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02.02.2017

13:25 Uhr

Öl & Opec

US-Iran-Spannungen lassen Ölpreis steigen

VonMatthias Streit

Nach einem Raketentest des Iran verschärfen sich die politischen Beziehungen zu den USA. Mögliche Strafmaßnahmen gegen die islamische Republik, die erst jüngst an den Ölmarkt zurückkehrte, treiben den Preis nach oben.

An einem Waffentest des Irans haben sich neue politische Spannungen mit den USA entflammt. Da der Iran erst jüngst seine Produktion ausweitete, treiben Sorgen über mögliche Strafmaßnahmen auch den Ölpreis. Reuters, Sascha Rheker

Ölplattform im Iran

An einem Waffentest des Irans haben sich neue politische Spannungen mit den USA entflammt. Da der Iran erst jüngst seine Produktion ausweitete, treiben Sorgen über mögliche Strafmaßnahmen auch den Ölpreis.

FrankfurtDie Aktion des Anstoßes hat sich bereits am Sonntag vollzogen: Der Iran testete eine Mittelstrecken-Rakete. Mittlerweile hat die iranische Regierung den Waffentest bestätigt – und prompt folgt die Reaktion aus den USA. Donald Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn nannte den Test am Mittwoch eine „Provokation“, einen Verletzung der UN-Resolutionen und sprach dem Iran eine offizielle Warnung aus.

Hatte der Westen und die USA ihre Sanktionen gegen den Iran wegen seines Atomprogramms Anfang 2016 noch aufgehoben, scheint sich das Verhältnis nun wieder zu verschärfen. Das bekommt auch der Ölmarkt zu spüren. Seit Flynns Äußerungen am Mittwochabend (Ortszeit) kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent um einen Dollar auf 57,40 Dollar.

Der Rohstoff-Analyst Eugen Weinberg von der Commerzbank erklärt: „Der Preisschub seit gestern Abend hängt wahrscheinlich neben einer neuerlichen Abschwächung des US-Dollar mit der scharfen Warnung der US-Regierung an den Iran zusammen.“

Denn der Iran drängte nach Aufhebung der Sanktionen zuletzt zurück an den internationalen Ölmarkt. Im Rahmen der Sanktionen hatte beispielsweise die Europäische Union einen Import-Stopp für Öl aus dem Iran verhängt. Dieses wurde 2016 jedoch aufgehoben. Im März vergangenen Jahres steuerten Tanker mit iranischem Öl wieder Europa an.

Wie und wo die Preise für Ressourcen entstehen

Welche sind die wichtigsten Handelsplätze?

Das Herz der globalen Rohstoffmärkte schlägt in London, Paris und Chicago. Hier läuft ein großer Teil des Handels mit denjenigen natürlichen Ressourcen ab, die für die Ernährung und Energieversorgung von Milliarden Menschen sowie Herstellung zahlloser Produkte unentbehrlich sind. Den sogenannten Termingeschäften schlägt jedoch regelmäßig auch viel Kritik entgegen.

Wie funktionieren Termingeschäfte?

Wir sind es meist gewohnt, nach Kauf oder Bestellung eines Produkts direkt zu zahlen. An den Finanzmärkten ist das oft nicht so. Hier gibt es neben sofort ausgeführten Geschäften („Spot“/„Kassa“) auch viele Deals, bei denen die Abwicklung in der Zukunft liegt - aber zu schon heute vereinbarten Konditionen. Käufer und Verkäufer einigen sich dann auf eine Umsetzung per Termin („Future“). Ein Stahlkonzern kann etwa Monate im Voraus Eisenerz ordern und weiß genau, was ihn das später kostet.

Warum sind solche Geschäfte wichtig?

Generell soll der Terminhandel die Märkte stabilisieren. Im Einkauf großer Öl-, Rohstoff- oder Chemiekonzerne ist eine langfristige Planung ohne teilweise abgesicherte Preise und Mengen nicht denkbar. Grundsätzlich gilt: Wenn die für einen späteren Zeitpunkt erwarteten Preise von den aktuellen abweichen, kann es sich lohnen, auf künftige Preise zu spekulieren. Ziel ist es, beim Liefertermin keinen Verlust zu machen, falls das Preisniveau in der Zwischenzeit in den Keller geht.

Wo gibt es Terminmärkte?

Bekannte Beispiele sind der Handel mit Metallen, Kohle oder Erdöl. Dafür gibt es Börsen, an denen täglich Milliarden umgesetzt werden. Bei Metallen wie Kupfer und Zink läuft das etwa über die London Metal Exchange. Relativ rohstoffarme Länder wie Deutschland sind darauf angewiesen: Laut der Bundesbehörde BGR fiel der Wert der heimischen Rohstoffproduktion 2015 um 100 Millionen auf 13,4 Milliarden Euro. Agrargüter wie Getreide, Soja oder Zucker werden vor allem in Chicago und Paris ge- und verkauft.

Wo lauern Gefahren?

Geht ein Termingeschäft auf, wird die Risikobereitschaft der Akteure belohnt. Probleme können entstehen, wenn die Spekulation von reiner Finanz-Zockerei angetrieben ist. Solche Spekulanten wollen oft gar nicht in reale Güter investieren. Sie setzen auf Preisanstiege etwa von Agrar-„Futures“, um diese mit hohem Gewinn weiterzuverkaufen. Etliche Termingeschäfte sind stark kreditfinanziert und brauchen nur wenig Eigenmittel des Spekulanten. Und Skeptiker weisen auf möglichen Missbrauch durch Insider-Spekulation (Wetten „gegen den Markt“) oder Leerverkäufe (Spekulation mit bloß geliehenen Zertifikaten) hin.

Sind die Geschäfte also schlecht?

Das lässt sich pauschal keinesfalls sagen. Bei realen Gütern kann sie stabilisierend wirken, wenn etwa nach der Ernte Teile des Angebots durch Lagerung verknappt und die Erzeugerpreise so gefestigt werden. Turbulenzen können spekulative Geschäfte aus Sicht vieler Ökonomen dagegen vor allem bei Finanzprodukten auslösen. Einige Banken haben das Geschäft mit Agrarzertifikaten unabhängig davon eingestellt.

Insgesamt hat der Iran seine Ölproduktion seit Anfang 2016 von 2,8 auf zuletzt 3,7 Millionen Barrel pro Tag gesteigert. Damit ist das Land hinter Saudi-Arabien (9,98 Millionen Barrel pro Tag) und dem Irak (4,5 Millionen Barrel) der drittgrößte Ölförderstaat der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec). Angesichts der neuerlichen politischen Spannung macht sich nun aber Nervosität breit.  Analyst Jan Edelmann von der HSH Nordbank erklärt: „Eine Aufkündigung des Abkommens würde unmittelbar ein Defizit an den globalen Ölmärkten erzeugen, sollte der Iran gezwungen sein, die Förderung wieder auf das Vorabkommen-Niveau zurückzufahren.“

Preissteigernd wirken in den vergangenen Tagen zudem die vereinbarten Förderkürzungen des Ölkartells. Dessen Mitglieder haben sich darauf geeinigt, ab Januar zunächst ein halbes Jahr lang 1,2 Millionen Barrel pro Tag weniger zu fördern. Entgegen früherer gescheiterter Abkommen scheint der Deal zu halten: Nicht nur melden einzelne Staaten wie Saudi-Arabien, dass sie ihre Quoten übererfüllen. Unabhängige Schätzungen von Reuters legen nahe, dass die Kürzungen zu 82,4 Prozent eingehalten werden.

Der Iran hat bei dem Abkommen eine Ausnahmeregelung für sich herausgehandelt. Da die Ölförderung nach Aufhebung der Sanktionen des Westens erst wieder Schwung aufgenommen hat, darf das Land seine Produktion sogar noch leicht ausweiten.

Soweit die Theorie. Inwiefern der iranische Ölabsatz auf dem Weltmarkt nun wieder beeinträchtigt wird, lässt sich nicht sagen. Zwar hat Trumps Sicherheitsberater Flynn bei seinen Äußerungen zu den iranischen Waffentests keine konkreten Konsequenzen angedroht – weder politisch noch wirtschaftlich. Doch Sorgen über das Verhältnis des Irans und dem Westen machen sich erneut breit.

Bereits im Ölmarkt-Ausblick für das Jahr 2017 erkannte die britische Bank Barclays in einer Verschärfung der US-iranischen Beziehung das größte Stabilitätsrisiko. „Es sollte kaum überraschen, dass Trumps Versprechen, das Abkommen mit dem Iran wieder rückgängig zu machen, das größte preistreibende Risiko ist“, schrieben die Barclays-Analysten in ihrem Report. Dennoch glaubten sie, dass sich die rabiate Wahlkampf-Rhetorik sich noch „moderieren“ werden. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die Hoffnungen von Barclays erfüllen.

Kommentare (2)

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Herr Tomas Maidan

02.02.2017, 14:24 Uhr

Für Länder, die selbst ausser Bodenschätzen keine nennenswerten Produkte zum Export haben, ist das doch eine sehr erfreuliche Entwicklung. In Moskau dürften die Korken vom Krim-Sekt durch die Decke gehen. Bravo Donald!

Account gelöscht!

02.02.2017, 15:06 Uhr

Hauptsache in der Welt gibt es mal wieder eine Pseudo-Angstmachergrund, auf desen Basis sich die Oelpreissteigerung begründen lässt. Einfach nur lachhaft. Weder wird der Iran einen Krieg mit den USA anfangen noch ist die USA vom Iran Oel abhängig.

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