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19.10.2016

19:10 Uhr

Nordamerikanisches Öl WTI

Ölpreis auf 15-Monats-Hoch

Seit zwei Wochen klettern die Ölpreise. Aufwind bekommen sie aus den USA und von einer Einigung, die eigentlich noch keine ist. Der Preistrend muss erst noch beweisen, wie nachhaltig er tatsächlich ist.

Ein Rückgang der Lagerbestände in den USA verleiht dem Preis für amerikanisches Leichtöl Auftrieb. dpa

Ölförderung in Kalifornien

Ein Rückgang der Lagerbestände in den USA verleiht dem Preis für amerikanisches Leichtöl Auftrieb.

FrankfurtFür die Ölproduzenten sind es Wochen der Erleichterung. Seit die Opec Ende September angekündigt hat, ihre Produktion zu kürzen, kennt der Ölpreis nur eine Richtung: nach oben. Nun kommt weitere Unterstützung aus den USA.

Nachdem bereits am Dienstagabend das private American Petroleum Institute (API) einen deutlichen Rückgang der landesweiten Rohölvorräte gemeldet hatte, bestätigte heute das US-Energieministerium den Trend. Die hohen Lagerbestände in den USA werden demnach allmählich abgebaut.

Das treibt den Preis, und wie. Das nordamerikanische Leichtöl legt bis zum Abend um drei Prozent zu und erreicht mit 51,78 Dollar je Barrel (159 Liter) seinen höchsten Stand seit 15 Monaten. Die Nordseesorte Brent steigt um 2,4 Prozent auf knapp 53 Dollar, seinen höchsten Stand seit Dezember 2015. Fraglich bleibt jedoch, wie nachhaltig der Anstieg ist.

Dies steht und fällt nicht zuletzt mit der angekündigten Förderkürzung der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec). Diese Perspektive bildet derzeit das Fundament für den aktuellen Aufschwung am Ölmarkt. Nahezu täglich verkünden Opec-Mitglieder ihren Optimismus für die im Detail noch zu verhandelnde Förderkürzung. Erst heute betonte der saudische Ölminister Khalid al-Falih auf der Oil & Money-Konferenz in London, dass viele weitere ölfördernde Staaten ihre Unterstützung bei der Kürzung zugesagt hätten. Offiziell hat dies bislang aber nur Russland zugesichert. Länder wie Mexiko oder Norwegen erklärten, ihre Produktion nicht einzuschränken.

Wie sich die Opec-Einigung für Verbraucher auswirkt

Wie reagiert der Markt auf die Einigung der Opec-Länder?

Dieser Schritt war nicht erwartet worden und führte zunächst zu einem raschen Anstieg der Ölpreise um mehr als zwei Dollar. Am Donnerstag waren für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent rund 48 Dollar zu bezahlen. Das ist weder besonders viel noch besonders wenig und entspricht dem Durchschnittspreis im laufenden Jahr. Vor einem Jahr war der Ölpreis ungefähr gleich hoch. Im Januar und Februar war er für einige Tage unter die Marke von 30 Dollar gestürzt, hatte sich aber anschließend wieder erholt.

Quelle: dpa

Wird Heizöl nach dem Opec-Beschluss nun teurer?

Kaum. Auch der Preis für Heizöl ging am Donnerstag zwar vorerst in die Höhe, gegenwärtig sind im bundesweiten Durchschnitt 51 Euro für 100 Liter zu bezahlen (inklusive Mehrwertsteuer). Das war aber schon mal günstiger, als der Heizöl-Preis im Januar und Februar kurz unter 40 Euro gefallen war. Eigenheimbesitzer und Mieter können sich derzeit nicht beklagen, wenn sie mit Heizöl heizen. Zuletzt waren die Preise 2009 auf einem vergleichbaren Niveau, seitdem meistens viel höher. Vor einem Jahr war Heizöl ungefähr 5 Euro teurer. Zwischen 2011 und 2014 mussten die Kunden noch mehr als 80 Euro bezahlen, in der Spitze mehr als 96 Euro.

Und wie sieht es beim Benzin aus?

Der aktuelle Preis für Diesel liegt bei 1,08 Euro je Liter, für Superbenzin E10 sind im bundesweiten Durchschnitt ungefähr 1,28 Euro zu bezahlen. Vor einem Jahr lagen die Preise um zwei bis drei Cent höher. Damit sind die Kraftstoffpreise auf Jahressicht relativ stabil. Sie schwanken jedoch nach wie vor sehr stark nach Tageszeiten und sind auch regional verschieden.

Mehr als die Hälfte der Haushalte heizen nicht mit Öl, sondern mit Gas. Haben sie mit Auswirkungen zu rechnen?

Die Öl- und Gasmärkte haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend entkoppelt. Während der Preis für Heizöl in den vergangenen beiden Jahren um rund 40 Prozent zurückging, betrug der Rückgang beim Gas nicht einmal 10 Prozent. Die Gasversorger mussten zwar bei der Beschaffung im Großhandel weniger für das Gas bezahlen, die Börsenpreise sanken zwischen Juli 2014 und Juli 2016 um mehr als ein Fünftel. Die Unternehmen hatten aber zum Teil auch höhere Leitungskosten zu verkraften. Für den Herbst haben viele Versorger Preissenkungen angekündigt, im Schnitt nach Angaben des Internet-Portals Verivox um rund 7 Prozent.

Dann wird die nächste Heizsaison also günstiger als die vergangene?

So war es in den vergangenen beiden Jahren. Die Ausgaben der privaten Haushalte für Energie sind insgesamt rückläufig. In den Jahren 2012 und 2013 musste ein Durchschnittshaushalt jeweils 257 Euro pro Monat für Energie ausgeben; darin sind Strom, Gas oder Öl und Kraftstoffe enthalten. Im Jahr 2014 waren es nur noch 245 Euro und im Jahr 2015, für das noch keine offiziellen Daten vorliegen, war der Trend weiter rückläufig. Ob das Heizen in diesem Winter günstiger wird als im vorigen, hängt jedoch nicht nur von den Preisen ab - sondern auch vom Wetter. Wird der Winter kalt, dann wird es teuer.

Ende November kommt die Opec in Wien zusammen. Dann will sich das Ölkartell über die Frage einigen, welches Mitglied welchen Teil der Kürzung hinnehmen wird.

Ohnehin ist das Ölkartell auf die Unterstützung von außen angewiesen. Die Opec pumpt heute zwar noch immer fast 40 Prozent der täglich rund 96 Millionen Barrel Öl auf dem Weltmarkt zutage. Doch ähnlich war die Situation auch vor dem Ölpreisverfall, der 2014 durchschlug.

Hauptverantwortlich für den Preisrutsch waren damals die Schieferölproduzenten, die mit ihrem Öl für ein Überangebot am Markt sorgten. Bis heute ist deren Produktion zwar wegen der gefallen Preise auch wieder deutlich zurückgegangen – seit dem Höhepunkt im Juni 2015 um zwölf Prozent auf zuletzt 8,6 Millionen Barrel täglich.

Doch steigen die Preise, steigen auch für viele Schieferölkonzerne wieder die Chancen auf Profite. Experten sagen, dass sie ab einem Preis von knapp 60 Dollar verstärkt an den Markt zurückkommen. Mit genau dieser Marke rechnet der saudische Ölminister al-Falih bereits zum Ende des Jahres.

Die größten Erdölproduzenten (2016)

Opec als größter Rohölproduzent

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) stellt mehr als ein Drittel des weltweit produzierten Rohöls bereit. Ihre 14 Mitgliedsstaaten sitzen auf mehr als 70 Prozent aller Ölreserven.

Quelle: dpa

Opec II

Laut einer Analyse des Energiekonzerns BP produzierte die Opec 2014 knapp 37 Millionen Barrel Öl und verwandte Produkte am Tag. Weltweit wurden 89 Millionen Barrel am Tag produziert. Die Größten Ölproduzenten im Überblick:

USA

12 Millionen Barrel

Saudi-Arabien

Zwölf Millionen Barrel

Russland

Elf Millionen Barrel

China

Vier Millionen Barrel

Kanada

Vier Millionen Barrel

Anzeichen, dass sich die Branche in den USA erholt, sind heute schon zu erkennen. Seit dem 24. Juni steigen nicht nur die Ölpreise, auch die Zahl der Ölbohrungen in den USA nimmt derzeit unablässig zu. Zuletzt waren es mit 432 schon ein Drittel mehr als noch im Juni (allerdings noch weit vom Hoch bei 1.609 Bohrungen im Oktober 2014 entfernt). Im ölreichen Permian-Becken an der Grenze zwischen Texas und New Mexico werden im November erstmals seit 2007 wieder mehr als zwei Millionen Barrel pro Tag gefördert, erklärte das US-Energieministerium am Montag. 2017 werde die gesamte Ölproduktion in den USA wieder steigen, sagte Scott Hanold, Ölanalyst bei RBC Capital Markets.

Auf der Ölkonferenz in London betonte Exxon-Chef Rex Tillerson heute, dass die Schieferölfirmen in den USA dem Ölmarkt eine enorme zusätzliche Kapazität gebracht hätten, schreibt die Financial Times. Sie könnten Saudi-Arabien als sogenannter „Swing-Producer“, der den Preis mit mehr oder weniger Förderung beeinflussen kann, herausfordern.

Saudi-Arabien sitzt gewissermaßen in einer Zwickmühle. Steigt der Preis weiter, was das Land ja möchte, helfen sie zugleich ihren Konkurrenten in den USA. Denn denen kommen neue WTI-Höchststände gerade recht.

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