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16.02.2016

15:02 Uhr

Niedrigzinsen und Börsenturbulenzen

Das Franken-Comeback

Der Schweizer Franken befindet sich erneut auf einem Höhenflug: Die niedrigen Zinsen in Kombination mit den Börsenturbulenzen haben den sicheren Hafen Schweiz für viele Anleger wieder attraktiv gemacht.

In den kommenden Monaten könnte die Schweizer Währung nach Ansicht von Experten weiter an Wert gewinnen. dpa

Franken

In den kommenden Monaten könnte die Schweizer Währung nach Ansicht von Experten weiter an Wert gewinnen.

ZürichDie Börsenturbulenzen der vergangenen Tage haben den Franken zurück auf die Kurszettel risikoscheuer Anleger gebracht. Viele von ihnen parkten ihr Geld im sicheren Hafen Schweiz und sorgten so für einen neuerlichen Höhenflug der Währung: Zum Dollar legte der Franken seit Anfang des Monats um knapp vier Prozent zu. Zum Euro gewann die Schweizer Währung rund ein Prozent - die Gemeinschaftswährung fiel auf zuletzt gut 1,10 Franken.

In den kommenden Monaten könnte der Franken nach Ansicht von Experten weiter an Wert gewinnen: Zum einen dürften die Börsen weiter stark schwanken und der Franken damit als krisensichere Anlage gefragt sein. Zum anderen machen die sinkenden Zinsen in vielen Teilen der Welt die eidgenössische Währung für viele Investoren wieder attraktiver.

"Ich bin der Meinung, dass der Franken stärker wird", sagte Felix Adam, Gründer und Chef des Handelshauses ACT Currency in Zürich. Grund dafür sei vor allem die Talfahrt vieler anderer Währungen. Vor allem in Europa und Asien versuchen viele Zentralbanken, die eigene Währung zu schwächen - denn das macht die eigenen Waren im Ausland günstiger und beflügelt damit den Export und die Wirtschaft. "Wir sind in einem Wettkampf. Jeder versucht sein Land in eine gute Position zu bringen", sagte Adam.

Um die Konjunktur anzukurbeln, hatte die japanische Notenbank Ende Januar Strafzinsen für Geschäftsbanken von minus 0,1 Prozent eingeführt und könnte diese noch ausweiten. Auch in der Eurozone könnten Geschäftsbanken nach Einschätzung von Experten bald noch höhere Strafzinsen als zuletzt 0,3 Prozent zahlen müssen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken.

Die Schweizer Notenbank kann in dieses Orchester nur mehr am Rande einstimmen: Sie hat ihren Einlagezins bereits auf minus 0,75 Prozent gesenkt und damit ihr Pulver Analysten zufolge weitgehend verschossen. Sollte die SNB die Zinsen noch weiter senken, laufe sie Gefahr, damit einen Run auf Bares auszulösen, sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. "Denn es steigt der Anreiz, das Geld eher unter der Matratze liegen zu haben, als es auf dem Konto zu lassen und dafür möglicherweise Negativzinsen zu bezahlen", sagte sie. "Deswegen gehen wir davon aus, dass der Schweizer Franken mittelfristig aufwerten muss - allein aufgrund der Tatsache, dass der SNB die Hände gebunden sind, noch deutlich expansiver zu werden."

Die SNB ist sich dieser Zwickmühle bewusst. Sie schließt eine weitere Zinssenkung nicht aus und greift zudem bei Bedarf am Devisenmarkt ein - indem sie etwa Euro oder Dollar kauft, um den Franken zu schwächen. Zumindest kurzfristig scheint die Notenbank damit Erfolg zu haben: Im Januar fiel der Franken ohne dass es dafür eine plausible Erklärung gab. Einige Experten vermuteten dahinter Interventionen der SNB - und erwarten solche Eingriffe auch künftig. Denkbar sei dies etwa, wenn der Euro wegen einer neuerlichen Krise in Europa unter 1,10 Franken fällt, sagte UBS-Chefökonom Daniel Kalt. "Wir denken, dass die SNB in einem solchen Fall wieder intervenieren würde, das ist ganz klar ihre erste Verteidigungslinie."

Von

rtr

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