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11.03.2011

17:01 Uhr

Nur kurze Ausschläge

Beben hat kaum Auswirkung auf Devisenmärkte

Vondpa , Reuters

Das Jahrhundertbeben verunsichert die Investoren. Der Bund-Future steigt. Den Start des Gipfeltreffens der Euro-Zone über die Zukunft der Gemeinschaftswährung lässt die meisten dagegen kalt. Es werden erst mal Ergebnisse abgewartet.

Das Erdbeben in Japan spiegelt sich auch an den Devisenmärkten wieder. Quelle: ap

Das Erdbeben in Japan spiegelt sich auch an den Devisenmärkten wieder.

FrankfurtDer Euro hat sich am Freitag kaum bewegt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,3834 Dollar gehandelt. Bereits im frühen Handel hatte er ungefähr auf diesem Niveau notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,3773 (Donnerstag: 1,3817) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7261 (0,7238) Euro.

Der japanische Yen geriet zum Euro nach dem bisher schwersten Erdbeben in Japan nur kurzzeitig unter Druck. Der Euro fiel bis zum späten Freitagnachmittag sogar auf 113,45 japanische Yen. Vor dem Erdbeben hatte ein Euro noch 114,40 Yen gekostet. Der US-Dollar sank zum Yen von 82,80 Dollar vor dem Erdbeben auf zuletzt 82,03 Dollar.

In Reaktion auf das Jahrhundertbeben in Japan haben sich Investoren am Freitag mit der Landeswährung Yen eingedeckt. Während japanische Anleger Investitionen aus aller Welt nach Hause zurückholten, lösten laut Händlern internationale Investoren Geschäfte auf, die sie mit Yen-Krediten günstig finanziert hatten. Die Folge war eine steigende Nachfrage nach dem Yen. Der Dollar verbilligte sich auf bis zu 81,99 Yen, der Euro auf 112,94 Yen und der Australische Dollar auf 81,98 Yen. Vom Sicherheitsbedürfnis vieler Marktteilnehmer profitierte der Bund-Future, der um bis zu 60 Ticks auf 122,63 Zähler stieg. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf 3,183 Prozent.

Bei dem schweren Erdbeben und dem Tsunami haben in Japan nach ersten Berichten mehrere hundert Menschen ihr Leben verloren, es entstanden schwere Schäden. „Viele Marktteilnehmer waren von den Nachrichten aus Japan geschockt und emotional betroffen, deshalb verlief der Handel auch insgesamt sehr ruhig“, sagte Ralf Elmer, Leiter des Devisen-Kassahandels bei der LBBW. „Japanische Anleger repatriierten ihr Geld und kauften deshalb die eigene Währung zurück.“ Der Yen profitierte zudem davon, dass viele Anleger ihn wegen der Nullzinspolitik der japanischen Zentralbank als relativ sicheres Investment betrachten.

Anleger nutzen den nahe Null liegenden Leitzins in Japan, um sich günstig zu verschulden und das Geld in Regionen mit höherem Zinsniveau wie Australien anzulegen. Wegen des Währungsrisikos gelten diese sogenannten Carrytrades als hochriskant. Bekommen die Anleger wegen steigender Risikoscheue - etwa infolge einer Naturkatastrophe - kalte Füße, lösen sie die Geschäfte wieder auf.

„Die wirtschaftlichen Folgen des Erdbebens dürften für Japan beherrschbar sein“, sagte Thu-Lan Nguyen, Devisenexpertin bei der Commerzbank. „Das Beispiel des Erdbebens im japanischen Kobe aus dem Jahr 1995 zeigt, dass sich die Wirtschaft rasch von einer solchen Naturkatastrophe erholen kann.“ Langfristig könnten die nötigen Investitionen sogar einen positiven Einfluss auf die Wirtschaft haben, sagte die Expertin. Der japanische Finanzminister Yoshihiko Noda hat angesichts des schweren Erdbebens trotz der hohen Verschuldung des Landes seine grundsätzliche Handlungsbereitschaft signalisiert.

Schwaches US-Verbrauchervertrauen Dämpfer für Dollar

Der Start des Sondergipfels der Euro-Zone über den Rettungsfonds für die Gemeinschaftswährung ließ die Anleger vor dem Hintergrund des schweren Erdbebens kalt. „Das spielt keine richtige Rolle am Markt. Die Erwartungshaltung ist, dass es keine großen Neuigkeiten geben wird“, sagte Elmer. „Das Thema Euro-Zone ist zuletzt in den Hintergrund getreten.“ Für einen Euro wurden am Nachmittag 1,3833 Dollar bezahlt nach 1,3797 Dollar zum US-Schluss am Donnerstag.

Einen leichten Dämpfer bekam der Dollar am Nachmittag von unerwartet schwachen Daten zum US-Verbrauchervertrauen. Der entsprechende Index der Universität Michigan und von Reuters fiel auf 68,2 Punkte, während Analysten im Schnitt 76,5 Zähler erwartet hatten. „Die amerikanischen Verbraucher zeigen sich offenbar von den hohen Benzinpreisen und den zuletzt schwächeren Aktienkursen belastet“, kommentierte Helaba-Analystin Viola Stork.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86120 (0,85655) britische Pfund, 113,24 (114,78) japanische Yen und 1,2842 (1,2914) Schweizer Franken fest. Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold wurde in London am Nachmittag mit 1411,50 (1413,25) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 32 390,00 (32 540,00) Euro.

Nach Erdbeben: Japaner kaufen Yen

Nach Erdbeben

Japaner kaufen Yen

Das Erdbeben in Japan hat den Yen zunächst zurückgeworfen. Spekulationen auf Stützungsmaßnahmen zugunsten der Landeswährung ließen den Yen später aber wieder steigen.

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