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20.05.2011

10:00 Uhr

Niedergang des Dollars

Weltwährung im Reißwolf

VonJörg Hackhausen

Die Welt war lange Zeit vom US-Dollar abhängig – und damit von der Geldpolitik der US-Notenbank. Das wird sich ändern. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis der Dollar seine dominierende Rolle in der Welt verliert .

Yuan und Euro gewinnen gegenüber dem Dollar an Bedeutung. Quelle: dpa

Yuan und Euro gewinnen gegenüber dem Dollar an Bedeutung.

FrankfurtDer Dollar ist die Leitwährung der Welt. Die US-Währung wird in beinahe jedem Winkel der Erde als Zahlungsmittel akzeptiert. Die Zentralbanken sitzen auf riesigen Dollar-Reserven. Rohstoffe werden in der US-Währung abgerechnet. Doch wie lange bleibt das noch so?

Der Nimbus des Dollars bröckelt. Seine Rolle als weltweite Reservewährung habe seit den späten 90er Jahren stetig abgenommen, heißt es in einer aktuellen Studie der Weltbank. Bis zum Jahr 2025 dürfte sich das globale Währungsgefüge noch stärker verändert haben. Es gebe dann wahrscheinlich nicht länger eine einzige Leitwährung, sondern mehrere Weltwährungen, meinen die Ökonomen der Weltbank.

Für den Niedergang auf Raten gibt es handfeste Gründe: Schulden und niedrige Zinsen lasten auf der Leitwährung. Die US-Wirtschaft ist schwer angeschlagen. Die Finanzkrise kommt die Amerikaner teuer zu stehen. Das ohnehin riesige Haushaltsdefizit wächst immer weiter. Amerika ist eine Supermacht der Schulden: Nach offiziellen Angaben ist der Schuldenberg bereits auf 14,3 Billionen Dollar (rund 10,1 Billionen Euro) angewachsen. An den Märkten machen Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA die Runde. Die Ratingagentur S&P hat angedroht, die Top-Bonitätsnote zu entziehen. Sollten die USA ihre Schulden tatsächlich nicht mehr bedienen können, drohten „katastrophale wirtschaftliche Konsequenzen“, sagt sogar US-Finanzminister Timothy Geithner.

Fakten zu den Weltwährungen

Noch dominiert der Dollar

Der Dollar hat derzeit noch den größten Anteil an den internationalen Währungsreserven (61,4 Prozent). Darauf folgt der Euro mit 27,0 Prozent Anteilen. Das Pfund besitzt 4,1 Prozent Anteile an den internationalen Währungsreserven, der Yen 3,6 Prozent und 3,9 Prozent teilen sich sonstige Währungen.

Devisentransaktionen

85 Prozent aller Devisentransaktionen entfielen 2010 auf den Dollar. Damit hat die US-Währung an Bedeutung verloren - vor zehn Jahren war der Dollar an 90 Prozent aller Transaktionen beteiligt. Auf den Euro entfielen 2010 39 Prozent aller Transaktionen, der Yen kam auf 19 Prozent, das Britische Pfund auf 13 Prozent.

(Anmerkung.: die Zahlen summieren sich auf 200 Prozent, da bei jeder Transaktion zwei Währungen beteiligt sind, Quelle: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich)

Schuldenberge

Die Staatsschulden Chinas betragen seit fünf Jahren kontinuierlich um die 20 Prozent des BIP. Die Schulden Europas und der USA steigen hingegen an. 2010 lagen sie zwischen 80 und 90 Prozent des BIP.

Schuldenabbau durch Inflation

52.000 Milliarden Dollar beträgt die Gesamtverschuldung von Unternehmen, Staat und Bürgern der USA, das entspricht rund 355 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ökonomen vermuten, Amerika werde die Staatsschulden durch Inflation abschmelzen. Die Folge wäre ein Dollar-Crash.

In den letzten zehn Jahren hat der Dollar gegenüber fast allen wichtigen Währungen der Welt an Wert verloren. Allein in diesem Jahr hat die US-Währung gegen den Euro 6,3 Prozent, gegen den Schweizer Franken 6 Prozent, gegen den brasilianischen Real 3,2 Prozent und gegen den russischen Rubel sogar neun Prozent verloren. Die Schwäche des Dollars ist für den Rest der Welt ein Problem.

Kommentare (4)

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Ondoron

20.05.2011, 12:26 Uhr

Richtig ist in der Analyse vor allem der Hinweis, dass alle (westlichen) Währungen krank sind. Durch die extremen Staatsverschuldungen, die von Politikern zu verantworten sind. Jeder sollte sich mal fragen: Was bedeutet das für die Zukunft? Na, fällt der Groschen langsam (den €-Cent ignoriere ich schon...)? Da ist dann jeder für sich selbst verantwortlich.
Und ein jeder sollte bedenken: Das HB ist ein Blatt des Mainstreams. Wenn hier schon solche Gedanken publiziert werden, dann ist die Kacke nun wirklich am Dampfen. Wer davor die Augen schließt (oder die Nasenflügel), darf weiter ein bisschen an der Börse zocken, DSDS schauen und ansonsten meinen, eine hedonistische Lebenseinstellung reiche aus.
Wunder gibt es immer wieder. Aber ich glaube eher, es werden sich bald so einige wundern!

Wafthrudnir

20.05.2011, 20:17 Uhr

39 Prozent aller Devisentransaktionen entfielen im vergangenen Jahr auf den Euro, halb so viel wie auf den Dollar???
Verstehe nur ich diese Rechnung nicht?

Account gelöscht!

19.06.2011, 09:36 Uhr

Lenin nannte das internationale Weltwährungssystem (oder besser "Nicht-System) einmal die Achillesferse des Kapitalismus. Schaut man sich das Leitwährungsland USA mit seinem schwächelnden Dollar an, so besteht in der Tat Grund zur Sorge. Die USA als Wirtschaftsmacht Nr.1 sind auf dem unaufhaltsamen Abstieg. Eigentlich hat dieser Prozess bereits mit der Beendigung des Bretton Woods -Festkurssystems begonnen. Die USA sind in einem halben Jahrhundert vom größten Gläubiger zum größten Schuldner der Welt aufgestiegen. Die Rolle als Leitwährung brachte den USA lange einige Vorteile ein. So kann ein Leitwährungslsnf sein Leistungsbilanzdefizit in seinem eigenen Gelde finanzieren, oder sich durch seine selbst gewählte Inflations- und Abwertungsrate seiner Währung sich selbst entschulden. Fakt ist, dass wir auf der Welt schon eine geraume Zeit einen sogenanten Multiwährungsstandard haben, mit dem Dollar, dem Euro, dem Yen, dem Yuan. Welche Währung die neue starke Leitwährung einmal sein wird, ist noch offen. Ich habe lange auf den Euro getippt. Doch der ist gerade selbst in der Krise.

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