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14.12.2015

15:41 Uhr

Öl und Rohstoffe

Ölpreis saust auf neue Tiefstände

VonMatthias Streit

Der Ölpreis schmiert weiter ab, weil sich die Opec nicht einigen kann und immer mehr Öl fördert. Das lockt Spekulanten an, die auf niedrige Preise wetten. Goldman Sachs erwartet noch Schlimmeres.

Abwärts geht der Ölpreis, eine wirkliche Umkehr scheint nicht in Sicht. Imago

Öltransport per Seilbahn in den Alpen

Abwärts geht der Ölpreis, eine wirkliche Umkehr scheint nicht in Sicht.

DüsseldorfEr fällt und fällt und fällt. Zum Wochenauftakt macht der Ölpreis genau da weiter, wo er zuletzt aufgehört hat: Bei neuen Tiefstständen. Ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent kostete am Montag weniger als 37 US-Dollar. So billig war der Rohstoff zuletzt vor sieben Jahren. Bei der vor allem in Amerika gehandelten Sorte WTI sieht es noch düsterer aus. Ein Barrel kostet zuletzt weniger als 35 Dollar.

Und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Negativer Preistreiber bleibt die Opec. Die Organisation erdölexportierender Länder konnte sich Anfang Dezember nicht dazu entscheiden, weniger Erdöl zu fördern. Sie wollen ihre Marktanteile verteidigen.

Nun drängt auch noch der Iran auf den Markt. Selbst wenn der Marktpreis weiter sinkt, bestehe „absolut keine Möglichkeit“, dass das Land seine Exportpläne verzögert, erklärte der stellvertretende iranische Ölminister Amir Hossein Zamaninia. Das Land am Persischen Golf möchte nach dem Aufheben der Wirtschaftssanktionen wieder in den internationalen Ölhandel einsteigen.

Für Spekulanten ist damit klar: Trotz übersättigter Nachfrage wird bald noch mehr Öl auf den Markt geschwemmt. Also setzen Hedgefonds andere Großanleger so stark auf sinkende Preise wie noch nie. Das zeigen Daten der amerikanischen Kommission für Rohstoffhandel, die Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Die Wetten auf fallende Preise stiegen in der Woche bis zum 8. Dezember um 5,8 Prozent.

Öl-Aktien: Diesen Öl-Konzernen laufen die Anleger weg

Öl-Aktien

Diesen Öl-Konzernen laufen die Anleger weg

Seit Monaten ist der Ölpreis auf Talfahrt. Rohöl überflutet die Weltmärkte, die Nachfrage ist aber schwach. Anleger gehen wegen einbrechender Gewinne bei Öl-Konzernen in Deckung. Dennoch verlieren nicht alle Aktien.

Das hat Folgen. So sank der Brent-Preis allein in der vergangenen Woche um knapp elf Prozent. So stark ging er seit einem Jahr nicht mehr zurück. Am Montag gaben sowohl Brent als auch WTI um weitere zwei bis drei Prozent nach.

Der Preis für ein Barrel WTI-Öl zur Lieferung im Januar sank am Terminmarkt um bis zu 43 Cent auf 35,19 Dollar. Noch ärger erwischte es Brent. Ein Fass des Nordseeöls kostete auf dem Terminmarkt für Januar 66 Cent weniger. Schon am Freitag schlossen Terminkontrakte für Brent auf nur 37,93 Dollar – dem niedrigsten Wert seit Dezember 2008.

„Das Fehlen einer klaren Strategie der Opec, wie in den kommenden Quartalen mit den Produktionszuwächsen aus dem Iran umgegangen werden soll, belastet den Ölpreis. Erschwerend hinzu kam jüngst die Nachricht, dass die Novemberproduktion des Kartells auf ein Drei-Jahres-Hoch gestiegen ist“, sagt der Rohstoffexperte der Saxo-Bank Ole Hansen.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

14.12.2015, 15:58 Uhr

Besser kann es für uns Verbraucher und für unsere Gesellschaft doch gar nicht laufen. Nachdem das OPEC Kartell durch Fräcking und anderen Oelförderländern zusammengebrochen ist, kann der Markt=Gesellschaft seine ganze Kraft entfalten und zwar zum Wohl der Gesellschaften. Billiges Oel ist der Grundstein für Wohlstand und unser Sozialsystem.
Und solange das Angebot hoch genug ist, solange wird die Gesellschaft daran verdienen. Um die Produzenten braucht man sich nicht sorgen, da wird der freie Wettbewerb für Klarheiten sorgen. Aber eines zeigt die Oelflut...es gibt sehr viel Oel noch auf der Erde und wir stehen erst am Anfang der Fördertechnikentwicklung. Und das ist gut so!

Rainer von Horn

14.12.2015, 16:04 Uhr

Masterfrage an alle potentiellen Grossinvestoren: wer investiert eigentlich denn noch in Rohstoffwerte und in die konventionelle Energieexploration fossiler Energieträger?? Na?

Oder anders gefragt: wer hat Angst vor "stranded Assets"???

Noch anders gefragt: ist der Zusammenbruch von Öl- und Gasfirmen die Kehrseite einer globalen Energiewende? Oder geht dieser dem gesellschaftlichen Kollaps voraus?


:-o

Matt Anderson

14.12.2015, 16:11 Uhr

Spätestens jetzt sollte es in einigen Gehirnen Klick machen. Wie kann der Ölpreis fallen, wenn uns doch schon in Kürze das Öl ausgehen wird? Schäuble wird jetzt ganz schön traurig sein. Wo jetzt doch seine Steuereinnahmen von den Tankstellen und Heizöllieferanten so gnadenlos einbrechen. Und das wo doch der Finanzminister beschlossen hat, dass bald nur noch Reiche heizen und Autos fahren sollen. Der sinkende Ölpreis ist für bevölkerungsverachtende Politiker eine schmerzliche Sache.

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