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17.01.2005

07:15 Uhr

Notierung steigt auf das höchste Niveau seit sechs Wochen – Opec stärkt ihre Marktmacht

Ölpreis zieht überraschend stark an

VonRegine Palm

Der Ölpreis steigt seit Tagen wieder und überrascht damit die Analysten. Viele Experten hatten am Ende des Jahres noch mit einer weiteren Entspannung der Ölmärkte gerechnet. Doch das europäische Brentöl notiert mit Werten von über 45 Dollar je Barrel (159 Liter) inzwischen wieder auf dem höchsten Stand seit sechs Wochen. „Der Markt ist immer noch nervös“, sagt Dennis Nacken von Helaba Trust.

DÜSSELDORF. Zuletzt trieb ein Rückgang der Rohöl- und Erdgasvorräte in den USA die Preise. Die Versorgungsängste wurden zudem durch die Ankündigung kälterer Temperaturen in den USA verstärkt. „Die Sorge vor zu viel Öl hatte zeitweise den Preis gedrückt“, sagt Sandra Ebner, Rohstoffexpertin der Deka Bank. Allerdings sei die endgültige Preisrichtung noch nicht völlig klar. „Der Markt ist daher sehr anfällig für Nachrichten“, die in die eine oder andere Richtung deuten. Entsprechend stark hätten sich die Produktionsausfälle in der Nordsee oder Meldungen über das Wetter in den USA niedergeschlagen. Dies hat auch Cyprus Golpayegani von Raiffeisen Capital Management (RCM) in Wien beobachtet: „Die Schwankungen der Wetterprognosen haben auch an den Ölmärkten zu kräftigen Auf-und-Ab- Bewegungen geführt.“

Der jüngste Trend zeigt aber auch, dass die Opec wieder stärker Einfluss auf die Preisentwicklung nehmen kann. In bewährter Manier nutzen die Minister des Kartells, das für fast 40 Prozent der Weltölproduktion sorgt, das Vorfeld ihres Treffens am 30. Januar, um den Markt mit Ankündigungen zu testen. Das jüngste Beispiel dafür bot Rafael Ramirez, der Ölminister Venezuelas: Er sehe einen möglichen Konsens für einen weiteren Schnitt in der Produktion, sagte er.

„Die Situation ist sehr schwierig für die Opec“, sagt Sandra Ebner. Wenn die Opec keine Drosselung beschließt, könnte die Situation am Markt schnell drehen, die Preise könnten also schnell fallen. „Die Opec hat den angestrebten Preis kontinuierlich nach oben geschraubt“, sagt RCM-Experte Golpayegani. Seiner Meinung nach stellt sich die Opec immer mehr auf Preise von über 35 Dollar je Barrel ein.

Anfang Dezember hatten sich die Ölminister darauf verständigt, die historisch hohe Produktion um eine Mill. Barrel pro Tag zu kürzen. „Wenn dies umgesetzt wird, hat die Opec wieder freie Kapazitäten“, sagt Nacken. Und damit eine größere Marktmacht. Doch Golpayegani wendet ein, dass die Kartell-Mitglieder die Quoten bisher nur „sehr mangelhaft“ eingehalten haben.

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