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04.01.2008

14:28 Uhr

Öl

Zwischen Rekordpreis und Panikmache

Die Ölpreise sind nach der Rekordjagd der vergangenen Tage etwas gesunken. Über die langfristige Entwicklung der Öl- und Benzinpreise streiten sich unterdessen die Wirtschaftswissenschaftler. Die einen warnen vor einem Bezinpreis von vier Euro pro Liter, die anderen halten dies für Panikmache.

Zumindest die Benzinpreise bleiben vorerst stabil.

Zumindest die Benzinpreise bleiben vorerst stabil.

HB NEW YORK/LONDON. Die Ölpreise sind nach der Rekordjagd der vergangenen Tage am Freitag etwas gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete zuletzt 98,86 Dollar. Das waren 32 Cent weniger als zum Handelsschluss am Donnerstag. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich um drei Cent auf 97,57 Dollar.

Am Donnerstag hatten der WTI-Preis mit 100,12 Dollar und am Mittwoch der Brent-Preis mit 98,50 Dollar neue Rekordstände erreicht. Investoren nähmen zum Teil Gewinne mit, sagten Händler. Die sinkenden US-Lagerbestände und der schwache Dollar sorgten allerdings für Unterstützung.

"Eine günstige Kombination aus Lagerbestandsrückgängen, Dollarschwäche, steigender Nachfrage aus Asien und geopolitischer Risiken hat den WTI-Preis über 100 Dollar getrieben", sagte Sucden -Analyst Michael Davies. Diese Faktoren dürften in der vorhersehbaren Zukunft weiter dominieren. Selbst bei einer größeren Abwärtskorrektur der Ölpreise dürfte der langfristige Aufwärtstrend bestehen bleiben. "Die Angebotsreserven sind sehr begrenzt und die Nachfrage steigt immer noch", sagte Davies.

Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hält sich unterdessen zu Beginn des neuen Jahres über der 90-Dollar-Marke. Wie die Opec am Freitag in Wien berichtete, kostete ein Barrel Rohöl aus den Fördergebieten des Kartells am Donnerstag 93,94 Dollar. Das sind 1,88 Dollar mehr als am Vortag. Die Opec -Länder decken etwa 40 Prozent des weltweiten Ölbedarfs ab.

Aussagen über einen weiteren Anstieg der Preise für Öl und Benzin haben unterdessen zu einem Streit unter Wirtschaftswissenschaftlern geführt. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, warnte am Freitag vor Panikmache und übertriebenem Konjunktur-Pessimismus. Der Ölpreis werde im Laufe des Jahres fallen, sagte Rürup.

Er tue sich schwer mit Kollegen, "die genau wissen, wie hoch der Ölpreis in fünf oder zehn Jahren sein wird. Das kann man meines Erachtens nicht machen", sagte Rürup im Deutschlandfunk. Der Preisauftrieb werde langfristig weitergehen. Doch bleibe für die Wirtschaft und die Politik genügend Zeit, sich darauf einzustellen. Der Preis für ein Fass Rohöl war am Donnerstag vorübergehend auf knapp über 100 Dollar geklettert, ein Rekord. Rürup erklärte, es könne kurzfristig noch darüber gehen. Doch bis Ende des Jahres werde sich der Wert auf 80 Dollar einpendeln. Nur wenn der Preis wider Erwarten dauerhaft auf heutigem Niveau verharre, sei dies ein Konjunkturrisiko. "Aber man sollte das wirklich nicht dramatisieren." Deutschland profitiere von der starken Weltkonjunktur und verfüge als Land mit sehr guter Energieeffizienz über ein "gewisses Sicherheitspolster".

Die Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, hatte eine Verdoppelung des Öl-Preises in den nächsten zehn Jahren prognostiziert. Dann müsse ein Autofahrer für einen Liter Super-Benzin unter Umständen vier Euro zahlen, erklärte sie.

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