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04.01.2016

13:44 Uhr

Öl, Iran und die Saudis

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Ölpreis

Der Konflikt zwischen Saudi Arabien und Iran flammt neu auf. Die diplomatische Krise lässt den Ölpreis steigen. Denn die Region zählt als wichtigstes Fördergebiet für den Rohstoff. Experten sehen indes keine Trendwende.

Wegen der verschärften diplomatischen Beziehungen zwischen Saudi Arabien stieg der Ölpreis. Experten sehen darin aber noch keinen langfristigen Trend. dpa

Ersehnte Verschnaufpause

Wegen der verschärften diplomatischen Beziehungen zwischen Saudi Arabien stieg der Ölpreis. Experten sehen darin aber noch keinen langfristigen Trend.

DüsseldorfPünktlich zum Jahresbeginn ist wieder etwas Bewegung in die internationalen Ölmärkte gekommen. Das europäische Brentöl verteuerte sich zeitweise um drei Dollar, nachdem Saudi-Arabien die diplomatischen Beziehungen zu Teheran abgebrochen hat. Im weiteren Handelsverlauf fiel der Ölpreis zwar wieder von seinen Spitzen zurück, hielt sich aber bei 38 Dollar. Das ist der höchste Stand seit der Sitzung des Ölkartells Opec Anfang Dezember 2015.

Die Situation im Nahen Osten verunsichert die Akteure an den Ölmärkten schon seit einiger Zeit. Allerdings schlugen die Preise bisher meist nur für kurze Zeit nach oben aus. Ein Beispiel dafür waren die Angriffe der französischem Luftwaffe Mitte November auf Ziele in Syrien. Damals schätzten die Märkte die Auswirkungen auf die ölfördernden Nachbarländer als gering ein. Mit Saudi-Arabien ist diesmal allerdings der weltgrößte Ölexporteur betroffen. „Eine direkte militärische Auseinandersetzung der beiden Hegemonialmächte des Mittleren Ostens hätte gravierende Auswirkungen auf das globale Ölangebot“, warnt daher die Commerzbank. In der Region rund um den Persischen Golf würden knapp 30 Prozent des globalen Ölangebots gefördert.

Das Auf und Ab beim Ölpreis im Jahr 2015

Überangebot

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzen dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,71 Dollar. Derzeit liegt der Preis mit rund 40 Dollar nicht einmal halb so hoch.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will. Sie kämpft stattdessen mit Rabatten um ihre Marktanteile.

7. Januar

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009. Damit nähert er sich dem im Sog der Finanzkrise im Dezember 2008 erreichten Tief von 36,20 Dollar. Das war so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

3. Februar

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. Juli

Ein Bericht über den neuerlichen Anstieg von Ölbohrungen in den USA setzt den Preis wieder unter Druck: Brent fällt bis auf knapp 60 Dollar. Am darauffolgenden Montag, den 6. Juli, sinkt der Preis wieder klar unter die 60-Dollar-Marke.

3. August

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet Brent so wenig wie zuletzt im März 2009, als der Preis einen Tiefstand von 41,30 Dollar erreichte.

8. Dezember

Nachdem die Opec am Freitag ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

9. Dezember

Auch an den Zapfsäulen kommt der Kursverfall am Rohstoffmarkt langsam an: Bei mehreren Internet-Vergleichsportalen kratzt der Preis für ein Liter Diesel erstmals seit 2009 wieder an der Ein-Euro-Marke.

Gleichwohl zweifeln viele Experten daran, dass der Rückgang der Ölpreise nachhaltig gestoppt wird. Seit Mitte 2014 stehen die Notierungen an den internationalen Rohölmärkten massiv unter Druck. In Europa und auch in den USA sind die Preise für ein Barrel Öl, das sind 159 Liter, erstmals seit 2009 unter 40 Dollar gerutscht. Ausgelöst wurden die massiven Verluste durch ein globales Überangebot, das vor allem die Schieferölförderung in den USA bedingt hat.

Die Amerikaner, einer der größten Ölverbraucher, waren dadurch als Käufer am Weltmarkt weitgehend ausgefallen. Den Preis bremst zudem, dass die USA künftig auch Öl exportieren können; die Ausfuhren waren fast ein halbes Jahrhundert verboten.

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