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09.04.2013

09:06 Uhr

Nur leichter Anstieg

Hohe Lagerbestände bremsen den Ölpreis

Der Ölpreis setzt seinen Vortagestrend fort und steigt leicht. Große Preissprünge werde es Experten zufolge allerdings nicht geben können, solange die Lagerbestände der USA sich fast auf Rekordniveau bewegen.

Ölpumpen auf einem Ölfeld bei Taft in Kalifornien. Der Ölpreis kann wegen hoher Lagerbestände nur moderat steigen. dpa

Ölpumpen auf einem Ölfeld bei Taft in Kalifornien. Der Ölpreis kann wegen hoher Lagerbestände nur moderat steigen.

SingapurDie Ölpreise haben am Dienstag an ihre feste Tendenz vom Wochenbeginn angeknüpft. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai kostete am Morgen 105,30 US-Dollar. Das waren 64 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg ebenfalls moderat um 44 Cent auf 93,80 Dollar.

Signifikanten Preissteigerungen steht das nach wie vor reichliche Angebot an Rohöl entgegen. Zuletzt waren die Rohölvorräte des weltweit größten Ölverbrauchers USA auf den höchsten Stand seit gut 22 Jahren gestiegen. Neue Zahlen werden am heutigen Dienstagabend vom privaten American Petroleum Institute (API) und am Mittwochnachmittag von der Regierung erwartet.

Deutschlands Ölreserven

Wie groß sind die deutschen Ölreserven?

Insgesamt 21 Millionen Tonnen. Davon sind zehn Millionen fertige Produkte wie Benzin, Diesel und Heizöl. Der Rest ist Rohöl. Die Menge reicht aus, um Deutschland im Falle eines kompletten Lieferausfalls für mindestens 90 Tage zu versorgen. Zuständig für die Verwaltung ist der Erdölbevorratungsverband. Die Körperschaft des öffentlichen Rechts ist dem Wirtschaftsministerium unterstellt.

Wo werden die Reserven gelagert?

Benzin und die anderen fertigen Produkte werden an 160 Standorten gelagert, die über ganz Deutschland verteilt sind. Der Erdölbevorratungsverband hat dazu Tanklager der großen Mineralölkonzerne angemietet. Das Rohöl wird in unterirdischen Hohlräumen gelagert, meist ehemaligen Salzstöcken. 60 Prozent gehören dem Verband, der Rest ist ebenfalls angemietet.

Wer finanziert den Erdölbevorratungsverband?

Die rund 120 Mitglieder. Raffinerien und Ölhändler müssen eine Zwangsabgabe zahlen, mit denen sich der Verband mit seinen 70 Mitarbeitern an den Standorten Hamburg und Bremerhaven finanziert. Das meiste Geld stammt von großen Raffineriebetreibern wie BP, Shell und Esso.

Wie wird das Öl auf den Markt geworfen?

Der Verband bietet das Öl zunächst seinen Mitgliedern an, die ein Vorkaufsrecht genießen. Was von ihnen nicht abgenommen wird, landet auf dem freien Markt. Die jetzt freigegebenen 4,2 Millionen Barrel werden in vier Tranchen angeboten. Der Preis orientiert sich an den jeweiligen Weltmarktpreisen.

Wird der Verkauf zum Verlustgeschäft?

Nein. Der Verband hat seit seiner Gründung 1978 - damals in Reaktion auf die zweite Ölkrise - viele Jahre Gelegenheit gehabt, sich zu günstigen Konditionen am Markt einzudecken. Ende der 90er Jahre war ein Barrel zeitweise für weniger als zehn Dollar zu haben, heute wird dafür das Zehnfache verlangt.

Wie oft wurden die Reserven schon angezapft?

Die Premiere gab es 1990, als nach dem Angriff des Irak auf das erdölreiche Kuwait die Sorge vor Lieferengpässen umging. Es dauerte 15 Jahre, ehe zum zweiten Mal auf die Reserven zurückgegriffen wurde. 2005 sorgte der Hurrikan Katrina im Golf von Mexiko dafür, dass die dortige Ölproduktion zum Erliegen kam. 500.000 Tonnen bot Deutschland damals an, um Engpässen vorzubeugen. Zuletzt wurden Ölreserven 2011 wegen des Libyenkrieges und der ausfallenden Ölproduktion des Landes freigegeben.

Die derzeit hohen Lagerbestände sprechen laut Experten selbst bei einer anziehenden Ölnachfrage, die wegen der verhaltenen globalen Konjunktur derzeit eher schwach ist, gegen starke Preissteigerungen.

Von

dpa

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