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22.02.2016

15:33 Uhr

Öl, Gas, Metalle

Rohstoffertrag der großen Banken auf Zehnjahrestief

Das vergangene Jahr soll eines der besten für den Rohstoffhandel gewesen sein – dennoch gingen die Erträge der Großbanken dort dramatisch zurück. Viele Analysten rechnen mit einem Ende der goldenen Zeiten.

Nicht nur die Preise für Öl gingen zuletzt heftig zurück. Auch andere Rohstoffe wie Gas und Metalle sind derzeit extrem günstig. dpa

Erdölförderung

Nicht nur die Preise für Öl gingen zuletzt heftig zurück. Auch andere Rohstoffe wie Gas und Metalle sind derzeit extrem günstig.

LondonBei den größten Investmentbanken sind die Rohstoff-Erträge im vergangenen Jahr im Zuge der fallenden Preise von Metallen bis Gas so niedrig gewesen wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Die Einnahmen bei Goldman Sachs Group Inc., Morgan Stanley und zehn anderen großen Banken gingen um zusammen 18 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar zurück, wie aus Daten der Analysefirma Coalition Ltd. hervorgeht. Das ist die schlechteste Entwicklung seit die Londoner Gesellschaft vor elf Jahren mit der Aufzeichnung der Daten begann und entspricht einem Rückgang um rund zwei Drittel gegenüber dem Hoch im Jahr 2008.

George Kuznetsov, Leiter der Analyse bei Coalition, geht davon aus, dass die Erträge wahrscheinlich nicht mehr zu den 14,1 Milliarden Dollar aus den Spitzenzeiten des Marktes zurückfinden werden.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

„Die Wettbewerbslage hat sich sehr verändert“, sagte Kuznetsov. „Die Finanzinstitute sind jetzt viel stärker reguliert. Es gibt ein deutlich geringeres Engagement der Banken im physischen Rohstoffmarkt, und die Banken gehen weniger Risiko ein als es 2008 bis 2009 üblich war.“

Der Bloomberg Commodity Index, der die Erträge von 22 Rohstoffen abbildet, hat 2015 den größten Rückgang in sieben Jahren verzeichnet, angeführt von Preiseinbrüchen bei Metallen und Energie. Zudem haben Banken, darunter JPMorgan Chase & Co., Deutsche Bank AG und Barclays Plc, unter dem Eindruck stärkerer Regulierung ihre Rohstoffaktivitäten zurückgefahren.

Auch wenn sich die Erträge bei Öl im vergangenen Jahr aufgrund höherer Aktivität auf Seiten der Kunden verbesserten, führten die US-Einschnitte beim Eigenhandel dazu, dass die Banken – anders als Handelshäuser und große Ölgesellschaften – nicht durch spekulative Wetten voll vom Preisrückgang von 35 Prozent profitieren konnten.

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Brian Gilvary, Finanzchef von BP Plc, hatte in diesem Monat geäußert, das vergangene Jahr sei eines der besten aller Zeiten für den Handel mit Öl und Gas gewesen. Und beim Händler Trafigura Group Pte Ltd. hatte der Gewinn aus dem Ölhandel im letzten Geschäftsjahr einen Rekord erreicht.

„Eine Normalisierung der US-Strom- und Gasmärkte, sowie schwache Preise bei Metallen und Produkten für Investoren waren die Triebkräfte für den allgemeinen Abschwung“, erklärte Coalition in einem am Montag vorgelegten Bericht.

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