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19.04.2006

21:42 Uhr

New Yorker Rohstoffbörse

Ölpreis schließt mit neuer Rekordmarke

Der Ölpreis hat am Mittwoch in New York mit einem neuen Rekord von über 72 Dollar geschlossen. An der Rohstoffbörse sprengte der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Light Sweet Crude nach Schwankungen im Handelsverlauf die 72-Dollar-Marke.

HB WASHINGTON/HAMBURG. Es war der dritte Tag in Folge, an dem ein neuer Rekord gemeldet wurde. Am Dienstag war der Preis angesichts der politischen Spannungen wegen des iranischen Atomprogramms und der anhaltenden Gewalt in Nigeria zum Börsenschluss auf 71,35 Dollar pro Barrel gestiegen.

In Deutschland lag der Preis für einen Liter Superbenzin am Mittwochvormittag etwa bei 1,33 Euro, Diesel kostete 1,13 Euro pro Liter, wie mehrere Ölkonzerne mitteilten. Vor Ostern hatte der Preis etwa drei Cent höher gelegen. Ein Shell-Sprecher erklärte, der Preis sei „gerade noch auskömmlich“.

Unterdessen gehen die Bewertungen der Folgen des hohen Ölpreises für die Konjunktur in Deutschland weit auseinander: So glaubt der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, nicht an negative Folgen für die Konjunktur. „Unsere auf Export ausgerichtete Wirtschaft kann diese Preise wegstecken“, sagte Hüther.

Nach Ansicht der Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, können die Rohölpreise weiter drastisch steigen. Sie hält zudem Benzinpreise von 1,50 Euro und mehr pro Liter für möglich. „Falls der Iran als Lieferland ausfällt, dann sind wir ganz schnell bei Preisen für Öl über 100 Dollar“, sagte Kemfert. „Dann explodiert der Preis, dann haben wir eine handfeste Energiekrise“, prophezeit die Energieexpertin.

Negative Auswirkungen für das Konsumklima befürchtet auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): „Je höher die Preise steigen, umso mehr werden die Verbraucher gezwungen, auf andere Käufe verzichten zu müssen“, sagte BDI-Volkswirt Reinhard Kudiß. Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard sieht dagegen keine Gefahr für die deutsche Konjunktur im Ölpreis. „Es gibt keinen Grund zur Panik“, sagte der Konjunkturexperte. Der Sachverständigenrat habe in seiner Konjunkturprognose im Jahresdurchschnitt einen Ölpreis von etwas über 60 Dollar unterstellt. „Insofern gibt die aktuelle Ölpreisentwicklung keinen Grund zur Revision der Prognose“, wurde Wiegard zitiert.

Solange die Ölpreise nicht dauerhaft stark anstiegen, blieben die Auswirkungen auf die Konjunktur begrenzt. „Etwas anders sähe es bei einem dauerhaften Anstieg der Rohölpreise auf 70 bis 80 US-Dollar aus“, sagte der Wirtschaftsweise. „Aber selbst dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Weltwirtschaft angesichts eines Anstiegs der Rohölpreise in den vergangenen beiden Jahren um 50 Prozent erstaunlich robust gezeigt hat.“

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