Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.02.2016

18:46 Uhr

Öl-Produktion

Russland hofft auf Halbierung der Überproduktion

Nach dem erfolgreichen Abkommen über eine mögliche Deckelung der Ölförderung, hofft Russland, dass die Maßnahmen die Überförderung halbieren könnten. Auch ohne Beteiligung des Irans glaube man an einen Erfolg.

Russland schätzt, dass derzeit pro Tag 1,8 Millionen Barrel zu viel Öl gefördert werden. dpa

Rohölverarbeitung

Russland schätzt, dass derzeit pro Tag 1,8 Millionen Barrel zu viel Öl gefördert werden.

KrasnojarskEine Deckelung der Ölförderung könnte nach Ansicht Russland die Überproduktion in etwa halbieren. Derzeit würden pro Tag 1,8 Millionen Barrel zu viel Öl gefördert, sagte der russische Vize-Energieminister Alexej Texler am Freitag. Sollte das Anfang der Woche erzielte Abkommen greifen, wäre es nur die Hälfte. Selbst wenn sich der Iran nicht an dem Vorhaben im Kampf gegen den Ölpreisverfall beteilige, werde es Auswirkungen am Markt haben.

Die Förderländer Russland, Saudi-Arabien, Venezuela und Katar hatten sich am Dienstag darauf geeinigt, die Produktion auf dem Niveau vom Januar einzufrieren. Sie schränkten aber ein, dass das Abkommen nur greifen soll, wenn auch andere große Öl-Länder mitmachen.

Das Auf und Ab beim Ölpreis im Jahr 2015

Überangebot

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzen dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,71 Dollar. Derzeit liegt der Preis mit rund 40 Dollar nicht einmal halb so hoch.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will. Sie kämpft stattdessen mit Rabatten um ihre Marktanteile.

7. Januar

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009. Damit nähert er sich dem im Sog der Finanzkrise im Dezember 2008 erreichten Tief von 36,20 Dollar. Das war so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

3. Februar

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. Juli

Ein Bericht über den neuerlichen Anstieg von Ölbohrungen in den USA setzt den Preis wieder unter Druck: Brent fällt bis auf knapp 60 Dollar. Am darauffolgenden Montag, den 6. Juli, sinkt der Preis wieder klar unter die 60-Dollar-Marke.

3. August

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet Brent so wenig wie zuletzt im März 2009, als der Preis einen Tiefstand von 41,30 Dollar erreichte.

8. Dezember

Nachdem die Opec am Freitag ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

9. Dezember

Auch an den Zapfsäulen kommt der Kursverfall am Rohstoffmarkt langsam an: Bei mehreren Internet-Vergleichsportalen kratzt der Preis für ein Liter Diesel erstmals seit 2009 wieder an der Ein-Euro-Marke.

Der Iran begrüßte das Vorhaben zwar, ließ eine Teilnahme aber offen. Das Land darf nach dem Wegfall von Sanktionen in Zusammenhang mit dem Atomprogramm erst seit Januar wieder Öl in großem Stil exportieren. Es sei im Interesse des Iran, sich an der Deckelung zu beteiligen, weil es dem Land bei der Rückkehr an den Markt zu besseren Preisen verhelfen könnte, sagte Texler. „Jedes Land kann sich dem Abkommen anschließen. Aber wir sind Realisten. Nicht jedes Land wird es tun“, erklärte er weiter. Russland selbst will dem Vize-Energieminister zufolge seine Produktion in diesem Jahr um 1,5 Prozent verglichen mit dem Vorjahr erhöhen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×