch ein Gewinn verbleibt. Die Risiken bei dieser Spekulation bestehen in Wechselkursschwankungen und in Zinsänderungen."
https://de.wikipedia.org/wiki/Currency_Carry_Trade
- Kredit wird in EUR aufgenommen, gekauft werden Assets in USD
- steigt nun jedoch der EUR massiv gegen den USD, können gewaltige Verluste auftreten
3) Aktienmärkte sind unter Verkaufsdruck
4) Die Bond-Yields steigen auf breiter Front (insbesondere die der EUR-Zone):
https://www.investing.com/rates-bonds/world-government-bonds

-> Das ist nichts anderes als ein anlaufender Deflationsschock.

Herr Eugen Schmidt

29.06.2017, 16:29 Uhr

Herr Metz - Um zu verstehen, dass dieses Spiel gefährlich in die Hosen gehen kann, das kann man sich ja mit einem Taschenrechner ausrechnen.
Wie kommt es, dass die Regierungen hier nichts unternehmen? Naiv, klar, aber in 10 Jahren müsste denen doch mal etwas einfallen.

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