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13.01.2016

09:23 Uhr

Öl, Benzin, Zertifikate

Wie wir vom Ölpreis-Absturz profitieren

VonGeorgios Kokologiannis, Regine Palm, Jens Hagen

Minus 20 Prozent seit Jahresbeginn, jetzt nicht mehr nur in den USA sogar unter 30 Dollar je Fass – der Crash bei den Ölpreisen ist erstaunlich wie andauernd. Während die Produzenten leiden, freuen sich die Verbraucher.

Die Preise fallen, eine Bodenbildung scheint nicht in Sicht. dpa

Heizöl

Die Preise fallen, eine Bodenbildung scheint nicht in Sicht.

FrankfurtAuf dem Heizölmarkt ist derzeit die Hölle los. Im deutschlandweitem Schnitt gibt es 100 Liter derzeit für weniger als 40 Euro. Ein Zwölfjahrestief, wie eine Sprecherin des Vergleichsportals Heizöl24 erklärt. Wer günstig kaufen möchte, muss sich gedulden. Wegen der hohen Nachfrage avisieren Händler Lieferzeiten von 30 Tagen und mehr. Wer früher an den Brennstoff möchte, muss mit üppigen Preisaufschlägen rechnen.

Wenn es überhaupt noch etwas gibt. „Alle wissen, dass Öl jetzt günstig ist und möchten jetzt kaufen“, sagt eine Sprecherin von Heizöl 24. „Kunden sollten frühzeitig bestellen, schon bevor das Öl im Tank zur Neige geht.“ Sonst drohen kalte Räume und eisige Duschen. „Im Rheinland gibt es eine Tankstelle, die Heizöl zu deutlich mehr als einem Euro verkauft“, sagt ein Heizungs-Techniker, der nicht genannt werden möchte. Das ist teurer als Diesel. Eingeweihte sprechen vom „Idiotenzappes“. „Der Umsatz dort floriert, weil kurzfristige Öllieferungen derzeit kaum möglich sind“, erklärt der Installateur.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Seit Mitte 2014 fallen die Ölpreise schon. Nach dem Jahreswechsel hat sich die Situation verschärft – und die Märkte spielen verrückt. Am Dienstag ging es bei der Nordsee-Sorte Brent um bis zu 3,5 Prozent auf 30,43 Dollar je Barrel herunter. Das war der tiefste Stand seit April 2004. Seit Jahresbeginn summierte sich der Preisrückgang auf fast 20 Prozent. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI sank am Dienstagabend kurzzeitig sogar unter 30 Dollar.

Die Analysten senken reihenweise ihre Prognosen. Goldman Sachs und J.P. Morgan sehen ein Abwärtspotenzial bis auf 20 Euro. Standard Chartered hält sogar einen Rückgang auf zehn Dollar für möglich. So viel kostete Brent zuletzt Ende der 90er Jahre. Noch im Sommer 2014 notierte Brent bei 115 Dollar. Die Überproduktion trifft auf eine schwache Nachfrage wegen mauer Konjunktur – so einfach lässt sich der Preisverfall erklären.

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Im Dezember 2015 verzichtete die Opec bei ihrem letzten Treffen in Wien darauf, die Fördermenge zu begrenzen. Zur Stützung der Preise stellt der Ölminister Nigerias, Emmanuel Kachikwu, nun ein Treffen der Opec für Anfang März in Aussicht. In Indien ist Rohöl inzwischen billiger als Mineralwasser. Ein Barrel des Rohstoffs kostete nach einem Medienbericht dort zuletzt 29,24 US-Dollar, also etwa 17 Euro-Cent pro Liter. Eine günstige Flasche Mineralwasser hingegen koste 15 Rupien (21 Euro-Cent).

Kommentare (24)

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13.01.2016, 09:43 Uhr

Also ich freue mich auch wie bolle. Ich tanke meinen Hyundai schon immer für 20 Euro, jetzt bekomme ich dafür einiges mehr in den Tank.

Herr Josef Steiner

13.01.2016, 10:03 Uhr

Ich würde mich noch mehr freuen, wenn der Ölpreis-Absturz endlich 1:1 an die Verbraucher gegeben wird, was aber nicht der Fall ist. Bei einer Erhöhung ist das nicht so, da wird der Preis schon bei den kleinsten GERÜCHTEN sofort hochgeschraubt.

Account gelöscht!

13.01.2016, 10:14 Uhr

Niedrige Energie- und Rohstoffpreise sind nicht nur eine Wohltat für den Verbraucher sondern auch für die Volkswirtschaft. Außer man will, wie diese Grün-Sozialistische Merkel Diktatur, weiter an einer CO2 freien Ideologie festhalten.
CO2 freie Gesellschaft bedeutet nämlich nichts anderes als eine neue kommunistisch diktierte und damit marktfeindliche/gesellschaftsfeindliche Mangel und Armutsgesellschaft nach dem Vorbild von Lenin und Co.
Aber da kennen sich ja die Grün-Sozialistischen unter der Führung ihrer Merkel ganz gut aus...wie eine starke CO2 Wirtschaft und Wohlstandsgesellschaft in eine Mangel und Verarmte Gesellschaft transformiert. Hierzu sind auch noch die Helfer dieser CO2 freien und damti gesellschaftsfeindlichen Ideologie zu benennen...PIK (Potsdamer Institut für Klimaforschung), WWF, Greanpeace, Umwelthilfe, Umweltministerium, BUND und die Grünen als Partei an sich. Danke!

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