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08.10.2013

18:01 Uhr

Ökonomen

„Zentralbanken sind schlechte Goldhändler“

Sie kaufen zu Höchstkursen und verkaufen, wenn der Preis am Boden liegt. Mit ihren Goldinvestments haben die weltweiten Notenbanken kein glückliches Händchen bewiesen. Zuletzt verbuchten sie hohe Verluste.

Der Goldpreis ist in den vergangenen Monaten kräftig gefallen. dpa

Der Goldpreis ist in den vergangenen Monaten kräftig gefallen.

Düsseldorf/FrankfurtDem mächtigsten Zentralbanker der Welt ist der Goldpreis suspekt. Im Juli hat Ben Bernanke vor dem Bankenausschuss des US-Senats erklärt, dass „niemand den Goldpreis wirklich versteht und ich auch nicht vorgeben will, ihn wirklich zu verstehen.“ Hätten seine Kollegen dem US-Notenbankchef doch bloß besser zugehört, dann hätten sie vielleicht aufgehört, ihre Goldreserven auszubauen. Denn die haben ihnen zuletzt nur Miese eingebracht.

Im September 2011 markierte der Preis für das gelbe Edelmetall sein bisheriges Rekordhoch von 1921,15 Dollar je Unze. Seither ist der Goldpreis allerdings um 31 Prozent abgestürzt. Das Problem: Die Zentralbanken griffen fleißig weiter zu. Seit dem Rekordhoch 2011 haben sie netto 884 Tonnen Gold gekauft, zeigen Daten des Internationalen Währungsfonds. Die Bilanz ist verheerend: Auf 545 Milliarden Dollar summiert sich der Wertverlust der Goldreserven nach Berechnungen des Börseninformationsdienstes Bloomberg seit 2011 insgesamt.

Was seit der Lehman-Pleite aus 100.000 Euro wurde

US-Dollar

93.951 Euro

Sparbuch

103.100 Euro

Tagesgeld

107.600 Euro

Zehnjährige US-Staatsanleihe

125.607 Euro

Bondindex Rex

128.958 Euro

Rohöl (Brent)

130.859 Euro

Zehnjährige Bundesanleihe

131.206 Euro

Dax

142.031 Euro

Nikkei-225

147.685 Euro

Dow Jones

173.651 Euro

Gold

180.185 Euro

FTSE China

181.333 Euro

MDax

193.279 Euro

Silber

214.136 Euro

Quelle

Thomson Reuters, FMH; Startdatum: 15. September 2008; in Euro gerechnet. Enddatum: 15. September 2013

Die Zentralbanken halten 18 Prozent der weltweiten Goldbestände – Tendenz steigend. Nach Prognosen des World Gold Council werden sie in diesem Jahr ihre Goldreserven um bis zu 350 Millionen Tonnen im Wert von rund 15 Milliarden Dollar aufstocken. 2012 erwarben sie 535 Millionen Tonnen Gold, das waren die umfangreichsten Käufe seit 1964. Größter Goldkäufer ist Russland: Das Land vergrößerte seine Reserven um 20 Prozent oder rund 171 Tonnen seit dem Rekordhoch im September 2011.

Während die Zentralbanken noch kauften, verloren die übrigen Investoren den Glauben an Gold als wertbeständige Anlage. Der Wert börsengehandelter Goldprodukte (Exchange Traded Products, ETP) sank dieses Jahr um 60,4 Milliarden Dollar oder 43 Prozent, wie Daten von Bloomberg zeigen. Das bescherte Hedgefonds-Managern wie John Paulson deutliche Verluste. Andere bekannte Investoren zogen zwischenzeitlich die Reißleine: George Soros beispielsweise verkaufte seine Bestände am größten Gold-ETP. Unternehmen, die Gold fördern, schrieben den Wert ihrer Vermögenswerte um mindestens 26 Milliarden Dollar ab.

Bereits im April rutschte Gold in einen „Bärenmarkt“, bisher fiel der Preis um etwa 20 Prozent auf 1320 Dollar je Unze und steht damit vor dem größten Rückgang seit 1981. Gold ist in diesem Jahr der Rohstoff mit der drittschlechtesten Entwicklung nach Mais und Silber. Zuvor sah das ganz anders aus: Der Goldpreis versechsfachte sich in den zwölf Jahren bis Ende 2012 und schlug damit die Aktien im MSCI All-Country World Index, die auf ein Plus von 17 Prozent kamen. In Zeiten von Finanz- und Euro-Krise war Gold als sicherer Hafen gefragt.

Kommentare (29)

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Account gelöscht!

08.10.2013, 18:32 Uhr


Da bin ich aber nach "so fundierten Aussagen seitens Roubini, Goldman, Bernanke" beruhigt, Gold ist in der Tat keine Währung.
Die drei Währungszauberer sollten sich umgehend mit der Rettung der "Perspektive Weltwährung US Dollar" beschäftigen, während andere "Gesellen" sich schlitzäugig verschlagen mit dem Golden Flies befassen.

Bericht passt zur Zeitkrise, durchsichtig wie immer bei goldigen HB Märchenstunden, wie immer lesenswert und aufschlussreich.

Puerto Rico verspricht zur Zeit gute Anleihenrenditen, auf geht`s HB-Jungs. Berni ängstigt sich schon .

Account gelöscht!

08.10.2013, 18:32 Uhr

Warum schreibt jemand solche unfundierten Artikel???? Zentralbanken sind die Grundlage des Geldsystems, d.h. sie können Preise beeinflussen etc. Und vielleicht ist der "schlechte" Goldkauf von heute von anderen Faktoren als den reinen kurzfristigen Gewinn geleitet? Das Geldsystem wird irgendwann zusammenbrechen. Wer ist am schluss der Dumme? Der mit den Euros oder derjenige, der überteuert Gold gekauft hat?

petervonbremen

08.10.2013, 18:53 Uhr

HB -- bitte achten Sie mal auf das, was Sie so schreiben


"ihre Goldreserven um bis zu 350 Millionen Tonnen im Wert von rund 15 Milliarden Dollar aufstocken. 2012 erwarben sie 535 Millionen Tonnen Gold"

350 Millionen Tonnen Gold - wow, macht man jetzt wieder Gold aus Blei ;-)

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