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26.03.2013

10:26 Uhr

Notenbank-Vize

Die Franken-Deckelung ist „absolut notwendig“

Der Schweizer Franken ist an einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro gekoppelt. Der SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine sieht kein Inflationsrisiko und verteidigt die Deckelung.

Eine Euro-Münze (l) und ein Schweizer Franken. Der SNB-Vize Danthine verteidigt die Deckelung des Franken. dpa

Eine Euro-Münze (l) und ein Schweizer Franken. Der SNB-Vize Danthine verteidigt die Deckelung des Franken.

ZürichDie Franken-Deckelung der Schweizerischen Nationalbank ist angesichts der Euroraum-Krise zu einer Zeit, wo in der Schweiz keine Inflationsgefahr besteht, nach den Worten von SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine sehr wichtig.

„Es besteht offsichtlich kein Inflationsrisiko“, sagte Danthine am Montagabend in einer Rede in Morges. Der Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro sei eine „absolute Notwendigkeit“.

Die SNB hatte den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro 2011 eingeführt und den Leitzins auf Null gesenkt, um die Wirtschaft vor Deflation und Rezession zu schützen. Obwohl der Euroraum der größte Handelspartner des Landes ist, gelang es der Schweiz, eine Rezession wie in der europäischen Währungsunion zu vermeiden.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Eine Verschärfung der Euroraum-Krise könnte erneut zu Aufwertungsdruck auf den Franken führen, sagte Danthine und bekräftigte damit die jüngste Einschätzung der SNB in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vor knapp zwei Wochen.

Investoren neigen dazu, den Schweizer Franken in unsicheren Zeiten als sicheren Hafen zu kaufen. „Wir gehen davon aus, dass in einer Situation, in der sich die Lage normalisiert, der Franken nachgeben sollte“, erklärte Danthine.

Der Franken notierte am Dienstagmorgen zum Euro bei 1,2204 Franken 0,1 Prozent schwächer. Gegenüber dem Dollar war er bei 94,81 Rappen kaum verändert.

Infolge der Verteidigung des Mindestkurses sind die Fremdwährungsreserven der SNB angeschwollen. Im vergangenen Jahr gab die eidgenössische Notenbank 188 Mrd. Franken (154 Mrd. Euro) für ausländische Devisen aus, zehnmal soviel wie 2011. Fast die Hälfte der Reserven ist in Euro.

Danthine sagte, die SNB könne ihre Bilanz unbegrenzt ausweiten. Sie sei bereit, erhebliche Verluste oder auch Gewinne in Folge ihrer Deckelungspolitik hinzunehmen. Im Jahr 2010 verzeichnete die SNB wegen ihrer Interventionen am Devisenmarkt einen Rekord-Jahresverlust.

Die Zwänge der Geldpolitik haben auch höhere Priorität als die Reduzierung der Bilanz, erklärte der SNB-Vizepräsident. „Wenn wir wirklich die Bilanz langfristig reduzieren wollen, müssen wir diese Devisen verkaufen“, sagte Danthine. „Aber das können wir nur, wenn die Geldpolitik dies zulässt.“

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

26.03.2013, 10:49 Uhr

"notwendig", "systemrelevant", "auf einem guten Weg". Da gehen bei mir sämtliche Alarmsirenen an!!!

Account gelöscht!

26.03.2013, 12:07 Uhr

Die Sprache hat in der Politik und den Medien nur noch die Funktion zu verschleiern, zu verdrehen, zu entstellen.

Meine Lieblingsbegriffe: "Die Deutschen", "alternativlos, "Fraktionsdisziplin" und ganz oben "Reform".

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