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16.10.2013

14:41 Uhr

Öl, Metall und Eisenerz

Händler trauen Rohstoffpreisen nicht

Händler misstrauen den Preisbewertungen von vielen Rohstoffen. Die Skepsis am Preisfindungsmechanismus des Sektors ist enorm. Aufsichtsbehörden wollen den Rohstoffmarkt schon länger unter die Lupe nehmen.

Ein Viertel der Händler trauen den Referenzpreise vieler Rohstoffe nicht. dpa

Ein Viertel der Händler trauen den Referenzpreise vieler Rohstoffe nicht.

New York. Analysten und Rohstoffhändler trauen den Preisen für Rohwaren wie Öl, Eisenerz und Benzin in gut einem Viertel der Fälle nicht über den Weg. Die Referenzpreise spiegelten in 27 Prozent der Fälle nicht den tatsächlichen Wert wider, ergab eine Umfrage von Bloomberg News.

Die 85 befragten Analysten und Händler, die jährlich Rohstoffe im Wert von 5,67 Billionen Dollar kaufen und verkaufen, haben demnach wenig Vertrauen in die Preisbewertung für Rohöl, Metalle und Eisenerz. Die Umfrage wurde in den vergangenen acht Wochen durchgeführt.

Aufsichtsbehörden, darunter auch EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia, fassen ins Auge, den Rohstoffmarkt verstärkt unter die Lupe nehmen, nachdem sie bereits ihre Ermittlungen wegen der Manipulation von Referenzsätzen bei Zinsen, Derivaten, Wechselkursen und Öl verstärkt haben.

Nachdem fünf Jahre nach der globalen Finanzkrise die Regulierung für die Banken verschärft wird, werden die Preise für hunderte von Rohstoffen durch anonymisierte Umfragen bei Händlern festgelegt, die ein Interesse an dem Ergebnis der Bewertung haben. Anders als Aktien, die für alle ersichtlich an der Börse gehandelt werden, erfolgen bei Rohstoffe, die in Nahrung, Kleidung oder Energie fließen, Käufe und Verkäufe privat.

„Der Druck für eine stärkere Regulierung wird zunehmen”, sagte David Wilson, Analyse- und Strategiedirektor für Rohstoffe bei Citigroup Inc. in London, am 3. September. „Die Rohstoffmärkte galten traditionell als Nebenschauplatz, an dem nur Spezialisten tätig sind. Diese Märkte haben sich ganz klar nicht mit den Zeiten geändert.”

Während die Preise für Aktien, Anleihen und Währungen durch tatsächliche Transaktionen an den Handelsplätzen festgelegt werden, bestimmen Journalisten die Referenzsätze für Eisen, Eisenerz, Dünger, Gas und einige Metalle. Die Preisfindung erfolgt, indem sie Daten zu verfügbaren Angeboten und Geschäften sammeln, per Telefon oder über E-Mail. Das Ergebnis dient oft als Grundlage für Zahlungen bei langfristigen Kontrakten zwischen Käufern und Verkäufern.

An der Umfrage von Bloomberg nahmen Händler und Analysten für Energie, Metalle, Eisenerz, CO2 und Strom teil. Ihnen wurde Anonymität zugesichert, damit sie ehrlich auf die Frage antworteten: “In wie vielen von 100 Fällen schätzen Sie, dass der geschätzte Referenzpreis für den von Ihnen am meisten gehandelten Rohstoff nicht dem wahren Niveau entspricht?”

Der Mittelwert der Antworten ergab 27 und der Median war 20. Insbesondere Referenzsätze für Rohöl gelten der Umfrage zufolge als unzuverlässig, gefolgt von Ölprodukten, Metallen und Eisenerz. Am Akkuratesten seien die Preise für Agrarrohstoffe.

Kommentare (3)

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Mazi

16.10.2013, 15:55 Uhr

Wer sind denn die großen, die die Preise manipulieren?
Um welche Volumina handelt es sich?

Es möge keiner damit kommen, dass es dieser junge Händler der UBS gewesen sei, den ein Londoner Gericht für schuldig befunden und eingesperrt hat.

Es möge auch keiner damit kommen, dass es ein junger Händler einer französischen Bank gewesen sei.

Es möge auch keiner damit kommen, dass die staatlichen Behörden ihrer Aufsicht nachkommen.

Man muss doch die Frage aufwerfen, ob die Behörden, die die Finanzaufsicht betreiben sollen, überhaupt funktionieren?

Bevor wir Deutsche den Finger auf ausländische Institute richten, muss die Frage aufgeworfen werden, ob es im Inland qualitativ nicht genauso marode ist.

unabhaengig_werden

16.10.2013, 16:37 Uhr

Ihr Kommentar:
Das einzige, was passiert wenn man die Rohstoffe an die Börse bringt...ist das die Banken Rohstofflager aufbauen werden und massiv im Markt mitmischen werden...siehe Aluminium an der Londoner LMI. Preismanipulation vorprogrammiert!!

Übrigens das komplette Rohstoffgeschäft von Tankstelle bis Eisenerz ist alles in angelsäschsischer Hand.

Die Deutschen sind raus...

Mazi

16.10.2013, 18:11 Uhr

Der Markt ist so riesig, dass wir beide alles zusammenlegen könnten und wir keine Chance hätten, den Markt zu manipulieren. Auch eine Deutsche Bank oder eine UBS könnte das nicht.

Es bedarf da schon anderer staatlichen Akteure!

Die kleinen Fische, von den ich sprach, stören dabei nur. Aber sie sind hinderlich und man braucht Sündenböcke. So seh' ich's - Sie vielleicht anders!

Denken Sie nur einmal an WTI, einen Ölpreisindikator, als Preisindikator. Wissen Sie, dass das nicht mehr als eine "Pfütze" ist und in den USA beheinmatet ist?

ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass der DOW zu Handelsschluss "so eigenartige Bewegungen" macht? Beobachten Sie dies einmal. Vielleicht finden Sie die Erklärung.

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