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02.05.2013

13:58 Uhr

Niedrige Preise

Chinesen im Goldrausch

VonFinn Mayer-Kuckuk

Die Chinesen kaufen an den Maifeiertagen massenhaft Gold. Geld spielt keine Rolle. Vor allem ältere Damen decken sich hemmungslos mit dem gelben Metall ein - und treiben den globalen Markt.

Wie beim Schlussverkauf: Die Chinesen decken sich mit Gold ein. Reuters

Wie beim Schlussverkauf: Die Chinesen decken sich mit Gold ein.

ShanghaiWie früher beim Winterschlussverkauf drängen und schieben die Menschenmassen schon vor Ladenöffnung gegen die Tür. Als es endlich losgeht, wedeln die ersten schon mit dicken Bündeln Bargeld, um als erste bedient zu werden. „Geben Sie mir gleich zwei von den Gold-Armreifen“, ruft eine ältere Dame der Verkäuferin zu. „Oder besser gleich drei!“ Doch selbst ihre schrille Stimme dringt kaum durch, weil alle gleichzeitig schreien, um schneller bedient zu werden.

So wie beim „Juwelier zum Alten Phönix“ in Shanghai sah es an den Maifeiertagen im ganzen Land aus. Touristen aus der Provinz kauften massenhaft Gold. Geld spielt keine Rolle: Pro Armreif zu 35 Gramm bezahlte die Oma 1600 Euro in Cash auf die Hand. „Das ist es mir aber locker wert“, versichert die Dame. „Ich hebe den Schmuck erst einmal für die Hochzeit meines Sohnes auf.“ Sie habe kürzlich in der Zeitung gesehen, dass der Goldpreis gefallen sei. „Da dachte mir, jetzt ist ein guter Zeitpunkt zum Einstieg.“

Die Goldreserven der Staaten

USA

Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

Stand: Januar 2014

Deutschland

Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Goldschatz: 2.814 Tonnen

Italien

Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

Frankreich

Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

China

Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

Schweiz

Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

Russland

Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

Japan

Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

Niederlande

Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

Indien

Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

Türkei

Goldschatz: 506,3 Tonnen

Europäische Zentralbank (EZB)

Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Im vergangenen halben Jahr ist der Goldpreis von über 1.700 Dollar auf aktuell 1.455 Dollar pro Unze gesunken. Jetzt kennt die Kaufwut keine Grenzen mehr, denn die Chinesen haben Angst vor Inflation. Ihre eigene Zentralbank hat genau wie die Notenbanken weltweit seit Beginn der Finanzkrise frisches Geld im Wert von mehreren Billionen Euro ausgegeben. Der Immobilienmarkt ist bereits überhitzt. Da wollen die Leute in etwas Sicheres investieren – und die Wahl fällt fast immer auf metallisches Gold.

Eine Chinesin interessiert sich für ein 24-karätiges-Armband bei einem Juwelier in Hongkong. Reuters

Eine Chinesin interessiert sich für ein 24-karätiges-Armband bei einem Juwelier in Hongkong.

In Asien habe es Tradition, sich zur Absicherung der Familienfinanzen mit Edelmetallen einzudecken, sagt Analyst Zhang Chen von der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC). Das Massenverhalten der Mittelklasse in den aufstrebenden Ländern treibe bereits die globalen Preise: „Hinter der kleinen Erholung der letzten Tage steckt zu einem guten Teil die hohe Nachfrage der asiatischen Goldkäufer.“ Die Leute hätten nun vor allem die Reisesaison um die Maifeiertage genutzt, um nachzukaufen.

Am heftigsten schlagen die Goldkauf-Touristen in der unabhängigen Region Hongkong zu. Denn hier liegen die Preise einige Prozent niedriger als im restlichen China. Die Massen bestürmen die Juweliere in Hongkong noch heftiger als auf dem Festland, berichtet der Satellitenkanal „Dongfang TV“. Jeden Monat nehmen Privatleute und Händler weit über hundert Tonnen Gold von Hongkong mit nach China. Im Jahr 2012 waren es 830 Tonnen, eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Dabei handelt es sich um ein halbes Prozent der Goldmenge, die der Mensch überhaupt bisher gefördert hat.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Der Juwelier „Alter Phönix“ in Shanghai ist entsprechend zufrieden mit dem Geschäft „Wir verkaufen wie verrückt“, sagt eine Mitarbeiterin. Der Umsatz übersteige bereits 120 000 Euro am Tag. Das Herdenverhalten der Metallanleger in Ostasien beginnt nun bereits, zur selbsterfüllenden Prognose zu werden. „Chinesische Omas kennen den Markt besser als die Experten an der Wall Street“, schreibt ein Webnutzer in einem Finanzforum. „Schließlich machen sie die Preise.“

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

02.05.2013, 14:11 Uhr

So ein Mist, jetzt hab ich auf Sorros und das HB gehört ("Gold-Blase") und hab all mein Gold verkauft und in italienische und französische Anleihen investiert.

Hoffentlich finde ich irgendwo eine chinesische Oma, die mir ihr Gold im Tausch gegen meine Anleihen gibt!

Account gelöscht!

02.05.2013, 14:31 Uhr

Oh weh, und ich habe meine Goldzähne verscherbelt und mir Kieselsteine einsetzen lassen.

Da habe ich jetzt elend hart zu beißen .....;-)

Chris_Sonntag

02.05.2013, 14:41 Uhr

Nun, die Chinesen hatten erst mit den Aktien und dann mit den Eigentumswohnungen Flops gelandet, der naechste ist nun der Gold-Hype. Charttechnisch ist zu befuerchten dass es auf 1200 $ runtergeht, da nuetzen auch die Armreifen aus Shanghai nichts - solange die Finanz-Mafia mit Papiergold herumjongliert. Nichts hat also mehr wirklichen Wert, am besten gibt man sein Geld einfach aus und geniesst es solange es noch geht ...

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