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31.05.2017

17:22 Uhr

Öl notiert unter 50 Dollar

Zwei Opec-Länder sorgen für Ölpreis-Verfall

VonMatthias Streit

Seit sich die Opec in der vergangenen Woche auf eine Verlängerung der Förderkürzung geeinigt hat, stürzt der Ölpreis ab. Weil nicht alle Kartellmitglieder mitmachen, wankt das Abkommen. Der Preis fällt unter 50 Dollar.

Obwohl die Opec und zehn weitere Ölförderländer ihre Förderkürzung verlängern, ist der Ölpreis binnen sechs Tagen um fünf Dollar gefallen. Der erwünschte Effekt am Markt ist verpufft. dpa

Verpufft

Obwohl die Opec und zehn weitere Ölförderländer ihre Förderkürzung verlängern, ist der Ölpreis binnen sechs Tagen um fünf Dollar gefallen. Der erwünschte Effekt am Markt ist verpufft.

FrankfurtEs sind groteske Szenen, die sich dieser Tage am Ölmarkt abspielen: Die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) hat vergangenen Donnerstag seine Förderkürzung um neun Monate verlängert, Russland und Saudi-Arabien versprechen alles Erforderliche zu tun, um den Ölmarkt zu stabilisieren und den Lagerüberhang abzubauen. Die meisten Analysten rechnen noch in diesem Jahr damit, dass das Überangebot abgebaut wird. Und doch ist der Markt enttäuscht, bitter enttäuscht. Am Mittwoch ist der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent erneut unter 50 Dollar gefallen.

Am späten Mittwochnachmittag ist der Preis auf 49,89 Dollar gefallen. Binnen einer Woche hat Öl damit fast fünf Dollar abgegeben. Allein der Tagesverlust summiert sich auf rund vier Prozent. Der jüngste Preisdruck kam ausgerechnet von Opec-Staaten: Die beiden Länder Nigeria und Libyen sind wegen der instabilen politischen Lage vom Kürzungsabkommen ausgenommen. Mit steigenden Öleinnahmen wollen sie ihren Kampf gegen Milizen in ihren Ländern finanzieren und für Stabilität sorgen.

Und wie nun aus einer Reuters-Auswertung hervorgeht, konnten die beiden Länder zuletzt ihre Produktion steigern. Im Mai sei daher die Förderung der Opec auf 32,22 Millionen Barrel pro Tag gestiegen. Das seien etwa 470.000 Barrel mehr als eigentlich angepeilt.

Fragen und Antworten zur Entwicklung des Ölpreises

Warum fallen die Preise, obwohl die Opec weniger fördert?

Im Vorfeld der Entscheidung der Opec und ihrer Partnerländer wie Russland waren die Anleger schon auf die Verlängerung der seit Januar geltenden Förderbremse bis März 2018 vorbereitet worden. Einige hatten aber auf eine deutlichere Verlängerung und stärkere Kürzungen spekuliert.

Was bezweckt die Opec mit der niedrigeren Förderung?

Das Kartell und seine Partner, darunter Russland, wollen das Überangebot auf dem Weltmarkt schmälern und damit die Preise stützen. Erklärtes Ziel ist es, die Ölvorräte von einem aktuellen Rekordhoch von drei Milliarden Fässern auf 2,7 Milliarden Fässer zu senken - dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Das für die Finanzmärkte richtungsweisende Nordseeöl Brent kostet derzeit gut 50 Dollar - im Sommer 2014 war der Preis mit 115 Dollar noch mehr als doppelt so hoch.

Wie wird sich der Preis jetzt entwickeln?

Das hängt davon ab, wie viel Öl tatsächlich vom Weltmarkt verschwindet. Und genau das ist der Haken. Die US-Ölindustrie dürfte in die Bresche springen und die Lücke schließen, die durch den Opec-Beschluss von Donnerstag entsteht.

Gibt es besondere Preis-Marken?

Ja. Umkämpft ist fast jede runde Marke - auch aus psychologischen Gründen. Doch in der Vergangenheit waren stets zwei Preis-Marken wichtig: die 30-Dollar-Marke und die 50-Dollar-Marke. Die erstere wurde Anfang 2016 erstmals seit 2003 wieder unterschritten, was letztlich die Opec auf den Plan rief. Nachdem das Kartell im November erstmals wieder eine Förderkürzung beschloss, kletterte der Preis wieder über 50 Dollar und hat sich seither mehr oder weniger darüber behauptet.

Welche Rolle spielen die US-Ölkonzerne

Die USA machen bei der Förderkürzung nicht mit - dürften sie aus rechtlichen Gründe vermutlich auch gar nicht. In den USA ist die Ölindustrie zudem nicht staatlich organisiert wie in vielen anderen Förderländern. Von Texas bis in die Dakotas feiert das Fracking seit Mitte 2016 ein Comeback. Die US-Ölindustrie pumpt derzeit wieder so viel Öl an die Oberfläche, wie vor einigen Jahren, als die Ölschwemme erstmals die Preise ins Rutschen brachte.

Ist Fracking nicht ein sehr kostspieliges Verfahren?

Ja und nein. Denn während des Preisverfalls der vergangenen beiden Jahre hat die Branche nicht geschlafen. In Texas und anderen US-Regionen sind die Förderkosten inzwischen teilweise so niedrig wie in Nahost. Der technische Fortschritt macht Fracking wieder profitabel. Machten US-Firmen vor einigen Jahren erst ab einem Ölpreis von 60 Dollar Profit, reichen ihnen inzwischen schon 30 Dollar.

Was macht die Opec denn jetzt?

Bis März 2018 kürzt die Opec die Produktion um 1,8 Millionen Barrel täglich. Am 30. November kommen die Mitglieder erneut in Wien zusammen, um die Lage zu beraten. Außerdem wollen sie enger mit den Nicht-Opec-Partnern – sprich Russland – zusammenarbeiten. Saudi-Arabien will zudem seine Exporte in die USA verringern. Doch das ist nicht ohne Risko: Die Opec-Länder und Russland drohen Marktanteile an die US-Ölkonzerne zu verlieren.

Wer sind die größten Ölförderer der Welt?

Die Opec steht für rund ein Drittel des weltweiten Rohöl-Angebots. Neben dem Kartell-Mitglied Saudi-Arabien sind Russland und die USA mit großem Abstand und einer Förderung von je etwa neun bis zehn Millionen Fässern Öl am Tag die größten Ölproduzenten der Welt.

Welche Folgen hätte ein neuerlicher Ölpreisverfall für die Weltwirtschaft?

Wenn der wichtigste Schmierstoff für die Produktion nicht viel kostet, ist das generell gut für die Konjunktur und den Geldbeutel des Verbrauchers, der beim Benzin spart. Aber es gibt auch Kehrseiten - beispielsweise für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn sie kämpft seit Jahren gegen eine zu geringe Inflation, was auf Dauer für die Konjunktur schädlich ist. Erwarten Verbraucher und Firmen fallende Preise, halten sie sich mit Käufen und Investitionen zurück. Der niedrige Ölpreis dämpft zudem in einigen Förderländern die wirtschaftliche Dynamik. Vielerorts werden Investitionen zurückgestellt.

Ursprünglich wurden die Preisrutsche in den vergangenen Tagen von enttäuschten Ölinvestoren ausgelöst. Zwar hat sich die Opec gemeinsam mit zehn Nicht-Opec-Staaten, darunter Russland, vergangene Woche geeinigt, noch bis Ende März 2019 täglich 1,8 Millionen Barrel Öl weniger zu fördern als noch im Oktober 2016.

Doch insgeheim hatte sich der Markt tiefere oder noch längere Einschnitte erhofft. Zudem blieb eine klare Strategie offen, wie das Kartell mit dem steigenden Ölangebot aus Libyen und Nigeria umgehen will. „Die Skepsis hinsichtlich der Wirksamkeit der Produktionskürzungen ist weiterhin hoch. Solange es nicht zu einem spürbaren Abbau der Ölvorräte kommt, dürften die Preise weiter zur Schwäche neigen“, kommentieren die Analysten der Commerzbank.

Bereits seit Anfang Januar verringern die Opec und zehn Nicht-Opec-Staaten ihre Ölproduktion. Zwar haben sich die zwischen Mitte 2014 und Anfang 2016 von mehr als 110 auf zeitweise unter 30 Dollar gefallenen Preise dank des Abkommens wieder um die 50 Dollar-Marke eingependelt. Doch ihr Hauptziel, die rekordhohen Lagerbestände zu senken, verfehlt die Kürzungsallianz bislang. In den Industriestaaten der OECD liegt das Niveau noch immer rund 300 Millionen Barrel über dem angepeilten Fünf-Jahres-Durchschnitt.

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Das Ölkartell und zehn weitere Staaten unter Führung Russlands verlängern ihre Förderkürzung um neun Monate. Trotzdem geht der Preis zurück. Denn die Opec bleibt viele Antworten und eine Zukunftsstrategie schuldig.

Erschwerend hinzu kommt, dass die Schieferölunternehmen dank der gestiegenen Preise ihre Förderung massiv erhöht haben. Schätzungen der Analysefirma WoodMackenzie zufolge könnten allein die USA in diesem Jahr ihre Förderung um fast eine Million Barrel pro Tag steigern – und so etwa die Hälfte des Abkommens wettmachen. Auch Staaten wie Kanada oder Norwegen pumpen wieder mehr Öl.

Die amerikanische Großbank Goldman Sachs hat unterdessen ihre Preisprognose gekappt. Ende des Jahres rechnen die Banker nun mit 55,39 statt 56,76 Dollar je Barrel Brent.

Mittlerweile greift die Opec fast täglich zu verbalen Markteingriffen, um den Preisrutsch zu stoppen, der noch während der Opec-Sitzung am vergangenen Donnerstag einsetzte. Russlands Energieminister Alexander Nowak sagte kurz darauf im Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNBC, dass weitere Kürzungen nicht ausgeschlossen seien und die Allianz fähig sei, auf „jede Situation zu reagieren, die am Markt entstehe.“ Heute erklärten Vertreter der Opec und Russlands nach einem gemeinsamen Treffen in Moskau, dass sie auch über März 2018 hinaus weiter kooperieren wollen. Genützt hat all das bislang nichts.

Kommentare (4)

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Herr Tomas Maidan

31.05.2017, 18:28 Uhr

Wenn Putins Russland die Einnahmen aus dem Öl schwinden, wird es Schwierigkeiten bekommen, die Soldaten, die sich in Syrien verheizen lassen, zu bezahlen. Kann Russland nicht den dicken Max militärisch spielen, wird es heikel. Für den Westen ist dies auch nicht gut, weil dann mit einem weiteren agressiven Agieren Russlands gerechnet werden muss. Das Land besitzt keine verlässliche Wirtschaft, diesen Einnahme-Ausfall zu kompensieren. Ausserdem sitzt im Weißen Haus ein Verbündeter Moskaus, der versucht, über geheime Telefonleitungen die Schwächung der NATO mit seinen Partnern in Moskau zu besprechen. Das ist alles nicht gut.

Herr Donald First

31.05.2017, 18:45 Uhr

Herr Tomas Maidan@Sie verstehen gar nichts, die Einzigen die gewinnen sind die Energie-Firmen in den USA.

Herr Alex Lehmann

31.05.2017, 19:29 Uhr

@Donald First: Ach ne, natürlich hat der Typ keine Ahnung, wenn man in Ideologien verfangrn ist, die rein auf Lügen und falschen Versprechungen fußen! Da ja alle anfangen abseits vom Dollar zu handeln, geht die Rechnung nicht auf! Aber gottseidank gibt es ja doe verlässliche US-Wirtschaft, die auf Papierdrucken beruht, also Vertrauen, und da dieses nunmal nur auf Vertrauen beruht (beim Dollar weötweit), ists eh schon vorbei...Aber aus den nervösen Kommentaren können Sie entnehmen, dass wihl der Insolvenzverwalter Präsident wurde! *Hust mit Verweis auf die marode militärische Infrastruktur der USA...

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