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12.01.2016

13:31 Uhr

Öl, Nickel & Palladium

Rohstoffpreise stürzen weiter ab

Die Rohstoffpreise sind im Keller – und da werden sie wohl auch noch eine Weile bleiben. Schlimmer noch: Hedgefonds spekulieren auf fallende Preise. Es dürfte noch weiter runter gehen.

Kupfer gehört zu den Rohstoffen, die massive Verluste hinnehmen mussten. Im Vergleich zum Vorjahr hat der Preis nahezu um ein Drittel eingebüßt. dpa

Zum in die Röhre schauen

Kupfer gehört zu den Rohstoffen, die massive Verluste hinnehmen mussten. Im Vergleich zum Vorjahr hat der Preis nahezu um ein Drittel eingebüßt.

Düsseldorf/New YorkOh nein, 2015 war ganz sicher kein gutes Jahr für Rohstoffe. Es war miserabel. Doch 2016 schickt sich gerade an, noch schlechter zu werden. Und dabei geht es nicht nur um Öl. Ganze Rohstoffindizes sind von der Baisse betroffen.

Belege gefällig? Da wäre etwa der Bloomberg Commodity Index, der 22 Rohstoffe umfasst. In den ersten beiden Handelswochen des Jahres hat er erneut um vier Prozent verloren. Klingt erstmal nicht ganz so schlimm. Es ist aber der schlechteste Jahresauftakt seit 1992 – dem Jahr, in dem erstmals vergleichbare Daten aufgezeichnet wurden.

Die Ursache des Negativtrends liegt unter anderem in der schwächelnden chinesischen Wirtschaft. China hatte seine Währung zu Jahresbeginn überraschend stark abgewertet – acht Tage in Folge. Bei Anlegern schürte das die Befürchtung, dass die Wirtschaft des Landes schwächer wächst als angenommen.

Nun gilt China als einer der weltweit wohl wichtigster Abnehmer für Rohstoffe. Die Nervosität um den Zustand des Landes trieb Anleger in den Dollar – weg von Rohstoffen. Hinzu kommt das derzeitige Überangebot auf dem Markt von einigen Energie-, Metall- und Agrarprodukten. Die Folge ist logisch: Die Preise sinken. 2015 sogar schon zum fünften Mal in Folge – Rekord.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

„Wir befinden uns in einem brutalen Zyklus für Rohstoffe“, sagt Quincy M. Krosby, Marktstratege beim amerikanischen Finanzdienstleister Prudential Finance. Prudential managt Vermögen in Höhe von 1,2 Billionen Dollar. Wegen der Lage in China gebe es am Markt viele Fragen, wie es um die Nachfrage bestellt ist. „Doch die Märkte mögen Unsicherheit nicht“, erklärt Krosby.

Die Auswirkungen kann man im Bloomberg Commodity Index ablesen. Der fiel am Montag zum vierten Mal in sechs Handelstagen, landete auf 74,89 Zählern auf der schwächsten Bewertung seit 1999. Der Negativrekord liegt bisher bei 74,24 Zählern.

Ähnlich schlechte Entwicklungen verzeichneten große Rohstoffindizes. So verloren die beiden vermeintlich größten Indizes, der Thomson Reuters/Jefferies CRB Index (-6,76 Prozent) sowie der S&P GSCI (-8,5 Prozent) seit Jahresbeginn deutlich. Für den Rogers International Commodity Index ging es um sechs Prozent nach unten.

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